Von Tinder zum Traualtar: 3 Paare, die sich online gefunden haben

Jenn Selby

„Dein Vater muss ein Dieb sein. Er hat die Sterne vom Himmel gestohlen und dir in die Augen gelegt.“

Wenn du in der Welt des Online-Dating unterwegs bist, hast du so eine cringy Nachricht bestimmt auch schon in deinen DMs aufgefunden. Denn leider stehen dort unangenehme und verzweifelte Anmachversuche genauso an der Tagesordnung, wie „Ghosting “ oder „Orbiting “. Das macht die Online-Suche nach der wahren Liebe extra schwierig. Trotzdem schreckt es viele Singles nicht davor ab, Tinder, OkCupid und Bumble eine Chance zu geben. Und warum? Weil sich zwischen all den Fuckboys, One-Night-Stands und komischen Clowns, eben doch einige beziehungsfähige Diamanten verstecken, die dich für den Rest deines Lebens glücklich machen können – die gilt es allerdings erstmal zu finden.

Doch die Hoffnung bleibt: Wenn du einige Nieten hinter dir hast, wird dich dieser eine Mensch all die schlechten Dates und Unterhaltungen vergessen lassen. Falls du das noch nicht so richtig glauben magst, können dich vielleicht die drei Frauen in dieser Slideshow vom Gegenteil überzeugen. Sie haben ihre Lebenspartner*innen nämlich genau da gefunden, wo viele meist nur auf der Suche nach einer schnellen Nummer sind.

Alana und Stuart

Alana, 31

„Ich hatte zahlreiche Dating-Apps auf meinem Smartphone und machte sogar mal bei einer Datingshow im Fernsehen mit, aber das alles führte nur zu merkwürdigen Dates, an die ich mich eher ungern zurückerinnere. Da war zum Beispiel dieser eine Typ, der total auf Haie stand. Er kam zu mir nach Hause und wollte unbedingt nur Hai-Filme schauen. Was an sich kein Problem wäre, wenn er mich nicht noch gefragt hätte, ob ich ihm währenddessen seine Hand kitzeln könnte… wirklich strange!

Einen anderen habe ich zuerst im Zug gesehen und dann auf Bumble gefunden. Das musste einfach ein Zeichen des Universums sein. Zumindest war ich davon überzeugt. Doch leider stellte sich schon beim ersten Date heraus, dass er ein richtiger Idiot war. Er wollte mir allen Ernstes weismachen, ich hätte ein Alkoholproblem. Er war den ganzen Abend richtig fies und abfällig mir gegenüber. Das war der Punkt, an dem ich mich vom Online-Dating verabschiedete. Ich dachte mir nur: ,Ich werde dieses Jahr 30, also Schluss mit Tinder! Ich habe ein tolles Leben und wunderbare Freund*innen. Ich liebe meinen Job und brauche keinen Partner an meiner Seite, um glücklich zu sein.‘

Meinen 30. Geburtstag habe ich wie einen Jungesellinnenabschied gefeiert. Ich war ganze siebenmal in meinem Leben Brautjungfer und zweimal sogar Trauzeugin aber nie die Braut – also habe ich mich einfach mit dem Gedanken abgefunden, dass dieser Weg nicht für mich bestimmt ist. Ich richtete mein Leben neu aus und suchte nicht mehr aktiv nach einem Partner. Doch dann meldete sich das Schicksal.

Eigentlich dachte ich, alle Dating-Apps von meinem Handy gelöscht zu haben, aber anscheinend war ich noch bei Tinder angemeldet ohne es zu merken. Tinder hat diese Option, bei der du einer Person, die du sehr ansprechend findest, ein sogenanntes „Superlike“ schicken kannst. Selbst, wenn diese die App nicht mehr nutzt, bekommt sie eine Benachrichtigung darüber. Da war ich also: In meiner Wohnung, an einem kalten Sonntagmorgen im Januar, als plötzlich das Superlike von Stuart (29) auf meinem Handydisplay erschien. Und nach kurzer Inspektion seines Profils swipte ich nach rechts und wir begannen uns Nachrichten hin und her zu schicken. Seine Fragen und Antworten überraschten mich auf positive Weise, vor allem fand ich es aber schön, dass er sich die Dinge, dich ich ihm sagte im Kopf behielt. Als er mich später nach einem Date fragte, dachte ich nur ,Warum nicht?‘

