Studie: Facebooks Anzeige-Mechanismus für Stellenangebote ist "diskriminierend"

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 2 Min.

Facebook verbreitet die Stellenanzeigen unter seinen Nutzer abhängig vom Geschlecht. Das "diskriminierende" Verfahren belegen US-Forscher in einer Studie.

SPAIN - 2021/03/29: In this photo illustration, the Facebook app seen displayed on a smartphone screen. (Photo Illustration by Thiago Prudencio/SOPA Images/LightRocket via Getty Images)
Bild: Thiago Prudencio/SOPA Images/LightRocket via Getty Images

Die Art und Weise wie Facebook auf seiner Plattform Stellenangebote verbreitet, ist offenbar diskriminierend. Forscher der University of Southern California haben herausgefunden, dass der zugrundeliegende Algorithmus bei der Streuung der Annoncen nicht geschlechtsneutral vorgeht. Wer auf der Plattform also welche Job-Anzeige zu sehen bekommt, hängt vom Geschlecht des Nutzers ab.

Für die Studie schalteten die Wissenschaftler auf Facebook Stellenanzeigen für verschiedene Lieferdienste. Dabei stellten sie fest: Obwohl sie mit den Annoncen jeweils sowohl Frauen als auch Männer anvisiert hatten, wurden sie auf der Plattform geschlechtsorientiert verbreitet. Zum Beispiel erreichte die Ausschreibung für die Position eines/r Lieferfahrers/in für die Pizza-Kette Domino mehrheitlich männliche Nutzer. Anzeigen für den Posten eines/r Lieferanten/in für den Lebensmittel-Lieferservice Instacart bekamen dagegen überwiegend Frauen zu sehen.

Diskriminierender Algorithmus

Offenbar orientiert sich Facebooks Algorithmus nicht an das Kriterium Qualifikationsanforderung, maßgeblich scheint vielmehr die tatsächliche Beschäftigungssituation in den Unternehmen zu sein. Auf den Umstand kommen auch die Wissenschaftler zu sprechen. Sie verweisen auf Daten, nach denen 98 Prozent aller Domino-Fahrer männlichen Geschlechts seien, während für Instacart mehr als 50 Prozent Frauen auslieferten.

"Wir gehen davon aus", erklären die Forscher, dass der Algorithmus von Facebook "die vorhandene Schieflage in der Wirklichkeit propagiert." Daraus formulieren sie die These: Die Art, wie die Stellenangebote auf der Plattform an die Nutzer gestreut werden, sei "geschlechtsdiskriminierend". Das unterscheide das Online-Portal vom Berufsnetzwerk LinkedIn, wo es für Diskriminierung keine Belege gebe, so die Wissenschaftler.

Was sagt Facebook zu den Vorwürfen? Auf Anfrage des Magazins Mashable erklärte ein Konzernsprecher, dass das System des sozialen Netzwerks "mehrere Faktoren berücksichtigt, um Personen Anzeigen zu schalten, an denen sie am meisten interessiert sind". Der Konzern verstehe die in der Studie angesprochenen Bedenken, man habe "wichtige Schritte unternommen, um das Problem der Diskriminierung in Anzeigen anzugehen".

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