Studie: Frauen arbeiten fast die Häfte der Zeit unbezahlt

Jennifer Caprarella
Freie Autorin

In Sachen Bildung, Erwerbstätigkeit und soziale Absicherung haben Frauen in den vergangenen Jahren ordentlich aufgeholt. In der schulischen Bildung haben sie die Männer sogar überholt. Dennoch liegt der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern bei fast 21 Prozent. Einer neuen Studie zufolge liegt das unter anderem am sogenannten “Gender Care Gap”.

Fast die Hälfte der Gesamtarbeitszeit von Frauen geht für unbezahlte Sorgearbeit drauf (Symbolbild: Getty Images)

Eine neue Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung brachte es nun zu Tage: Frauen holen im Job im Vergleich zu Männern zwar auf, ihre wirtschaftliche und soziale Situation ist jedoch oft immer noch schlechter.

Unbezahlte Sorgearbeit fällt zum Großteil auf Frauen

Das WSI hat hierfür verschiedene Gründe ausfindig gemacht. Unter anderem hob es den Umstand hervor, dass bei Frauen unbezahlte Arbeit etwa 45 Prozent ihrer gesamten Arbeitszeit ausmacht. Zu dieser Sorgearbeit gehören die Betreuung der Kinder, die Pflege von Angehörigen und Aufgaben im Haushalt.

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Bei Männern mache dies lediglich 28 Prozent ihrer Arbeitszeit aus, auch wenn diese beispielsweise bei der Pflege langsam mehr Aufgaben übernehmen würden. Experten sprechen hierbei von dem sogenannten “Gender Care Gap”.

Auch in der Karriere würden Frauen deutlich häufiger Berufe im Pflege- und Gesundheitsbereich übernehmen, die schlechter bezahlt sind als technische Jobs, die nach wie vor vorwiegend von Männern übernommen würden. Um Familie und Job unter einen Hut bringen zu können, arbeiten Frauen der Studie zufolge zudem viermal so häufig in Teilzeitberufen wie Männer.

Das WSI gibt der Politik Empfehlungen, wie weiterhin Schritte in Sachen Gleichstellung der Geschlechter unternommen werden können (Symbolbild: Getty Images)

Fortschritte gibt es - doch auch noch Luft nach oben

Faktoren wie diese führen dazu, dass der Stundenlohn von Frauen durchschnittlich etwa 21 Prozent unter dem von Männern liegt. Von den Frauen, die Vollzeit arbeiten, verdienen 25 Prozent weniger als 2.000 Euro brutto monatlich - bei den Männern sind es 14 Prozent.

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Doch auch auf Fortschritte in Sachen Gleichberechtigung machte die Untersuchung aufmerksam. So hätten Frauen bei beruflicher Qualifitkation weitestgehend mit Männern gleichgezogen, bei er Schulbildung seien sie ihnen sogar voraus. Und die Erwerbsbeteiligung von Frauen liegt nur noch um knapp acht Prozentpunkte niedriger als die von Männern. Zum Vergleich: 1991 waren es noch 21 Prozent gewesen.

Das empfehlen die Studienleiter für mehr Gleichberechtigung

Um diesen Aufwärtstrend beibehalten zu können legen die Studienautoren der Politik ans Herz, sich abgesehen von verbindlichen Frauenquoten um eine finanzielle Besserstellung von “typischen Frauenberufen” im Gesundheits-, Sozial- und Erziehungsbereich zu kümmern.

Außerdem sollte der “Gender Care Gap” geschlossen werden, indem Männern Anreize geboten würden, in gleichem Maße wie Frauen Sorgearbeit zu übernehmen. So könnten unter anderem die Partnermonate im Eltergeld auf sechs Monate erweitert werden.

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