Tattoos von Verstorbenen behalten? Das geht jetzt

Margarethe Gallersdörfer
Freie Journalistin

Zwei US-Bestattungsunternehmer bieten trauernden Angehörigen einen makaberen Service: Das Tattoo eines Verstorbenen. Zum Aufhängen an die Wand.

Tattoos können nach dem Tod konserviert werden, dank "Save My Ink Forever". (Bild: Getty Images)

Wenn ein Mensch stirbt, ist es für seine Lieben oft schön, wenn sie von ihm oder ihr ein Erinnerungsstück behalten können: Eine Kette, ein Kleidungsstück, eine Haarlocke vielleicht. Dank einer US-amerikanischen Firma kann man jetzt noch weitergehen: Sie bietet an, die Tattoos von Verstorbenen zu Erinnerungsstücken zu verarbeiten.

Es ist erst einmal genau so gruselig, wie es klingt: Was die Kunden von “Save My Ink Forever” (Bewahre mein Tattoo für immer) in einem hübschen Bilderrahmen hinter Museumsglas bekommen, ist tatsächlich die echte, tätowierte Haut einer verstorbenen Person:

Natürlich ist sie präpariert: Die zwei Männer hinter “Save My Ink Forever” sind Michael und Kyle Sherwood, Vater und Sohn, beide Bestattungsunternehmer im US-Bundesstaat Ohio und damit vom Fach. Das entstandene Exponat brauche keine weitere Pflege, wie Kyle Sherwood dem australischen Fernsehsender 9news erzählt hat. “Behandeln Sie es einfach wie jedes andere Kunstwerk auch.”

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Auf die Idee kamen die beiden, weil ein Freund von Michael Sherwood ihn nach Möglichkeiten gefragt hatte, wie seine Tattoos über den Tod hinaus erhalten bleiben könnten. “Wir haben erst darüber gelacht, weil wir immer diejenigen sind, zu denen alle kommen, wenn es um den Tod geht”, sagt sein Sohn Kyle.

Aber dann seien sie ins Grübeln geraten: “In Tätowierungen steckt so viel Kunsthandwerk und sie bedeuten ihren Besitzern so viel. Warum sollte man sie nach ihrem Tod nicht behalten? Manche Leute stellen sich ja auch die Asche ihrer Verstorbenen aufs Kaminsims oder besuchen Steine, auf denen ihre Namen stehen.”

Auch die Testimonials auf ihrer Webseite zeigen, was Tätowierungen bedeuten können, auch über den Tod hinaus. Eine Veronica schreibt: “Sie hat sich dieses Tattoo stechen lassen, als sie ein Jahr lang trocken war. Ich habe mir auch einen Frosch stechen lassen, weil Frösche nicht trinken. Die Symbolik dieses Tattoos ist sehr bedeutsam für meine Kindheit und mein gesamtes erwachsenes Leben. Aus tiefstem Herzen danke schön!”

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Der Herstellungsprozess wird aus offensichtlichen Gründen nicht genau beschrieben, aber Angehörige können Michael und Kyle Sherwood bis zu 72 Stunden nach dem Tod eines Menschen informieren. Sofern das jeweilige Bestattungsinstitut sich einverstanden erklärt, verschicken die beiden dann ein Konservierungs-Kit. Wenn sie die Haut erhalten haben, dauert es etwa drei Monate bis zur sehr ausgefallenen Wanddeko.

“Unser Arbeitsprozess behindert keine traditionelle Sargbestattung oder Einäscherung”, sagt Kyle. Sie behandelten die Leiche und die tätowierte Haut mit der gleichen Würde und dem Respekt wie während jeder anderen Bestattungsvorbereitung. Allerdings ist keine Rede davon, ob der Verstorbene vor seinem Tod eingewilligt haben muss.

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