Studie Weltwirtschaftsforum: Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen schließt sich in 257 Jahren

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums gibt es in einigen Teilen der Welt durchaus Fortschritte in Sachen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Von einer fairen Welt sind wir aber noch weit entfernt. Vor allem in der Wirtschaft muss noch einiges getan werden.

Noch 257 Jahre dauert es laut dem Weltwirtschaftsforum, bis Frauen in der Wirtschaft auf der gleichen Stufe stehen wie ihre männlichen Kollegen. (Bild: Getty Images)

In vielen Teilen der Welt hat die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau Fortschritte gemacht. Doch es hat auch Rückschritte gegeben. Vor allem in der Wirtschaft sieht es düster aus. Unterm Strich bleibt im Kampf für Gleichheit zwischen den Geschlechtern noch viel zu tun, wie das Weltwirtschaftsforum (WEF) in seiner Studie "Global Gender Gap Report 2020" schlussfolgert.

"Der diesjährige Report veranschaulicht die Dringlichkeit, mit der wir handeln müssen", sagt WEF-Gründer Klaus Schwab in einer Stellungnahme. Probleme gebe es nach wie vor sowohl auf dem politischen wie auch auf dem wirtschaftlichen Feld, heißt es im heute veröffentlichten Report. Zwar seien Frauen heute in der Politik stärker vertreten als früher, zu einer vollständigen Gleichberechtigung in diesem Bereich müssten allerdings noch 95 Jahre vergehen. Dieses Jahr hielten Frauen weltweit nur 25,2 Prozent aller Parlamentssitze, Ministerämter würden nur 21,2 Prozent von Frauen besetzt sein.

Grafik: Statista

Rückschritte in der Wirtschaft

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Noch schlimmer ist die Lage in der Wirtschaft. Das sei der einzige Bereich, in dem es einen Rückschritt gegeben habe, hier sei die Lücke zwischen den Geschlechtern gerademal zu 57,8 Prozent geschlossen. Sollte der Kampf um Gleichberechtigung in der Wirtschaft ähnlich langsam voranschreiten wie bisher, dann würde es 257 Jahre dauern, bis die Frauen auf der gleichen Stufe stehen wie die Männer. Das sei nicht akzeptabel, betont das WEF.

Eine Frau als Chefin – das ist auch in Deutschland noch keine Selbstverständlichkeit. (Bild: Getty Images)

"Am Vorabend der 2020er Jahre muss es das Ziel globaler und nationaler Anführer sowie von Top-Managern sein, eine fairere und inklusivere Wirtschaft aufzubauen", so Schwab. Ohne die zweite "Hälfte des weltweiten Talents" könnten weder die Volkswirtschaften zum Wohle Aller wachsen noch die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen erreicht werden.

Die Vorzeigeländer

Das Wirtschaftsforum untersucht jährlich in seinem Global Gender Gap Report die weltweite Situation der Frauen in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Bildung und Gesundheit. Dieses Jahr hat die Organisation 153 Staaten, vier mehr als im Vorjahr, unter die Lupe genommen. Spitzenreiter in Sachen Gleichberechtigung ist das elfte Jahr in Folge Island, wo die Lücke zwischen Geschlechtern zu 87,7 Prozent geschlossen sei. Die Plätze zwei bis fünf belegen Norwegen (84,2 Prozent), Finnland (83,2 Prozent), Schweden (82,2 Prozent) und Nicaragua (80,4 Prozent)

Deutschland landet im Report mit 78,7 Prozentpunkten auf dem zehnten Rang, das sind vier Plätze über der letztjährigen Platzierung, jedoch deutlich hinter den fünften Rang des Jahres 2006. Nachholbedarf gibt es auch hierzulande vor allem in der Wirtschaft, wo laut WEF nur 31,9 Prozent aller Führungspositionen von Frauen besetzt sind.