Nichtsdestotrotz war ständig in mir diese kleine Unsicherheit da, die mir sagte, dass er mich in letzter Sekunde sitzen lässt. Und da ich schon meine Erfahrungen mit solchen Dingen gemacht hatte, war ich die gesamte Woche vor dem Date auf eine schlechte Ich-kann-leider-nicht-Ausrede eingestellt. Dann, kurz vor unserem Date, bekam ich eine Nachricht von ihm und ich war mir sicher, dass er absagt. Aber zu meiner Überraschung, wollte er nur Bescheid geben, dass er schon in der Bar war und fragen, welchen Drink er für mich bestellen soll.

Wir haben den ganzen Abend lang nur geredet, bis es sich nicht mal mehr wie ein Date anfühlte. Alles war so zwanglos und wunderbar. Und mir wurde klar, wie unglaublich aufmerksam er war, als er mir eine kleine Figur aus den Simpsons zum Date mitbrachte, weil ich ihm irgendwann mal beiläufig erzählt hatte, dass ich ein Fan der Serie bin – das war so süß von ihm. Am Ende des Dates, sagte er mir, er habe noch eine Kleinigkeit für mich in seinem Auto. Da läuteten bei mir gleich die Alarmglocken. Normalerweise war das nämlich ein Zeichen dafür, dass es gleich unangenehm oder gefährlich werden könnte. Aber auch hier überraschte er mich, denn er hatte einen wunderschönen Blumenstrauß für mich, den er im Auto versteckt hatte.

Zuhause angekommen, wurde mir schnell klar, wie gern ich ihn habe. Ich wollte keine Spielchen mehr spielen, also sagte ich ihm gleich, dass ich ihn wirklich sehr mag und er erwiderte es ohne zu zögern.

Nach nur drei Wochen, einigten wir uns darauf, keine anderen Person mehr zu treffen und an Valentinstag fragte er mich, ob ich seine Freundin sein will. Zehn Monate später haben wir uns verlobt – die Hochzeit soll nächstes Jahr im Juli stattfinden.

Der Moment, an dem mir klar wurde, dass ich Stuart liebe, war als ich wieder einen meiner Migräneanfälle hatte und er sich so liebevoll um mich gekümmert hat. Er war den ganzen Tag fürsorglich, kochte mir Abendessen und räumte sogar das Haus auf. Da wusste ich, dass ich immer auf ihn zählen kann.

Wir stecken zurzeit mitten in den Hochzeitsvorbereitungen, deshalb ist alles etwas stressiger als sonst. Noch dazu bin ich gerade dabei meine Wohnung zu verkaufen, damit wir uns ein Haus holen können. Die ganzen äußeren Einflüsse sorgen für gereizte Stimmung zwischen uns, also ist Drama vorprogrammiert. Aber solange wir noch miteinander reden können, ist das kein Problem.

Ich glaube sobald wir in unser Haus gezogen sind, wird alles richtig toll und aufregend – ich kann unsere gemeinsame Zeit gar nicht abwarten. Lange dachte ich, ich würde niemals heiraten, aber jetzt passiert es wirklich.“

Tiffany und Leah

Tiffany, 32

„Ich war noch ein Neuling in Sachen Online-Dating, als ich Leah kennenlernte. Eigentlich habe ich mich nur für den digitalen Weg entschlossen, weil eine*r meiner Kolleg*innen mich förmlich dazu gedrängt hat. Und anfangs fand ich alles noch so aufregend. Bis ich merkte, wie oberflächlich ich an das Ganze heranging. Ich sortierte Frauen nur aufgrund ihres Äußeren aus und so verschloss ich mich vor potentiellen Matches. Ich war frustriert und drauf und dran die Apps zu löschen. Doch dann erschien Leahs Name in meinen Chats. Sie wirkte sehr freundlich und intelligent und wir verstanden uns auf Anhieb. Schon recht früh merkten wir, dass wir einen guten Draht zueinander haben und flirteten wie wild drauf los. Nach einem Tag habe ich sie dann nach ihrer Nummer gefragt. Das erste Bild, das sie mir gesendet hat, war von ihren frisch manikürten Nägeln. Da wusste ich sofort, dass sie eine sehr gepflegte und elegante Frau ist. Eigentlich witzig, wenn man bedenkt, wie nerdy und unordentlich ich bin. Zusammen sehen wir aber einfach verdammt gut aus!

