Steigende Temperaturen können katastrophale Folgen für die Psyche haben

Eine aktuelle Studie der Proceedings of the National Academy of Sciences in den USA führt empirische Beweise an, dass die steigenden Temperaturen, häufiger auftretende Hurrikane und erhöhte Niederschlagsmengen alle zu einem vermehrten Vorkommen von psychischen Gesundheitsproblemen führen – ein Problem, dass sich bei der kontinuierlichen Veränderung des Klimas nur noch weiter verschlimmern wird.  

Höhere Temperaturen können sich auf die Psyche auswirken. (Bild: Getty Images)

Die Studie untersuchte ein zufällig ausgewähltes Sample aus mehr als zwei Millionen Amerikanern zwischen den Jahren 2002 und 2012. Die Wissenschaftler fanden eine Korrelation zwischen einer Erhöhung der maximalen Durchschnittstemperaturen und einer Steigerung an selbstberichteten psychischen Problemen. 

Während die destruktive und manchmal traumatische Erfahrung eines Hurrikans erwartungsgemäß einen negativen Effekt auf die mentale Gesundheit hat, scheint ein nasseres Klima einen ähnlichen Effekt zu haben. Monate mit mehr als 25 Tagen Niederschlag konnten mit einer 2%-Steigerung der Wahrscheinlichkeit für Stress und Depressionen in Verbindung gebracht werden (gegenüber Monaten mit weniger regnerischen Tagen). Das Prinzip ähnelt dem einer jahreszeitlich bedingten Depression, allerdings findet dies hier in einem deutlich größeren Ausmaß statt.

Ähnliches Prinzip wie jahreszeitlich bedingte Depression

Der Hauptautor Nick Obradovich, ein Politikwissenschaftler, der am MIT Media Lab die soziale Auswirkung des Klimawandels untersucht, glaubt, dass die Verbindung zwischen psychischer Gesundheit und globaler Erderwärmung eng mit dem menschlichen Schlaf zusammenhängen könnte. "Wenn es draußen heißer ist, schlafen Menschen nicht so gut", sagt er. "Wiederholte Schlafdefizite neigen dazu, alle Arten von psychischen Problemen auszulösen – hieran könnte es also alles liegen." 

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Es gibt diverse weitere Studien, die ein heißeres Klima mit der mentalen Gesundheit in Verbindung bringen. Obradovich führt eine Studie in der Fachzeitschrift Nature Climate Change an, die herausfand, dass die steigenden Temperaturen in den USA und in Mexiko eng mit erhöhten Selbstmordraten zusammenhängen.

Fridays for future Demonstrationen. (Bild: Getty Images)

Steigende Selbstmordzahlen und Suizidgedanken, ebenso wie verstärkter Drogen- und Alkoholmissbrauch werden auch in Kanada und Australien mit dem Klimawandel begründet, so berichtet Psychology Today. Ashlee Cunsolo, eine Gesundheitswissenschaftlerin an der Memorial University, die die Auswirkungen von Klimawandel und die psychische Gesundheit bei Kanadas indigenen Völkern und australischen Farmern untersucht, fand bei diesen noch mehr offensichtliche Effekte, da diese Bevölkerung noch enger mit der Umwelt verbunden ist. Zum Beispiel beeinflusst Dürre in Australien direkt die Lebensfreude der Menschen und die schmelzenden Eiskappen des Ozeans zerstören die Dörfer der Inuits und deren langjährige kulturelle Praktiken wie das Jagen von Seerobben.

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“Haben keine 20 Jahre mehr zu verschwenden”

Aber was können wir tun? Obradovich schlägt vor, eine Kohlenstoff-Steuer einzuführen, die gleichzeitig zur Reduzierung der Emissionen führt und Gelder beschafft, die in ein wirksameres System zur Behandlung von psychischen Erkrankungen investiert werden können. Cunsolo ihrerseits bringt Programme auf der Basisebene vor – Gemeinschaftsprogramme, die dabei helfen, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen. Außerdem sollte jeder seine eigenen Strategien zur Bekämpfung des Klimawandels finden, wie beispielsweise den Fleischkonsum zu reduzieren oder öfter mit öffentlichen Transportmitteln zu fahren. Im Grunde geht es darum, alles zu tun, um das Gefühl der eigenen Nutzlosigkeit und Machtlosigkeit zu überwinden, während wir uns auf die bevorstehende Klimakrise vorbereiten. 

Cunsolo macht allerdings auch deutlich, wie bedrohlich die Situation ist. Der aktuelle UN-Klimabericht macht auf erschütternde Weise klar, unter welchem Handlungsdruck wir stehen und wie wichtig politische Aktionen sind: "Normalerweise, wenn ich mit Politikern spreche, wollen diese von mir die empirischen Daten der nächsten 20 Jahre, um zu sehen, womit wir es zu tun haben", sagt sie. "Aber wir haben keine 20 Jahre mehr zu verschwenden."

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