Stress kann dich anfälliger für Infektionen machen, indem er dein Immunsystem „schwächt“

·Lesedauer: 5 Min.
Stress kann dich anfälliger für Infektionen machen, indem er dein Immunsystem „schwächt“
Stress kann unser Immunsystem beeinträchtigen, wie neue Studien bestätigen. (Getty Images)

Stress lässt sich im Leben nicht immer vermeiden. Irgendwann fühlen wir uns alle gestresst, egal ob es die Karriere, die Familie, Geldsorgen oder andere persönliche Dinge sind.

Laut einer Studie der Mental Health Foundation waren drei Viertel der Menschen (74 %) schon einmal so gestresst, dass sie sich „völlig überfordert“ fühlten.

Neue Studien haben jetzt gezeigt, dass uns Stress tatsächlich krank machen kann.

Forscher der McMaster University in Hamilton, Kanada, haben herausgefunden, dass Stress uns anfälliger für Krankheiten machen kann, denn er schwächt unser Immunsystem.

Stress als Auslöser für Morbus Crohn?

Wissenschaftler glauben, dass Menschen, die unter Stress leiden, ein erhöhtes Risiko haben, an Morbus Crohn zu erkranken, denn ihr Körper kann schädliche Bakterien im Körper nicht in den Griff bekommen.

Wenn wir uns unter Druck und überfordert fühlen, produziert unser Körper Hormone wie Adrenalin oder Cortisol. Forscher haben herausgefunden, dass diese Hormone die Schutzmechanismen unseres Darms beeinträchtigen können.

Hauptautor Professor Brian Coombes sagt, dass psychischer Stress die Fähigkeit des Körpers beeinträchtigt, Darmbakterien zu bekämpfen, die mit Morbus Crohn in Verbindung gebracht werden können.

„Die angeborene Immunität soll uns vor Mikroben schützen, die nicht in den Darm gehören, wie etwa schädliche Bakterien“, erklärt er.

Stress kann dich anfälliger für Infektionen machen, indem er dein Immunsystem „schwächt“
Stress kann Menschen anfällig für Krankheiten machen, indem er ihr Immunsystem schwächt. (Getty Images)

Der Darm wird normalerweise durch eine Barriere von Zellen geschützt, die als Epithelzellen bezeichnet werden. Diese halten schädliche Mikroorganismen ab.

Diese kleinen Helfer sind jedoch darauf angewiesen, dass die Immunzellen molekulare Signale aussenden können, um ihre Aufgabe zu erfüllen.

In dieser Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, wurde eine Reihe von Experimenten an Mäusen durchgeführt, um festzustellen, wie Stress ihr Immunsystem beeinträchtigte.

Sie fanden heraus, dass Stresshormone die molekularen Signale der Immunzellen hemmten und somit die Schutzbarriere zerstörten, die normalerweise schädliche Bakterien abhält – insbesondere eine Gruppe schädlicher Bakterien, die als Enterobacteriaceae bekannt sind, zu denen auch E. coli gehört und die mit Morbus Crohn in Verbindung gebracht werden.

Professor Coombes fügt hinzu: „Wenn unser angeborenes Immunsystem richtig funktioniert, verhindert es, dass sich schädliche Bakterien in unseren Körpern vermehren, aber wenn es zusammenbricht, bietet dies Krankheitserregern einen Weg, die sich an Orten ansiedeln können, zu denen sie normalerweise keinen Zugang haben und Krankheiten zu verursachen.“

Als die Stresshormone entfernt wurden, wurde auch die Immunität der Nagetiere gegen die Mikroorganismen wiederhergestellt, fanden die Forscher heraus.

Die Ergebnisse befinden sich zwar noch in der vorklinischen Phase, aber das Forscherteam hofft, dass sie zu neuen Behandlungsmöglichkeiten für Morbus Crohn führen können. In Großbritannien leiden etwa 115.000 Menschen an Morbus Crohn. Dabei handelt es sich um eine chronische Entzündung des Darms, bei der es zu Geschwüren und Narbenbildung im Verdauungstrakt kommt.

Obwohl die Ursachen nicht bekannt sind, werden bei Patienten oft große Mengen schädlicher Bakterien wie E. coli im Darm gefunden.

