Auf TikTok kriegst du Geld dafür, Brands schlechtzumachen – das steckt dahinter

Michelle Santiago Cortés
·Lesedauer: 3 Min.

Zahlreiche Unternehmen machen ihren Gewinn auf dem Rücken anderer. Der Anti Advertising Advertising Club hat beim TikTok nun User dafür bezahlt, Produkte dieser Firmen schlecht zu machen.

Tyumen, Russia - January 21, 2020: TikTok and Facebook application  on screen Apple iPhone XR
TikTok-User wurden dazu aufgerufen, gegen Geld Produkte von Firmen schlecht zu machen, die andere Menschen ausbeuten. (Symbolbild: Getty Images)

In unserer kapitalistischen Welt ist ethischer Konsum kaum noch möglich. Inzwischen ist es sehr schwer geworden, auch nur einen einzigen Euro auszugeben, ohne damit unwissentlich zum Beispiel Kinderarbeit, Ausbeutung und Umweltverschmutzung finanziell zu unterstützen. Ganz egal, an welche Marken du dich dabei hältst – gefühlt führt jeder Weg zwangsläufig irgendwann zu einer Handvoll Firmen, die immer reicher und mächtiger werden, während unsere Erde dem Untergang immer näher rückt. Selbst während einer Pandemie, die weltweit mittlerweile über eine Million Menschenleben gefordert und die Weltwirtschaft in die Knie gezwungen hat, schaffen es einige Milliardär*innen und Politiker*innen, daraus Profit zu schlagen. Und dennoch sind wir jedes Mal aufs Neue davon überrascht.

Anti Advertising Advertising Club zahlt für Anti-Werbung

Während der Großteil der Menschheit von dieser Situation die Schnauze voll haben dürfte, setzen einige ihren Frust nun in radikale, digitale Taten um. Aus dieser Stimmung heraus ist der Anti Advertising Advertising Club entstanden, der in der vergangenen Woche insgesamt 50.000 Euro an TikTok-User*innen zahlte – dafür, dass sie Videos posteten, in denen sie Firmen wie Amazon, Facebook und Tesla niedermachten und kritisierten. Je nachdem, wie viele Views ein einzelnes Video bekam und gegen welche Brand es sich richtete, gab es mehr oder weniger Cash.

Und da war finanziell fast alles möglich: Laut Business Insider bekamen User*innen, die sich mit ihren Videos gegen TikTok selbst und dessen „Content-Unterdrückung“ wandten, rund 8,50 Euro. Dahingegen brachte ein Video, das die Datenfirma Palantir und deren Verbindungen zur amerikanischen Einwanderungsbehörde ICE kritisierte, entsprechenden User*innen etwa 17.000 Euro ein.

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Das Konzept war dabei eigentlich denkbar einfach und ließ sich in einem knackigen Spruch zusammenfassen: “Kill Brands, Get Paid” – also “töte Brands, werde dafür bezahlt”. Auf der Website dazu wurde das etwas konkreter formuliert: “Wir sponsern den Sturz neun übler Brands und bezahlen, wer sich unserem Kampf anschließt.” Für jede dieser Firmen gab es dort spezielle Audio-Tracks zum Download, die in den TikTok-Videos verwendet werden sollten; Popsongs, deren Lyrics den Brands entsprechend angepasst wurden. So wurde Billy Joels We Didn’t Start The Fire für das Modelabel Fashion Nova umgeschrieben und hörte sich dann so an: “We didn’t pay designers. We just stole the dresses and took all the credit” – auf Deutsch: “Wir haben die Designer*innen nicht bezahlt, sondern die Kleider gestohlen und als unsere ausgegeben.”

Nächste Aktion für den 26. Oktober geplant

Hinter alldem steckt das New Yorker Künstler*innen-Kollektiv MSCHF; es ist schon die 31. Aktion der Gruppe, die sich gesellschaftlich relevante Themen zum Anlass für ihre Ideen nimmt. #30 beispielsweise trug den Titel “Medical Bill Art” und rief dazu auf, Krankenhausrechnungen in Kunstwerke zu verwandeln, um mit dem damit verdienten Geld ebenjene Rechnungen bezahlen zu können.

Inzwischen ist der Anti Ad Ad Club beendet, da dem Kollektiv die nötigen Mittel fehlen, um weitere TikToks zu belohnen. Es wird aber nicht die letzte Aktion dieser Art bleiben; tatsächlich veranstaltet MSCHF zweimal im Monat solche “Drops”, wie sie es selbst in Anspielung auf die Hypebeast-Kultur nennen. Der nächste Drop folgt schon am 26. Oktober – wir dürfen gespannt sein.

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