Teenager freundet sich während Lockdown mit älterer Nachbarin an und kommuniziert mit Klebezetteln

New Yorkerin Lilian Kogan kommunizierte während des Lockdowns mit ihrer älteren Nachbarin, indem sie Botschaften mit Klebezetteln schrieb. (Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Lilian Kogan).

Ein Teenager und eine ältere Dame haben sich während des Lockdowns schnell angefreundet, indem sie sich mit Post-It-Zetteln Botschaften geschrieben hatten.

Wie die meisten Bewohner New Yorks war auch die 18-jährige Lilian Kogan zu Hause geblieben, um andere vor der Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Aber Kogan fragte sich, wie es ihren Nachbarn erging. Daher entschloss sie sich an einem Nachmittag im April Kontakt aufzunehmen und schrieb eine einfache Botschaft – ein „Hi!“.

Kogan nutzte Post-It-Klebezettel, um das Wort in das Fenster der Wohnung in einem Hochhaus zu schreiben. Das ist an der Universität von Boston ein Trend, an der sie gerade Internationale Beziehungen studiert. „Ich hatte keine Antwort erwartet“, so Kogan zu Yahoo Life. Allerdings bemerkte sie zwei Tage darauf, als sie aus dem Fenster sah, dass jemand im Haus gegenüber mit einem „Hi“ geantwortet hatte.

„Ich war sehr aufgeregt und wollte mich weiter unterhalten“, sagt Kogan. Daher schrieb sie also weiter „Wie geht es dir?“ und fügte einen Smiley hinzu. Dazu achtete sie darauf, die Buchstaben rückwärts anzuordnen, so dass sie von außen klar lesbar waren.

Zwei Nachbarinnen in New York kommunizierten, indem sie einander Botschaften über die Fenster ihrer jeweiligen Wohnblocks sendeten. Dadurch entwickelte sich eine wunderbare Freundschaft. (Screenshot: Mit freundlicher Genehmigung von Lilian Kogan).

Kogain erhielt wieder eine Antwort: „Okay, und dir?“

Die beiden führten den Smalltalk fort, bis Kogan zwei ältere Menschen auf der Terrasse des Gebäudes gegenübersitzen sah. Ihr kam der Gedanke, dass sie möglicherweise besonders gefährdet sein könnten, und schrieb auf einen Zettel: „Braucht ihr irgendetwas?“ Dann schrieb sie mit Post-Its „Essen?“

Das Paar gab ihr zu verstehen, dass sie genügend Essen hätten, aber als Kogan fragte, ob sie noch etwas brauchten und nichts hörte, schrieb der Teenager schließlich: „Habt ihr Lust auf Kekse?“ Das funktionierte – das Paar antwortete mit einem „Gerne“ und später mit der Nummer ihrer Wohnung. Und so begann Kogan zu backen.

Lilian Kogan (18) nahm mit ihrer älteren Nachbarin während der Ausgangssperre in New York City Kontakt auf und es entwickelte sich eine besondere Freundschaft. (Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Lilian Kogan)
Lilian Kogan (18) nahm mit ihrer älteren Nachbarin während der Ausgangssperre in New York City Kontakt auf und es entwickelte sich eine besondere Freundschaft. (Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Lilian Kogan)

Später wagte sich Kogan mit einer Maske und Handschuhen nach draußen, im Arm etwa ein Dutzend Schokoladenkekse. Sie legte einen Zettel in das Paket, auf den sie ihre Telefonnummer schrieb. Darauf schrieb sie: „Ich hoffe, es geht euch gut in diesen schweren Zeiten. Deshalb wollte ich euch gern Kekse backen, denn jeder mag Kekse gern“.

Kogan hatte darauf geachtet, keine Nüsse beim Backen zu nutzen (falls ihre Nachbarn allergisch waren). Die Schokoplättchen waren allerdings in einer Fabrik hergestellt worden, die auch Soja produziert, was sie auf den Zettel schrieb. Sie schrieb außerdem, dass sie beim Backen Handschuhe und eine Maske getragen hatte, um eine mögliche Verunreinigung mit dem Virus zu vermeiden. „Habt ein tolles Wochenende. Ich freu mich darauf, weiter mit euch Spaß zu haben!“, schrieb sie.

Der Teenager wollte die Kekse eigentlich nur abgeben, aber der Concierge bat sie, kurz zu warten, und rief die 84-jährige Toni Sonet nach unten, so dass die beiden sich persönlich sehen konnten. So trafen sich die beiden zum ersten Mal, auch wenn sie weit voneinander entfernt standen.

Später, als Kogan aus dem Fenster sah, sah sie im Fenster gegenüber das Wort „Lecker“.

„Ich bin ein geselliger Mensch und habe gern Spaß“, so Sonet gegenüber Yahoo Life als Antwort auf die Frage, warum sie auf Kogans erste Nachricht geantwortet hatte. Sie fügte hinzu, dass sie orangefarbenes Druckerpapier genutzt hatte. Sonet, die seit 60 Jahren in New York lebt, lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann in dem Apartment.

Kogan beschreibt sie als “süß”. Sonet erzählt, dass der Teenager ihnen diese Woche Brownies gebacken hat (ohne Glasur, worum Sonet bat, da sie „auf Diät“ ist). Die beiden sind aus praktischen Gründen auf SMS umgestiegen. Hier sprechen Kogan und Sonets Enkeltochter, die auch an der Universität von Boston studiert hat, gerade über die Möglichkeit einer virtuellen Essensausgabe. Kogan vergleicht Sonet mit ihrer „dritten Großmutter“ und sie will sie besuchen, sobald die Pandemie ausgestanden ist.

Mittlerweile hat Kogan die Kampagne „Sieh ein Lächeln, schenke ein Lächeln“ ins Leben gerufen und hat 250 Post-It-Klebezettel in ihrer Nachbarschaft verteilt.

Elise Solé