Tier-Mythen: Können Tiere lachen?

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Stolze Tierbesitzer wissen ganz genau, was ihren Liebsten gefällt und womit sie ihnen eine Freude machen können. Toben, streicheln oder kitzeln mögen auch Tiere, doch können sie dabei wirklich lachen, wie man manchmal meinen könnte?

Lacht dieser Affe wirklich? (Symbolbild: Getty Images)

Ob Tiere wirklich lachen können, ist unter Forschern umstritten. Die meisten davon sind sich aber zumindest darin einig, dass Affen als unsere nächsten Verwandten tatsächlich in der Lage sind, zu lachen. Vermutlich haben schon die Vorfahren der Menschen und Affen vor zehn bis 16 Millionen Jahren gelacht und auch der britische Naturforscher Charles Darwin notierte sich im 19. Jahrhundert, dass Affen lachähnliche Geräusche von sich geben.

Glucksend, kichernd oder keckernd

In den 1970er-Jahren war die Schimpansenforscherin Jane Goodall dann aber die erste, die den Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum ganz nahe kam und beobachtete, dass Schimpansenmütter ihre Kinder kitzeln, die daraufhin glucksende Laute von sich geben. Laut dem Karlsruher Biologen Mario Ludwig kann man durch eine Kitzelattacke bei allen Menschenaffenarten ein fröhliches Lachen auslösen.

Je näher die Verwandtschaft zum Menschen sei, desto menschlicher klinge es auch. Bei Gorillas und Orang-Utans klinge ein Lachen nicht glucksend, sondern drücke sich durch stimmlose Kicher- und Keckerlaute aus. Dass das Lachen von Affen lediglich ein Reflex sein könnte, haben Forscher ebenfalls schon ausgeschlossen. Sie sahen sich die Gehirne von lachenden Menschen und Affen an und konnten sehen, dass bei allen die gleichen Regionen im Gehirn aktiv waren.

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Auch Ratten äußern ihr Wohlgefühl durch ein Geräusch

Lachen im engeren Sinn können also wohl nur Menschen und ihre nächsten Verwandten. Und doch gibt es eine ganze Reihe von Tieren, die ein Gefühl wie Freude zumindest artikulieren können. Ratten zum Beispiel gelten als empfindsame, soziale und intelligente Tiere. Kitzelt man sie, stoßen sie hohe Pfeiftöne aus, die ebenfalls an ein Lachen erinnern.

Dafür, dass den Nagern das Kitzeln tatsächlich Freude bereitet, spricht auch, dass sie den Menschen hinterherrennen, sobald diese aufhören, sie zu kitzeln. Außerdem haben Forscher beobachtet, dass Ratten, die gerne lachen, auch öfter die Gesellschaft von anderen lachenden Nagern suchen. Ihnen scheint das Lachen als sozialer Kitt zu dienen.

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Bisons schlittern gerne über Eis

Wer einmal gesehen hat, wie amerikanische Bisons über gefrorene Eisflächen schlittern und dabei ein lautes “Gwaaah“ von sich geben, muss einfach den Eindruck bekommen, dass ihnen das Ganze einen Heidenspaß macht. Dieses Geräusch hat ihnen nicht zufällig den Beinamen “Laughing Buffalo“ (lachender Büffel) eingebracht.

Diese Eule scheint sich zu amüsieren (Symbolbild: Getty Images)

Vögel wollen auch ihren Spaß haben

Der Lachforscher Rainer Stollmann ist sich zudem ziemlich sicher, dass auch Vögel auf ihre Art lachen. Nähert sich zum Beispiel eine Katze einem Amselnest, fliegt der Vogelvater immer wieder so nah an sie heran und wieder weg, bis sie schließlich aufgibt und verschwindet. Zurück im Nest schnattern die Vögel dann alle zusammen, was Stollmann als ein “erleichtertes Vogellachen“ interpretiert.

Auch Krähen scheinen sich nach Spaß zu sehnen. Sie wurden schon dabei beobachtet, wie sie glatte Dächer herunterrutschen, sich unten kurz schütteln, wieder hinauffliegen und gleich darauf wieder herunterrutschen. Zudem spielen sie auch zusammen in der Luft. Wohl aus keinem anderen Grund heraus, als dass es ihnen einfach Spaß macht.

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Pferde kitzeln hat auch etwas

Pferdekenner wissen ebenfalls um einen bestimmten Gesichtsausdruck, der zumindest wie ein Grinsen aussieht. Diesen bekommen die Tiere zum Beispiel, wenn sie etwas Interessantes riechen. Kitzelt man sie unter den Achseln, beginnen sie zu schnaufen, was der Lachexperte Stollmann in einem Interview ebenfalls als Lachen interpretierte.

Delfine schnattern immer, aber lachen nur manchmal

Delfine kommunizieren unter sich, indem sie Schnattern und dabei ihr Maul Öffnen und Schließen. Für Menschen sieht schon das aus wie ein Lachen. Dass es sich dabei erst einmal um neutrale Kommunikation handelt, bedeutet aber nicht, dass Delfine nicht lachen können. Amerikanische Meeresbiologen sind der Ansicht, dass Delfine sich freuen, wenn sie bestimmte Quietschtöne von sich geben, zum Beispiel, wenn sie zuvor eine Aufgabe erledigt haben.

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Hunde, die Spaß haben, hecheln anders

Wenn Hunde hecheln, steht ihnen ebenfalls ein Grinsen ins Gesicht geschrieben. Dabei ziehen sie die Mundwinkel auch aus ganz praktischen Gründen zurück, zum Beispiel, weil ihnen heiß ist, sie Durst haben oder vor Anstrengung stark atmen.

Die Verhaltensforscherin Patricia Simonet vom Sierra Nevada College behauptet, dass Hunde durch ein bestimmtes Hecheln ebenfalls Freude ausdrücken. Sie nahm die Geräusche von spielenden Hunden auf und spielte die Aufnahme anderen Hunden im Zwinger vor, die sich daraufhin entspannten. Auf ein normales Hecheln reagierten sie dagegen nicht.

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