Studie: Tätowierte Menschen handeln impulsiver

Anna Rinderspacher
Freie Journalistin

Wer sich tätowieren lässt, gilt als verwegen – doch diese wilde Ader kann auch zu unüberlegten Entscheidungen führen, wie eine Studie aus Kanada nun herausgefunden hat.

Ob ein Tattoo dezent und an versteckter Stelle oder deutlich sichtbar ist, macht einen großen Unterschied. (Bild: Getty Images)

Auch wenn sie längst keine Seltenheit mehr sind: Tätowierungen strahlen immer noch etwas Rebellisches aus – so als ob derjenige, der sie trägt, nicht ganz nach den üblichen Regeln der Gesellschaft spielen würde.

Dass es sich dabei nicht bloß um einen Mythos handelt, sondern tatsächlich etwas dran ist, hat jüngst eine kanadische Studie herausgefunden. Demnach neigen Menschen, die ein gut sichtbares Tattoo haben, zu impulsivem und mitunter fahrlässigem Handeln.

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Worum ging es in der Studie?

Eine Gruppe von Wirtschaftsforschern der Wilfrid Laurier University in Kanada wollte herausfinden, wieso Tattoos eigentlich so beliebt geworden sind – obwohl viele Arbeitgeber ein Problem damit haben, wenn ihre Angestellten an einer sichtbaren Stelle tätowiert sind. Und wenn wir ehrlich sind, gibt es in unserer Gesellschaft immer noch viele Vorurteile gegenüber Leuten, die sich unter die Nadel legen.

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben die Forscher rund 1000 Menschen befragt; 255 Probanden waren tätowiert, 68 davon an Stellen, die auch dann noch sichtbar sind, wenn die Person komplett bekleidet ist. Das Ergebnis der Studie wurde vor kurzem im Journal of Economic Behavior veröffentlicht.

Wer sich eine ganze Tattoo-Sleeve stechen lässt, neigt laut der Studie eher zu impulsiven Entscheidungen (Bild: Getty Images)

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher?

Wie die Zeitung “Times of London“ berichtet, testeten die Wissenschaftler, wie die Probanden an wirtschaftliche Entscheidungen herangehen. In einer Frage ging es darum, ob die Probanden Geduld beweisen können, um dadurch am Ende mehr Geld ausbezahlt zu bekommen.

Noch teurer? Tattoo-Entfernung bald ein echter Luxus?

Diejenigen Teilnehmer der Studie, die nicht tätowiert waren, durchschauten die Fragestellung und erkannten früh, welche Strategie sie verfolgen müssten, um zu mehr Geld zu kommen. Die Körperkunst-Liebhaber unter den Probanden hingegen ließen sich ihr Geld lieber früher ausbezahlen, auch wenn sie dadurch auf die größere Summe verzichten mussten. Und bei den Interviews beantworteten selbst einfache Logik-Fragen aus einem Impuls heraus.

Prinzipiell sei Impulsivität jedoch nichts Negatives, wie Professor Bradley Ruffle gegenüber der “Times of London“ betonte. Er ist einer der Forscher, die die Studie betreuten. “Manchmal kann es sogar gut sein, wenn man sich schnell entscheiden kann. Ein professioneller Basketballspieler kann nicht ausgiebig darüber nachdenken, ob er den Ball an seinen Mitspielern abgibt, oder selbst versucht den Korb zu werfen.“

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