Studie zum Coronavirus: Urinale verbreiten besonders viele Aerosole

Ann-Catherin Karg
·Freie Journalistin
·Lesedauer: 2 Min.

Dass sich das neuartige Coronavirus vor allem über Aerosole von Mensch zu Mensch überträgt, wissen Wissenschaftler längst. Ein Ort, an dem besonders viele Aerosole in die Luft gewirbelt werden, sind Toiletten. Jetzt legt eine neue Studie nahe, dass von Urinalen ein besonders hohes Übertragungsrisiko ausgehen könnte.

Urinale haben keine Schutzabdeckung, daher besteht ein hohes Risiko für die Übertragung von Coronavirus. (Bild: Getty Images)
Urinale haben keine Schutzabdeckung, daher besteht ein hohes Risiko für die Übertragung von Coronavirus. (Bild: Getty Images)

Wer zu Hause mit offenem Toilettendeckel spült, sorgt dafür, dass feine Tröpfchen des Toilettenwassers aus der Kloschüssel herausgeschleudert werden und sich meterweit auf Gegenständen wie Zahnbürsten absetzen können. Eklig ist das in jedem Fall, doch normalerweise sind die Mengen an Fäkalkeimen so gering, dass sie keine gesundheitlichen Folgen haben.

Bei Urinalen fehlt der schützende Deckel

Da sich das neuartige Coronavirus vor allem über Aerosole von Mensch zu Mensch überträgt, haben Forscher auch öffentliche Toiletten als mögliche Übertragungsorte ins Visier genommen.

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Während man die Verteilung der potenziell infektiösen Aerosole bei Sitztoiletten aber klein halten kann, indem man vor dem Spülen den Toilettendeckel schließt, fehlt diese Möglichkeit bei Urinalen. Und das könnte schwerwiegende Folgen haben.

Urinalbenutzer könnten infiziert werden

Laut einer Studie der Yangzhou University im Osten Chinas können Corona-Partikel beim Spülen eines Pissoirs in wenigen Sekunden bis zu zwei Meter in die Luft aufsteigen, sich aus dieser Höhe im Raum verteilen und "möglicherweise einen ahnungslosen Urinalbenutzer infizieren", so die Autoren. Mehr als 57 Prozent der Partikel könnten auf diese Art vom Urinal weg wandern, heißt es in der im Fachmagazin "Physics of Fluids" veröffentlichten Studie.

Ein Mund-Nasen-Schutz hilft auch hier

Noch ist nicht abschließend geklärt, ob SARS-CoV-2, das sich im Abwasser nachweisen lässt, überhaupt über Urin übertragen werden kann. Sollte das aber der Fall sein, könnten Urinale ein "bisher ignorierter Übertragungsweg" sein, schreiben die Forscher. Fraglich ist ebenfalls, ob sich die Ergebnisse auf andere Länder übertragen lassen. Die chinesischen Urinale, mit denen die Studie durchgeführt wurde, sind größer und tiefer am Boden angebracht als europäische Modelle.

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Um sich zu schützen, raten die Wissenschaftler Männern dazu, beim Spülen eines Urinals vom Becken zurückzutreten, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und sich danach gründlich die Hände zu waschen.

Zudem gibt es einen weiteren Risikofaktor bei Urinalen: In der Regel stehen diese recht dicht beieinander, eine Aerosol-Übertragung ist so durch die Atemluft des Nebenmanns möglich. Aus diesem Grund werden etwa in Deutschland Pissoirs üblicherweise im Wechsel abgeklebt, um den Sicherheitsabstand zu gewährleisten.

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