Für unser erstes Date schlug sie ein Thai-Restaurant vor und ich sagte zu, ohne viel darüber nachzudenken. Sollte das Treffen eine Katastrophe werden, bestand mein Fluchtplan darin, ihr zu glaubhaft zu machen, ich hätte noch Dinge für die Arbeit zu erledigen. Doch als sie um die Ecke gelaufen kam, waren jegliche Zweifel vergessen – es war Liebe auf den ersten Blick und die Unterhaltungen am Abend haben das nur bestätigt. Nach dem Dinner sind wir in eine Bar und haben dort stundenlang über unsere Lebensziele und Träume geredet und bemerkt wie viele Interessen wir miteinander teilen. Als die Bar schließen wollte und wir fast schon rausgeworfen wurden, sind wir einfach noch eine Shisha rauchen und danach haben wir uns Süßigkeiten gekauft und sind in den Park. Wir beide wollten einfach nicht, dass der Abend endet.

Zum Abschied haben wir uns dann lange umarmt und ich fragte sie, ob ich ihr einen Kuss auf die Wange geben kann. Da ich mir sicher war, dass ich sie auf jeden Fall wiedersehen möchte, wollte ich nichts überstürzen – ein Kuss auf die Wange schien eine süße Art zu sein, das Date zu beenden. Ich weiß noch, wie ich meiner besten Freundin sagte, dass ich diese Frau irgendwann heiraten werde. Wegen ihrer Arbeit ist sie immer viel unterwegs, deshalb trafen wir uns einige Wochen nach dem ersten Date in einem Hotel zum Frühstück und machten einen romantischen Spaziergang im botanischen Garten. Ab dem Zeitpunkt verbrachten wir so gut wie jede freie Minute miteinander und am 4. April machten wir es dann offiziell. Seitdem sind wir wie Pech und Schwefel.

Die größten Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten traten auf, als sich unsere Zyklen anglichen und wir erkannten, dass wir uns unserer Emotionen und unserer Ausdrucksweise wirklich bewusst sein müssen, damit sie nicht überhand nehmen.

Seit dem 6. Juni machen wir zusammen eine Rucksackreise quer durch Zentralamerika und in dieser ganzen Zeit trug ich diesen schweren Stein mit mir mit. Ich weiß, wie sehr Leah den Strand mag und ich habe mich bei ihren und meinen Freund*innen beraten lassen, wie ich den Antrag am besten machen kann. Wir haben gemeinsam beschlossen, dass es entweder bei einem Sonnenaufgang oder einem Sonnenuntergang geschehen sollte. Ich bin zwar kein Morgenmensch (und das weiß sie auch), trotzdem schlug ich ihr in Belize vor, am nächsten Tag den Sonnenaufgang am Strand zu beobachten. Die Nacht davor, gingen wir früh ins Bett, aber ich konnte kein Auge zumachen. Ich war die ganze Zeit draußen und nervös auf und ab. Dann endlich brach der Morgen an und wir fanden den perfekten Ort, kurz bevor die Sonne aufging. Ich wollte den Antrag filmen, aber damit sie nichts ahnt sagte ich ihr, ich wolle ein Selfie von uns beiden machen. Als sie sich bereit machte, ging ich auf die Knie und stellte ihr die Frage – und sie antwortete mit JA! Doch das war nicht das Highlight des Morgens, denn Plottwist: Sie hatte auch einen Ring in der Tasche und so wurde es zu einem Doppelantrag und zum besten Sonnenaufgang unseres Lebens.

