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Wieso die Gründerin von "Miss Sophie" nach ihrem Millionen-Exit nur noch Teilzeit arbeitet

„Ich fand das immer am besten, die ganze Kontrolle über das Unternehmen zu haben“, sagt die Gründerin Sophie Kühn, die sich nie Hilfe durch Investoren gesucht hat. - Copyright: Miss Sophie
„Ich fand das immer am besten, die ganze Kontrolle über das Unternehmen zu haben“, sagt die Gründerin Sophie Kühn, die sich nie Hilfe durch Investoren gesucht hat. - Copyright: Miss Sophie

"Bootstrapped" – so nennt man Startups, die ohne fremdes Kapital gegründet werden: So wie das Startup von Sophie Kühn. Die Berlinerin hat kurz nach dem Studium Miss Sophie gegründet, ein Beauty-Startup, das selbstklebende Nagelfolien vertreibt.

Inzwischen hat sie ihren 24/7-Job als Unternehmerin auf eine Teilzeitstelle heruntergefahren: Gar nicht so leicht, sagt Kühn im Gespräch mit Gründerszene. Zum 31. Dezember 2022 hat die Gründerin ihr Startup verkauft. Der Millionen-Exit wurde im April bekannt. Im selben Monat bekam Kühn ihre erste Tochter.

Bis sie 28 war, zahlte sich Sophie Kühn kein Gehalt aus, lebte und arbeitete in einer Einzimmerwohnung in Berlin. Inzwischen ist sie Millionärin. Es ist eine jener Erfolgsgeschichten, die verfangen – ob auf der Blue Stage bei der OMR oder im TV.

Heute Abend ist Kühn auf VOX zu sehen, als Teil einer Reportage über junge, reiche Menschen. Der Dreiteiler "Macht Geld – Die neuen jungen Reichen" wird jeweils Montags nach der Investoren-Show "Die Höhle der Löwen" ausgestrahlt. Die erste Folge widmet sich deutschen Selfmade-Millionären; eine von ihnen ist Sophie Kühn.

Das Fernsehen hat für Kühns Erfolg als Gründerin an eine entscheidende Rolle gespielt. Mit Auftritten bei ProSieben, Sat.1 und Vox hat sich Kühn einerseits selbst einen Namen gemacht – anderseits immer wieder ihre Produkte prominent im TV platzieren können.

Kühn sagt dazu, ihre Geschichte als junge Frau, die in ihrer Berliner Einzimmerwohnung ein Startup hochzieht, habe einfach funktioniert. Der erste Beitrag über Kühn lief beim Boulevardmagazin Red auf Prosieben – direkt zur Primetime. Ihr Lager, gefüllt mit Nagelfolien für mehrere Monate, sei danach in nur eineinhalb Minuten leergekauft gewesen, erinnert sich Kühn. Es sei "unglaublich, was Fernsehen für eine Power" habe.

Das sei heute nicht anders, sagt Kühn im Gespräch mit Gründerszene: "Da kannst du live zusehen, wie der Traffic hochgeht und auf allen Kanälen die Nutzerzahlen wachsen."

Bis heute macht Sophie Kühn auf Instagram auch persönlich auf ihre Brand aufmerksam. Angefrangen hat sie damit 2014 – da war Instagram gerade zwei Jahre alt. - Copyright: @miss_sophie_official / Instagram
Bis heute macht Sophie Kühn auf Instagram auch persönlich auf ihre Brand aufmerksam. Angefrangen hat sie damit 2014 – da war Instagram gerade zwei Jahre alt. - Copyright: @miss_sophie_official / Instagram

Mit "allen Kanälen" meint Sophie Kühn vor allem Facebook und Instagram – den Plattformen, auf denen Miss Sophie der Durchbruch gelungen ist. 2014 war sie damit, zwei Jahre nach dem Instagram-Launch, eine der ersten. Kühne schickte ihre Nagelfolien an Nagel-Bloggerinnen, machte "Influencer-Marketing 1.0". Damals habe Instagram noch keine Reichweiten-Begrenzung betrieben, betont Kühne gerne: 10.000 Follower zu haben, hieß 10.000 Menschen zu erreichen. Und Beauty-Produkte waren von Anfang an ein Thema auf Instagram.

Sophie Kühns Nagelfolien-Startup ist in Anlehnung an den berühmten Fernsehsketch "Dinner for One" entstanden: Die Hauptfigur heißt Miss Sophie. - Copyright: Siegfried Pilz/United Archives via Getty Images
Sophie Kühns Nagelfolien-Startup ist in Anlehnung an den berühmten Fernsehsketch "Dinner for One" entstanden: Die Hauptfigur heißt Miss Sophie. - Copyright: Siegfried Pilz/United Archives via Getty Images

Noch wichtiger noch als Instagram war Facebook: Die Nagelfolien-Brand schaffte es 2017 in Facebooks "High Potential Werbeprogramm" – der Startschuss zum Durchbruch der Brand. Bis heute sei Facebook ihr wichtigstes soziales Netzwerk sagt Kühn – und die eigene Website ihre wichtigste Vertriebsplattform.

