Studie: Männer leiden emotional mehr unter Trennungen als Frauen

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Studie: Männer leiden emotional mehr unter Trennungen als Frauen
Männer erleiden bei Beziehungsproblemen mehr emotionalen Schmerz als Frauen, so eine neue Studie. (Getty Images)

Wenn es um Trennungen geht, gehen wir oft davon aus, dass es Frauen am härtesten trifft. Zum Teil liegt das an der Bridget-Jones-Geschichte von Frauen, die mit gebrochenem Herzen in ein Glas Sauvignon schluchzen.

Eine neue Studie ergab jedoch, dass es tatsächlich die Männer sind, die mehr emotionalen Schmerz erleiden als Frauen.

Die erste Studie dieser Art, die im Journal of Social and Personal Relationships veröffentlicht wurde, analysierte Online-Beziehungen und zeigte die häufigsten Beziehungsprobleme auf, die Paare haben.

Das internationale Psychologenteam unter der Leitung von Forschern der Lancaster University setzte Methoden der natürlichen Sprachverarbeitung ein, um die demografischen und psychologischen Merkmale von über 184.000 Personen zu analysieren, die ihre Beziehungsprobleme in einem anonymen Online-Forum gepostet hatten.

Die Analyse ergab, dass es Männer und nicht Frauen waren, die am meisten darunter litten, wenn ihre Beziehung in die Brüche ging.

„Das meiste, was wir über Beziehungsprobleme wissen, stammt aus Studien über Menschen, die sich in Paartherapie befinden, was eine ziemlich spezifische Untergruppe von Menschen umfasst – Menschen, die die Zeit, das Geld und das Motiv haben, an ihren Beziehungsproblemen zu arbeiten“, erklärt Charlotte Entwistle, Hauptautorin der Studie.

„Wir wollten nicht nur verstehen, welche Beziehungsprobleme am häufigsten auftreten, sondern auch, wer welche Probleme am häufigsten hat.“

Während es keine große Überraschung war, dass Kommunikation und Vertrauen zu den am häufigsten diskutierten Problemen gehörten, war das Forschungsteam überrascht über den geschlechtsspezifischen Unterschied, der sich bei diesem Thema zeigte.

Studie: Männer leiden emotional mehr unter Trennungen als Frauen
Eine neue Studie stellt das Klischee infrage, dass es Frauen schwerer fällt, sich zu trennen. (Getty Images)

„Als wir die Studie durchführten, wurde uns klar, dass dies eine wichtige Gelegenheit war, viele gängige Vorstellungen über geschlechtsspezifische Unterschiede in Beziehungen auf den Prüfstand zu stellen“, erklärt Dr. Ryan Boyd, der leitende Forscher der Studie und Dozent für Verhaltensanalytik.

„Sind Männer beispielsweise wirklich weniger emotional in Beziehungen involviert als Frauen, oder ist es so, dass Männer einfach stigmatisiert werden, weil sie ihre Gefühle nicht teilen?“

Die Datenanalyse ergab, dass die Menschen, die über ihre Beziehungsprobleme sprachen, am häufigsten über den emotionalen Schmerz sprachen, der durch die Probleme verursacht wurde – und nicht über die Probleme selbst.

Den Forschern zufolge war das Thema, das immer wieder auftauchte, der „Herzschmerz“, der empfunden wurde, und das Team registrierte die Verwendung bestimmter Wörter wie: „bedauern“, „Schluss machen“, „weinen“ und „Liebeskummer“.

Entgegen ihren Erwartungen zeigten die Ergebnisse des Forschungsteams, dass die männlichen Teilnehmer deutlich häufiger über Liebeskummer sprachen als die Frauen, was darauf hindeutet, dass das Klischee, Männer seien weniger emotional in Beziehungen involviert als Frauen, nicht ganz richtig sein könnte.

„Vor allem die Tatsache, dass das Thema Liebeskummer häufiger von Männern diskutiert wurde, unterstreicht, dass Männer von Beziehungsproblemen mindestens genauso emotional betroffen sind wie Frauen“, fügte Entwistle hinzu.

