Symbolträchtige Strafe: US-Richter lässt falsche Veteranen Nachrufe schreiben

US-Veteranen bei einer Zeremonie zum Veterans Day in Washington (Bild: Win McNamee/Getty Images)

Gerade in den USA geben manche Richter ihren Urteilen gerne einen erzieherischen Anstrich. So auch Greg Pinski vom Cascade County District Court in Montana.

Der hatte zwei Männer vor sich, die sich fälschlicherweise als Veteranen des US-Militärs ausgegeben hatten. Damit hatten sich die beiden, die wegen zuvor begangener Straftaten angeklagt worden waren, Verfahren vor einem Veteranengericht erschlichen. Dort können ehemalige Militärangehörige auf mildere Strafen hoffen, insbesondere wenn sie einsatzbedingte Leiden wie etwa eine posttraumatische Belastungsstörung vorweisen können.

Genau darauf zielten auch die beiden Männer ab, von denen der eine wegen Drogenbesitzes und der andere wegen Einbruchs angeklagt war, bevor ihr Schwindel aufflog. Richter Pinski verurteilte sie nun zu je fünf und zehn Jahren Haft, - mit der Aussicht, die Strafe um drei Jahre zu verkürzen, wenn sie einige symbolträchtige Auflagen erfüllen.

Die “Hausaufgaben” der Verurteilten sind umfangreich. So müssen sie die Namen aller 6756 G.I.s handschriftlich niederschreiben, die in den Kriegen in Afghanistan und Irak gefallen sind. Für 40 Gefallene aus Montana müssen sie dazu Nachrufe verfassen.

Überführung eines im Afghanistan-Einsatz gefallenen US-Soldaten (Bild: Brooks Kraft LLC/Corbis via Getty Images)

Dazu kommen Entschuldigungsschreiben an die Veteraneneinrichtungen, die die beiden belogen hatten. Obendrauf gibt es je 441 Stunden gemeinnütziger Arbeit - eine Stunde für jeden US-Soldaten aus Montana, der seit dem Koreakrieg im Einsatz ums Leben kam.

Umstritten ist die letzte Auflage, die die Verurteilten nach einer Entlassung auf Bewährung zu erfüllen haben: Nach dem Willen des Richters müssen die beiden dann am Memorial Day und am Veterans Day acht Stunden Lang vor dem Veteranendenkmal von Montana stehen. Dabei sollen sie Schilder tragen, auf denen steht: “Ich bin ein Lügner. Ich bin kein Veteran. Ich habe mir ihre Tapferkeit angemaßt. Ich habe die Veteranen entehrt.” Die Verteidiger der Männer kritisierten diese öffentliche Zurschaustellung.

Richter Pinski ist indes von seinen Maßnahmen überzeugt: “Ich will sicherstellen, dass die beiden Angeklagten meine Botschaft deutlich verstehen”, sagte er in der Verhandlung.