Studie zeigt: So unterschiedlich ist die Corona-Ansteckungsgefahr in Innenräumen

Ben Barthmann
·Sports Editor
·Lesedauer: 2 Min.

Schon über ein Jahr beschäftigt das Coronavirus die Welt. Doch auch im Frühjahr 2021 herrscht noch immer Unsicherheit bezüglich der Ansteckung im öffentlichen Raum. Forscher der TU Berlin haben nun wichtige Erkenntnisse vorgestellt.

Der ÖPNV als Treiber der Pandemie? Laut dieser Studie wohl eher nicht. (Bild: Getty Images)
Der ÖPNV als Treiber der Pandemie? Laut dieser Studie wohl eher nicht. (Bild: Getty Images)

Martin Kriegel und Anne Hartmann von der TU Berlin, respektive dem Hermann-Rietschel-Institut, haben am 11. Februar einen Preprint veröffentlicht, der genauer darüber aufklären will, wie groß das Risiko einer Coronavirus-Ausbreitung in den typischen Innenräumen unserer Gesellschaft ist.

Die Ergebnisse sind teilweise erschreckend, könnten aber ein wichtiger Fingerzeig für den politischen Umgang mit dem Coronavirus in den kommenden Monaten sein. Insbesondere beim Thema Öffnungen wäre eine Berücksichtigung der vorgestellten Daten zu empfehlen.

Berechnung anhand Alltagsmaske

In der Modellberechnung wurde davon ausgegangen, dass in den Innenräumen die AHA+L eingehalten werden und ebenso die Empfehlung der BAuA und des UBA Anwendung finden. Die Angabe einer Maske bezieht sich auf eine Alltagsmaske oder einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz und nicht auf die inzwischen an vielen Orten verpflichtenden FFP2-Masken, denen ein größerer Schutz zugeschrieben wird. 

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Berechnet wurde das Infektionsrisiko immer anhand einer infizierten Person mit ansonsten ausschließlich gesunden Personen im Raum. 

Büros und Schulen äußerst gefährlich

Ausgegangen wurde von einem normalen Supermarkt-Besucht mit Maske. Hier steckt die infizierte Person nach den Berechnungen des Modells maximal einen weiteren Menschen an. Problematisch wird es allerdings schon im ausgedünnten Büro mit Maske (1,6), im nur zur Hälfte belegten Restaurant (2,3) oder im Mehrpersonenbüro ohne Maske am Arbeitsplatz (8,0)!  

Der Friseurbesuch dagegen scheint weniger gefährlich als der Einkauf im Supermarkt zu sein. Auch Theater, Opern oder Museen während mit geringer Auslastung und mit Maske wohl eher auf der sicheren Seite.

Modellberechnung: Die R-Werte in Innenräumen je nach Situation. (Bild: Kriegel, M., Hartmann, A.: Covid-19 Ansteckung über Aerosolpartikel – vergleichende Bewertung von Innenräumen hinsichtlich des situationsbedingten R-Wertes, http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-11387)
Modellberechnung: Die R-Werte in Innenräumen je nach Situation. (Bild: Kriegel, M., Hartmann, A.: Covid-19 Ansteckung über Aerosolpartikel – vergleichende Bewertung von Innenräumen hinsichtlich des situationsbedingten R-Wertes, http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-11387)

Zentral ist für die Ansteckung das Einatmen von infektiösen Aerosolen. Diese wurden von den Forschern anhand ihrer Quellstärke, der Menge Aerosole, die eine Person in der Situation ausatmet (Singen wiegt schwerer als Sprechen), ihrer Atemaktivität (im Fitnessstudio höher als im Museum), der Aerosolkonzentration im Raum (Lüften reduziert diese) sowie anhand der typischen Aufenthaltsdauer (im Büro länger als im Supermarkt) beurteilt. 

Einschränkend muss allerdings genannt werden, dass sich die Räume natürlich individuell unterscheiden. Restaurant ist nicht gleich Restaurant und Büro nicht gleich Büro. Als Orientierung dienen die Berechnungen dennoch. Und auch für Mutationen wäre das Modell schnell anpassbar. 

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