Sündige Senatoren: Schlummern, Spielen, Mogeln während des Impeachment-Verfahrens

Das wird doch nicht... doch, hier zu sehen ist tatsächlich ein Fidget-Spinner, mit dem sich der republikanische Senator Mike Rounds die Zeit während des Impeachment-Verfahrens gegen Donald Trump vertreibt. (Bild: REUTERS/Susan Cornwell)

Das Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump ist in vollem Gange. Doch viele Beobachter fragen sich, wie ernst die Senatoren den Prozess eigentlich nehmen. Schon nach zwei Tagen wurden diverse Politiker beim gelangweilten Zeichnen, Spielen, unerlaubten Pausen oder sogar selig schlummernd erwischt.

Man könnte meinen, es handele sich um einen Klassenausflug ins langweiligste Museum der Welt und nicht um einen entscheidenden Prozess, in dem es um das Wohl der mächtigsten Demokratie der Welt geht. Doch die Senatoren, die eigentlich dazu verdammt sind, still zu sitzen und den Anschuldigungen gegen Donald Trump zuzuhören, benehmen sich in der Tat wie eine Horde gelangweilter Siebtklässler.

Trumps ehemaliger Partei-Rivale Rand Paul wurde schon dabei beobachtet, wie er nicht nur Sudokus ausfüllte, sondern auch kleine Zeichnungen von seinen Kollegen im Plenarsaal anfertigte. Andere Senatoren sollen sich mit Spielzeugen und Kreuzworträtseln ablenken. Selbst die demokratische Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren spielte anscheinend ein Zeichenspiel auf dem Blatt vor sich.

Mindestens ein Papierflieger soll laut Augenzeugen ebenfalls bereits durch den Saal gesegelt sein, Paul soll ihn gebastelt haben. Der Republikaner Richard Burr zeigte sich einfallsreich gegen die überbordende Langeweile. Zur Stärkung der Konzentration verteilte der Senator aus North Carolina eine ganze Handvoll Fidget-Spinner. Ein Geschenk, das offensichtlich gerne angenommen wurde.

Beim Schlafen gezeichnet

Dass Ablenkung von den vorgetragenen schweren Anschuldigungen gegen Trump offensichtlich nötig ist, ließ sich prompt beobachten. Mehr als ein Senator wurde in den langwierigen Anhörungen bei einem Nickerchen erwischt. Da im Saal neben der offiziellen Senatskamera nur Gerichtszeichner erlaubt sind, muss es sich schon um etwas längere Auszeiten, als nur einen Sekundenschlaf gehandelt haben, als die Senatoren Jim Risch und Jim Inhofe auf Papier festgehalten wurden.

Der Sprecher von Risch beteuerte gegenüber dem “Wall Street Journal”, der Senator aus Idaho habe lediglich “genau zugehört, mit geschlossenen Augen.” Inhofe hatte Glück, weil ihn sein Nachbar aus Todd Young aus Indiana rechtzeitig per Ellenbogenstupser in die Rippen aufweckte.

Marsha Blackburn, eine Republikanerin aus Tennessee, wurde dabei erwischt, ein Buch zu lesen. Und verteidigte sich prompt auf Twitter. Das Buch mit dem Untertitel “Wie Trump-Hasser Amerika zerstören” sei ein hilfreicher Einblick in die Vorgänge des Verfahrens. Es fehlte eigentlich nur noch, dass Blackburn die Unterschrift der Eltern fälschte, um die Entschuldigung glaubwürdiger zu machen.

Laut der Regularien ist auch das Verlassen des Raumes außer in den erlaubten Toilettenpausen streng verboten. Das hielt Mitch McConnell allerdings nicht davon ab, zwischendurch einfach mal eben für geschlagene 20 Minuten zu verschwinden. Von Reportern nach seinem Aufenthaltsort befragt, antwortete McConnell lapidar, er sei auf der Toilette gewesen.

Dazu muss man wissen, dass die Kommunikation mit der Außenwelt und der Gebrauch von Smartphones ebenfalls bei Strafe verboten sind. Obwohl die Senatoren dazu angewiesen sind, auf ihren Sitzen zu bleiben, nehmen es offensichtlich beide Seiten damit nicht all zu ernst. Neun Demokraten und 22 Republikaner seien allein am Donnerstag im Saal umhergewandert, zählte die Nachrichtenagentur Reuters.

Mein Smartphone, “mein Schatz”

Wie sehr einige der Senatoren ihre geliebten Smartphones und Tablets vermissen, konnte dann nach der Marathonsitzung beobachtet werden. Pat Leahy, ein Demokrat aus Vermont, wurde dabei belauscht, wie er sein Handy per “Herr der Ringe”-Zitat als “mein Schatz” bezeichnete, als er es endlich wieder aus den dafür eingerichteten Regalfächern zu sich nehmen durfte.

Andere Senatoren umgehen das Smartphone-Verbot mit den Mitteln der modernen Technologie: Sie tragen Smart Watches und bleiben so mit der Außenwelt in Kontakt. Ohne Smartphones sind die Senatoren sonst auf archaische Methoden angewiesen. Da Reden ebenfalls untersagt ist, werden kleine Zettelchen mit Botschaften durch die Reihen gereicht. Dafür wird in der knappen Freizeit zwischen den Prozess-Tagen wie wild getwittert.

Auch wenn es von Beginn an als unwahrscheinlich galt, dass im republikanisch kontrollierten Senat die notwendige Zweidrittel-Mehrheit für eine Amtsenthebung zustande kommt, ist die Außenwirkung der gelangweilten Senatoren verheerend. Kaum ein Beobachter kann dem Senat nun abnehmen, dass hier ein dem Gesetz entsprechendes Verfahren mit der notwendigen Ernsthaftigkeit betrieben wird. Auch Trumps Haussender FOX News schlägt in diese Kerbe: Das Verfahren und die Anklagepunkte der Demokraten seien einfach viel zu langweilig. Als wäre Unterhaltung eine juristische Kategorie.

So strauchelt der US-Senat der Verteidigung der Trump-Anwälte entgegen und die Aufmerksamkeit liegt nicht mehr auf den eigentlichen Vorwürfen des Amtsmissbrauches, sonders auf Fidget-Spinnern und schlummernden Senatoren. Donald Trump und seinen Anhänger wird diese Entwicklung recht sein.