"Tiktok konvertiert sehr schlecht"

Trotzdem: Seitdem Kühn mit 24 gegründet hat, hat sich viel getan. Wie würde sie Miss Sophie heute aufstellen? "Ich würde viel mehr auf Brand Ambassador und Testimonials" setzen, sagt die Gründerin, "einzelne Promis finden, die die Produkte ihrem Netzwerk vorstellen und gemeinsame Limited Collections machen."

Amazon werde als Verkaufsplattform immer wichtiger. Ihr Team hätte viel Marketing in die Plattform investiert, sagt Kühne, das habe sich "sehr gelohnt".

Miss Sophie ist maßgeblich über die sozialen Netzwerke bekannt geworden – heute ist Tiktok ein immer größerer Player. Kühn sagt, ihr Team habe "TikTok getestet und für uns festgestellt: Die Leute feiern den Content – aber es konvertiert sehr schlecht." Eine Plattform, die Kühn eher fürs Brand Building nutzen würde, als um zahlende Kunden anzuziehen.

Dabei sei Brand Building nie ihr Fokus gewesen. Sie wollte profitabel wachsen – auch in puncto Marketing sollte das Geld, das sie ausgab, wieder reinkommen. Gerade am Anfang habe sie "jeden Cent umgedreht".

Warum hat sie sich in dieser Situation keine Hilfe von Investoren gesucht? Das hätte "den Fokus verzerrt", ist Kühn überzeugt. Sie hätte Zeit in Pitches und Reportings für die Investoren stecken müssen, wollte sich aber "auf das Wesentliche konzentrieren": Ihr Produkt, Nagelfolien.

"Investoren hätten den Fokus verzerrt"

In Berlin hätten früh namhafte Investoren bei ihr angeklopft, "aber ich dachte: Nee, das Produkt und die Marke sind stark genug, das alleine zu machen." Mit Erfolg: Bootstrapped hat sie Miss Sophie zu Millionenumsätzen geführt. Das ist auch durch die Branche bedingt: Im Beauty-Segment könnte man "dankbare Margen" machen, so die Gründerin. Die brauche es allerdings auch, um erfolgreiches Marketing zu machen und ohne Finanzierung zu wachsen.

Zuletzt drehte Vox 2022 eine Fernsehreportage über Kühns Schwangerschaft als Vollzeitunternehmerin. Die wird jetzt am Montagabend im Rahmen von "Macht Geld – Die neuen jungen Reichen" ein weiteres Mal ausgespielt.

Kühn übernimmt bei Miss Sophie inzwischen weniger Aufgaben. Die Geburt ihres Kindes habe Prioritäten verschoben. Seit ihrem Exit ist die Founderin zwar immer noch die CEO von Miss Sophie, kümmert sich aber vor allem um Marketing und Produkt.

Ende 2022 hat die deutsche Wilde Gruppe Kühns Startup übernommen. Das Kosmetikunternehmen hat mit den Nagellackmarken Alessandro und LCN auch andere Nagelprodukte im Portfolio. Sie hätte nicht verkaufen müssen, sagt Kühn, aber gemerkt, dass sie mit Baby und Startup "niemandem zu 100 Prozent" gerecht werde. Der Prozess habe acht Monate gedauert – und sie als junge Mutter stark in Beschlag genommen, sagt Kühn auf der OMR: "M&A-Anwälte schreiben um 23 Uhr, rufen dich um 1 Uhr an". Der Exit brachte Kühn Millionen ein.

Der Exit sei ihr trotzdem nicht leicht gefallen, sagt die 33-Jährige im Gespräch mit Gründerszene: "Für mich persönlich war das schwerer als gedacht". Jahre lang sei sie aufgewacht und habe als erstes die Sales von Miss Sophie gecheckt. Habe jeden Tag mit ihrem Startup mitgefiebert. Das loszulassen, sei ein längerer Prozess.

Kühn sagt aber auch: Auf das Muttersein habe sie ihr Unternehmertum gut vorbereitet. Sie habe keine Angst vor Unbekanntem und sei was Stresssituationen betrifft "abgehärtet".

Jetzt ist Kühn also wieder im TV. Plant sie ein neues Projekt? Nicht in naher Zukunft, sagt die Gründerin: Sie habe zwar "die eine oder andere Idee im Baby-Bereich", aktuell aber nicht die Zeit. Und sie wollte ja weniger arbeiten. Bei Miss Sophie übernimmt Kühn weiterhin das für die Brand wichtige Performance-Marketing, Marketing, PR und Produkt. Zusätzlich steckt Miss Sophie weiterhin im Transition Process, also der Integration in die Wilde Group. Sie sei da die letzte, die pünktlich den Stift fallen lasse, wenn das Stundenpensum voll sei, sagt Kühn.