TikToker trollen Trumps Wahlbetrugs-Hotline

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 4 Min.
Vermutlich beantwortet der abgewählte US-Präsident die Anrufe der Hotline eher nicht selbst. (Bild: REUTERS/Jonathan Ernst)
Vermutlich beantwortet der abgewählte US-Präsident die Anrufe der Hotline eher nicht selbst. (Bild: REUTERS/Jonathan Ernst)

Donald Trump will seine Wahlniederlage partout nicht anerkennen. Um angeblichen Wahlbetrug nachzuweisen, richtete er sogar eine öffentliche Hotline ein. Diese wird nun von TikTok-Usern getrollt.

Bislang gibt es von unabhängigen Wahlbeobachtern keinerlei Indizien für organisierten Wahlbetrug bei der Wahl am 3. November. Dennoch setzt Trump alles auf diese Karte, um doch noch im Weißen Haus zu verbleiben. Über die eigens eingerichtete Hotline erhofft sich das juristische Team von Donald Trump, ausreichend Beweise zu sammeln, die in US-Bundesstaaten mit knappen Ergebnissen zu einer Anfechtung vor Gericht ausreichen. Doch da hatten sie die Rechnung ohne die feixende Öffentlichkeit gemacht, die diese Chance nicht ungenutzt ließ, sich über das verzweifelt wirkende Festhalten an der Macht lustig zu machen. Schnell kursierte die Hotline-Nummer auf sozialen Medien, wo zahlreiche Scherzanrufe mitgeschnitten und anschließend geteilt wurden.

Dieser User bat darum, die Hotline bitte doch nicht unter folgender Nummer anzurufen und dort den Loser-Ton der TV-Show “The Price is Right” vorzuspielen. Als abschreckendes Beispiel führte er direkt vor, wie man es nicht machen sollte.

Offensichtlich ließen sich aber trotz seiner Bitte viele Anrufer nicht davon abhalten, es ihm gleichzutun. Und darüber hinaus ließen sich die User alles Erdenkliche einfallen, um die Hotline zu trollen. Eine Wahlbeobachterin erzählte von einer “übergewichtigen Schildkröte”, die sich in ihrem Wahllokal in Arizona auffällig verhalten habe - zuvor hatte CNN-Moderator Anderson Cooper Trumps Widerstand gegen das Wahlergebnis mit einer “übergewichtigen Schildkröte, die auf dem Rücken liegt” verglichen. Eine andere Anruferin aus Georgia beschwerte sich, sie sei in der Warteschlange zu einem Geigen-Wettkampf aufgefordert worden. Der Witz bezieht sich auf den bekannten Song “The Devil Went Down to Georgia” der Charlie Daniels Band. Auf den mitgeschnittenen Anrufen ist zu hören, wie die entnervten Hotline-Mitarbeiter versuchen, die Contenance zu bewahren. Angesichts der Anzahl der Anrufe legten viele aber auch beim ersten Anzeichen eines Scherzanrufes sofort auf.

Trump-Team vermutet Veschwörung

Die Trump-Truppe wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht sofort eine organisierte Verschwörung hinter den Scherzanrufen vermuten würde. Sohn Eric postete auch prompt einen Tweet, in dem er den Demokraten vorwarf, die Anrufe zu initiieren und zu lenken.

ABC-Journalist Will Steakin teilte einen der kreativen Anrufe und bemerkte den Trend auf der Plattform TikTok als einer der ersten.

Diese US-Amerikanerin behauptete kurzerhand, sie habe selbst versucht, Wahlbetrug zu begehen und habe einfach zweimal für Trump gewählt. Das sei ihr aber von einem Wahllokal in Michigan nicht erlaubt worden, was sie nun melden wolle. Etwas hilflos hört man die Hotlinemitarbeiter auf der anderen Seite der Leitung antworten: “Ich glaube, Sie dürfen nicht zweimal wählen.”

Besonders viel Mühe gab sich Alex Hirsch, Erfinder der Cartoon-Serie “Gravity Falls”. Er rief gleich mehrfach mit verstellter Stimme bei der Hotline an. Mal um einen Wahlbetrug durch den McDonalds-Dieb Hamburglar anzuzeigen, mal um in der Rolle seiner Serienfigur Grunkle Stan damit zu prahlen, er selbst habe säckeweise Stimmzettel aus einem Wahllokal geklaut und würde gerne eine Auszeichnung von Trump-Anwalt Rudy Giuliani dafür erhalten.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass sich vornehmlich junge Trump-Gegner auf TikTok organisieren, um gegen den US-Präsidenten zu protestieren. Vor seiner umstrittenen Wahlveranstaltung in Tulsa, Oklahoma, hatten sich Tausende TikToker und K-Pop-Fans zusammengetan und Tickets für die Veranstaltung reserviert. Statt der erwarteten 19.000 Trump-Anhänger tauchten so schließlich nur 6300 im Bank of Oklahoma Center auf, als Trump seinen Wahlkampf dort einläuten wollte.

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