„Je mehr wir über die Auslöser von Morbus Crohn wissen, desto näher kommen wir neuen Behandlungsmöglichkeiten und können der Erkrankung vielleicht sogar irgendwann vorbeugen“, fügt Professor Coombes hinzu.

Dauerstress macht anfälliger für Infektionen

Die neuen Forschungsergebnisse kommen kurz nachdem Wissenschaftler davor gewarnt hatten, dass Dauerstress uns anfälliger für Infektionen machen kann. Es wird davon ausgegangen, dass die „andauernde“ Ausschüttung des Stresshormons Cortisol die Fähigkeit des Körpers, gegen Viren und Bakterien anzukämpfen, „ausschaltet“.

„Cortisol hat einen starken Einfluss auf das Immunsystem“, so Professorin Angela Clow von der University of Westminster.

„Es hemmt die ‚Nachtimmunität‘, wenn Immunzellen Bakterien vernichten und sogar die Entstehung von Krebs verhindern.“

Dies unterscheide sich von der Immunität tagsüber, die gegen akutere Risiken schützt, fügt sie hinzu.

Wissenschaftler der Ohio State University stellten erstmals einen Zusammenhang zwischen Stress und Immunität fest, als sie die Heilungszeit von Stichwunden bei Pflegern von Demenzkranken untersuchten.

Die Betreuung von Demenzkranken zwingt die Pfleger dazu, sich mit „Gedächtnisverlust, unangemessenen Emotionen und dem unruhigen Verhalten ihrer Angehörigen“ auseinanderzusetzen, schreiben sie.

Im Vergleich zu den Kontrollgruppen brauchten die Wunden der Pfleger 24 % länger, um zu heilen, „was ein Beweis dafür ist, dass Stress den Heilungsprozess verlangsamen kann.“

Stress kann dich anfälliger für Infektionen machen, indem er dein Immunsystem „schwächt“
Stress kann die Nachtimmunität hemmen. (Getty Images)

Wie man Stress bekämpft

Obwohl sich unser Leben manchmal hektisch anfühlen kann, muss Stress nicht unvermeidbar sein. Wenn du dich angespannt fühlst, ist laut dem britischen Gesundheitsdienst NHS der erste Schritt zu Besserung, die Ursachen herauszufinden.

Was dabei am wenigsten hilfreich ist, ist die Bewältigung durch ungesunde Dinge wie Rauchen oder Trinken von Alkohol.

„Im Leben gibt es für Probleme immer auch Lösungen“, schreibt Professor Cary Cooper, Experte für Betriebsmedizin an der University of Lancaster für den NHS. „Wenn man die Situation nicht ändert, macht es die Probleme nur noch schlimmer.“

Er sagt, der Schlüssel zu einer guten Stressbewältigung sei der Aufbau emotionaler Stärke, Kontrolle über seine Lage, ein gutes soziales Netzwerk sowie eine positive Einstellung.

Andere Tipps der Stressbewältigung umfassen körperliche Aktivität.

Sport lässt den Stress zwar nicht verschwinden, aber laut dem NHS kann er einige der starken Emotionen lindern, die du vielleicht spürst, deine Gedanken klarer machen und du kannst dich ruhiger mit deinen Problemen auseinandersetzen.

Der NHS empfiehlt außerdem Achtsamkeitsübungen, damit man das Gefühl hat, man habe die Kontrolle.

„Achtsamkeit heißt, dass man seinen Gedanken und Gefühlen in der Gegenwart sowie seiner Umgebung mehr Aufmerksamkeit schenkt“, erklärte Dr. Daniel Atkinson, klinischer Leiter bei Treated.com, gegenüber Yahoo UK.

„Es hilft, den ‚Autopilot‘-Modus zu unterbrechen, in den man im Alltag sehr leicht gerät.“

„Und die erhöhte Aufmerksamkeit, die wir unseren Gedanken und Gefühlen schenken, kann uns helfen, Anzeichen von Stress zu erkennen.“

Marie Claire Dorking

VIDEO: Horrorfilme können gegen Angst und Stress helfen

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.