Der Stereotyp der „lustigen Dicken“ muss endgültig abgeschafft werden

Edith Löhle

Es wäre falsch, den Castern des Tatort s vorzuwerfen, Talente nach Körpergröße zu besetzen. Der Kult-Krimi ist keine Fashion Show, kein Sammel-Becken für Size-Zero-Schauspieler – und trotzdem stach Svenja Hermuth im gestrigen Kieler Tatort „Borowski und das dunkle Netz" mit ihrem Körper deutlich heraus. Ihre Nacktszene als Hotelangestellte „Rosi“ war so ehrlich und unaufgeregt, so beispielhaft. Sie hat einen Strip hingelegt und beweist, dass auch Frauen, die über 100 Kilo bei einer Körpergröße von 1,65 Meter wiegen, ins deutsche Fernsehen gehören. Dass Frauen auch abseits von Kleidergröße 36 als sexy dargestellt werden sollten. Und am Ende: dass jede Frau das Recht hat, sich in ihrem Körper sexy zu fühlen.

Cindy aus Marzahn oder Big Mama's Haus – was gibt's da zu lachen?

Es ist doch so, dass Menschen mit einer gewissen Körperfülle in Film und Fernsehen immer die Witzfiguren mimen. Amerika machte es vor mit Komödien wie „Big Mamas Haus" oder „Schwer verliebt", Deutschland zieht nach mit „Die Friseuse" oder „Plötzlich fett". Außerhalb von Komödien und Stand-Up-Comedy – denken wir an Melissa McCarthy oder Cindy aus Marzahn – finden Menschen ab einer Kleidergröße 44 nicht statt. Im sexuellen Kontext schon mal gar nicht.

Dabei sieht die Realität so aus, dass auf der Erde mehr Übergewichtige als Untergewichtige leben. Laut Statistikbehörde Eurostat ist fast jeder sechste Europäer fettleibig, mehr als die Hälfte der Erwachsenen in der Europäischen Union sind übergewichtig und die Deutschen sind sogar noch dicker als der EU-Durchschnitt. Alle Menschen leben ihre eigene Sexualität, also warum thematisieren wir sie dann nicht? Wir kennen doch alle die Lösung: Bodyshaming und andere oberflächliche Strömungen kommen ja nur davon, dass uns in Medien und Unterhaltung vermittelt wird, dass perfekte Menschen dünn und trainiert sind. Um so mehr realistische Körper in Serien und Filmen gezeigt werden, desto normaler ist Vielfalt fürs Auge der Gesellschaft.

Für Svenja Hermuth war es nicht das erste Mal, nackt für eine Rolle zu sein. Sie kennt das aus dem Theater und lernte dadurch früh, ihren Körper zu akzeptieren und einzusetzen. Durch so kleine Szenen wie die im Tatort ebnet sie hoffentlich Schauspielern mit den unterschiedlichsten Körperformen den Weg.

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