Die Forscher fanden auch heraus, dass Männer eher als Frauen professionelle Online-Hilfe in Anspruch nehmen, um mit ihren Beziehungen fertig zu werden.

„Traditionell ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen Beziehungsprobleme erkennen, eine Therapie in Erwägung ziehen und sich in Behandlung begeben, größer als bei Männern“, erklärt Dr. Boyd.

„Entfernt man jedoch das traditionelle soziale Stigma, das Männer dafür straft, dass sie Hilfe suchen und über ihre Gefühle sprechen, scheinen sie genauso viel Mühe darauf zu verwenden, schwierige Phasen in ihren Beziehungen zu bewältigen wie Frauen.“

Die Ergebnisse des Teams sind sowohl für die Öffentlichkeit als auch für den klinischen Bereich von großer Bedeutung. Die Forscher weisen darauf hin, dass die Entwicklung eines genaueren Bildes von Beziehungsproblemen dazu beitragen wird, zu verstehen, wann und warum Dinge in Beziehungen schieflaufen.

Dies wiederum könnte Paaren helfen, die häufigen Rückschläge zu vermeiden, wenn sie versuchen, glücklich bis ans Ende ihrer Tage zu leben.

Die Autoren der Studie weisen auch darauf hin, dass die Ergebnisse dazu beitragen könnten, Menschen, die Hilfe suchen, zu entstigmatisieren, indem sie zeigen, wie häufig Beziehungsprobleme sind, und dass Männer genauso häufig wie Frauen mit einem Experten/einer Expertin über ihre Probleme sprechen.

„Eines der wichtigsten Dinge, die wir hier sehen, ist, dass wir in der Lage sind, ein unglaublich genaues Bild von den Beziehungsproblemen zu zeichnen, mit denen die Menschen im Alltag konfrontiert sind, und zwar allein auf der Grundlage dessen, was sie online sagen“, fügt Dr. Boyd hinzu.

„Das gibt uns große Hoffnung, dass wir das Verhalten von Menschen, die Hilfe suchen, nutzen können, um alle Arten von sozialen und psychologischen Problemen besser zu verstehen, und zwar auf eine Weise, die wir mit herkömmlichen Forschungsmethoden einfach nicht erreichen können.“

Studie: Männer leiden emotional mehr unter Trennungen als Frauen
Die Forscher hoffen, dass ihre Studie dazu beiträgt, das Bild von Beziehungsproblemen zu verändern. (Getty Images)

Die Forschungsergebnisse kommen kurz nachdem bekannt wurde, dass es nun möglich ist, den Erfolg einer Beziehung vorherzusagen.

Wissenschaftler fanden in einer anderen aktuellen Studie heraus, wie man erkennen kann, ob ein Paar zusammenbleibt oder sich trennt. Die Psychologen behaupten, dass das Verhalten in den ersten Tagen der Beziehung Aufschluss darüber geben kann, wie sich die Beziehung entwickeln wird.

Sie fanden heraus, dass Paare, die ähnliche Bedürfnisse, aber unterschiedliche Interessen haben, in der Regel länger zusammenbleiben.

Die Wissenschaft hat vor kurzem auch den Grund aufgedeckt, warum so viele Menschen in Beziehungen bleiben, die eigentlich nicht funktionieren.

Die Studie, die im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht wurde, ergab, dass der Gedanke an die andere Person in der Beziehung und daran, wie sehr sich eine Trennung auf sie auswirken könnte, einen großen Einfluss auf die Entscheidung hat, die Beziehung zu beenden oder nicht.

Frühere Untersuchungen hatten auch gezeigt, dass Menschen in einer unglücklichen Beziehung bleiben, wenn die Alternativen, d. h. das Alleinsein oder der Mangel an verfügbaren alternativen Partnern, weniger attraktiv erscheinen.

Die jüngste Studie legt jedoch nahe, dass Menschen nicht nur an ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse denken, wenn sie entscheiden, ob sie eine Beziehung beenden wollen, sondern auch an die ihres zukünftigen Ex-Partners.

Marie Claire Dorking

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