Donald Trump trickst Joe Biden aus

Das dürfte dem US-demokratischen Politiker Joe Biden nicht gefallen: Auf "seinen" Kampagnen-Webseiten macht sich stattdessen Donald Trump breit und veröffentlicht dort Wahlkampf-Inhalte gegen Biden. Foto: AP Photo / Matt Rourke

Die US-Demokraten begehen einen Anfängerfehler, die Republikaner nutzen diesen meisterlich aus. Für eine neue Kampagne von Joe Biden hatte sich dessen Wahlkampfteam noch nicht die entsprechenden Domains gesichert. Das haben stattdessen die Republikaner hinter Trump getan und posten seither Anti-Biden-Inhalte.

Es sollte Joe Bidens Charmeoffensive in Richtung einer von Donald Trump so oft verunglimpften Wählerschaft sein: den Latinos, US-Bürgerinnen und -Bürger mit lateinamerikanischen Wurzeln. Am Dienstag nun hat Bidens Wahlkampfteam, so berichtet es das Onlinemedium „Mashable“, den entsprechenden Kampagnen-Titel veröffentlicht: „Todos con Biden“ (in etwa: „Alle zusammen mit Biden“).

Politische Sticheleien: Clinton macht sich über Trumps Erdogan-Brief lustig

So weit, so gut. Nun aber zum Problem: Denn zu dem Zeitpunkt hatten sich die Demokraten die entsprechenden Webadressen noch nicht gesichert. Genauso wenig die dazugehörigen Facebook- und Twitterseiten. Eigentlich unglaublich in der heutigen Zeit, in der soziale Netzwerke oft genug und eindrücklich bewiesen haben, wie wichtig sie für die politische Meinungsbildung sind. Und so kam es, wie es kommen musste. Trump und sein Team ließen sich diese Chance nicht entgehen und kauften umgehend sämtliche passende Online-Adressen auf. Mittlerweile sind darauf Anti-Biden und Pro-Trump Inhalte zu sehen.

Probleme für Biden

Das Trump-Team hat laut dem US-Sender „ABC“ das immense Potenzial der demokratischen Versäumnisse erkannt und für „wenig Geld“ die gesamte Kampagne vorerst lahmgelegt, sie womöglich sogar gänzlich gestoppt. Im Interview sagt ein Vertrauter Bidens: „Kein Wunder, dass Trump sich so kindisch verhält. Er will damit die Aufmerksamkeit von seiner entsetzliche Bilanz ablenken, Familien zu trennen und Einwanderer als Sündenbock darzustellen, Hass und weiße Vorherrschaft zu schüren und gleichzeitig Millionen von Amerikanern die dringend notwendige medizinische Versorgung wegzunehmen.“

Statt sachlicher Argumente: Absurde Frisurendebatte um Alexandria Ocasio-Cortez

Ja, das mag alles stimmen, aber unterdessen veröffentlichte der Twitterkanal „@todosconbiden“ vor zwei Tagen ein Gif. Darin sind Bilder von inhaftierten Jugendlichen zu sehen und die Überschrift dazu: „Joe Biden ist ein König darin, Jugendliche in Käfige zu sperren“.

Ein weiteres Video zeigt Biden, wie er vor kurzem erst in einer Wahlkampfrede sagte: „Wir haben fälschlicherweise das Narrativ, dass du nicht erfolgreich sein kannst, wenn du arm bist. Aber Kinder aus armen Familien sind genauso intelligent und talentiert wie weiße Kinder.“ Einen ähnlichen „Versprecher“ hat sich Biden anscheinend schon im Jahr 2007 geleistet, als er Minderheiten in Verbindung brachte mit mangelhaften Schulleistungen. Damals sagte er: „Es kommt auf das Ausgangsmaterial an, womit du letztlich arbeitest.“

Trump hat schon einmal URLs aufgekauft - im großen Stil

Auch wer www.todosconbiden.com direkt ansteuert, liest eine ähnliche Botschaft. Groß steht da: „Oops, Joe hat die Latinos vergessen. Joe labert nur.“ Und darunter ein Link zu einer Seite, auf der Latinos und Latinas vorgestellt werden, die voller Überzeugung Donald Trump wählen. Beide Internetseiten sind in englischer und spanischer Sprache erreichbar.

Wer nun Teil von Team Biden ist, für den dürfte der Wahlkampf-Stunt von Trump ein herber Rückschlag sein. Dabei ist das Aufkaufen von URLs kein neues Muster: Bereits vor zwei Jahren hat Trump, so schreibt Mashable weiter, unglaubliche 3.643 Domains aufgekauft, um negative Kampagnen gegen ihn zu verhindern. Darunter „TrumpFraud.org“, TrumpScam.com“ und „DonaldTrumpSucks.com“.