Wir wollen eine mittelgroße Hochzeit mit der Familie, unseren engsten Freund*innen und unserem Hund. Wir haben den Veranstaltungsort bereits gebucht und den Termin auf den 16. Mai 2020 festgelegt. Unser Ziel ist es, Unternehmen und Dienstleister zu nutzen, die von Minderheiten geleitet werden, da wir in einem Gebiet leben, das vielfältig und LGBTQ+-freundlich ist. Wir verstehen uns als extrem unkonventionell. Deshalb besprechen wir alles, was wir tun zusammen und entscheiden, wie wir es auf unsere Weise tun können. Wir können die Hochzeit kaum erwarten.“

Michelle und Dan


„Ich war gerade aus einer wirklich schlechten, von Streitigkeiten geprägten Beziehung herausgekommen und wollte für eine Weile lieber keinen Partner haben. Ich stürzte mich lediglich in meine Arbeit und vergaß dabei mein Liebesleben komplett. Da schlug mir ein Freund vor, ich solle mich zur Ablenkung bei einer Dating-App anmelden. Ich war in der Vergangenheit schon bei einigen Seiten aktiv, hatte aber nur komische Bekanntschaften gemacht – unter meinen Favoriten waren beispielsweise ein Mann mit einem Kind, dessen Existenz er vor mir geheim hielt und einer, der in einer Beziehung war, während er sich mit mir traf. Ich kann nicht sagen, dass ich voller Hoffnung war, als ich Tinder zum ersten Mal ausprobierte, aber drei Tage später, nachdem ich mich durch die Schar an Männern geswipt hatte, ploppte Dans Name in meinem Chat auf und wir fingen an uns zu unterhalten.

Es war wirklich seltsam, wie gut wir uns verstanden. Es fühlte sich sofort an, als wären wir alte Freunde. Wir sind im gleichen Alter und er ist Sportlehrer an einer Grundschule. Nach einer Woche chatten trafen wir uns zum ersten Date. Ich war so nervös, weil ich nicht wusste, was mich erwarten würde, aber als ich auftauchte, unterhielt er sich bereits mit dem Barkeeper, als hätte er sie sein ganzes Leben lang gekannt. Ab diesem Zeitpunkt war es einfach. Meine Unbeholfenheit war vollständig verschwunden und nervös war ich auch nicht mehr. Wir blendeten alles um uns herum aus und genossen die Gesellschaft des Anderen.

Drei Monate später zog er bei mir ein und holte einen Monat darauf seinen Hund dazu! Wir sind jetzt schon ein paar Jahre zusammen und haben sogar unseren kleinen Sohn Oliver in der Zeit bekommen. Den Antrag machte er mir im Februar 2018 auf einer Reise nach New York, mitten im Central Park! Es war wie in einem Film: Er setzte sich mit mir auf eine Bank und tat so, als würde er seine Schnürsenkel zu binden und dann holte er den Ring aus seiner Tasche.

Natürlich läuft auch bei uns nicht immer alles wie im Bilderbuch. Ich verlor meinen Job in der sechsten Schwangerschaftswoche, hätte beinahe mein Leben verloren, als mein Auto auf der Straße Feuer fing und außerdem leide ich an einer chronischen Krankheit namens Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS). Das ist eine Zusammensetzung aus 13 verschiedenen genetischen Erkrankungen, die das körpereigene Bindegewebe beeinflusst und dadurch das Kollagen brüchig und dehnbar macht. Die Symptome von EDS sind unter anderem dauerhafte Schmerzen, chronische Müdigkeit, Schwindel, Herzklopfen und Verdauungsstörungen. Ich versuche damit so gut es geht klarzukommen, aber manchmal kann mich etwas so Einfaches wie Spazierengehen für eine lange Zeit ausknocken. Dan hat mich in dieser Zeit enorm unterstützt. Besonders hilfreich war dabei, seine strukturierte Denkweise, denn ich neige oft dazu mich in meinen Sorgen zu verlieren und er konnte mich da mühelos herausholen.

Wir haben am 20. Juli in einem wunderschönen Landhaus geheiratet. Circa 140 Personen waren da, also eine recht große Hochzeitsgemeinde. Unser Kleiner wurde zum Ringträger erkoren. Alles war sehr elegant und klassisch gehalten – mit vielen Blumen und in weiß versteht sich. Als kleines Highlight engagierten wir singende Kellner*innen.

Das Einzige, was uns bei der Planung Probleme machte, war mein Kleid. Ich hatte zuerst das von einer Frau abgekauft, die Schwanger geworden ist. Doch später gefiel es mir nicht mehr und ich musste mir ein neues holen. Das ging natürlich ins Geld, aber Dan war da sehr entspannt und ließ mich einfach machen.“

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