Twitter-Aufruf: Amerikaner erzählen von ihren absurdesten Arztrechnungen

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Der US-Senator Bernie Sanders kämpft seit Langem für eine Reform des amerikanischen Gesundheitswesens. Um einmal mehr zu beweisen, welch absurde Blüten dieses bisweilen treibt, fragte er seine Follower nach ihren absurdesten Arztrechnungen. Und die lieferten fleißig.

Zum Arzt zu gehen, ist in den USA nicht gerade günstig (Symbolbild: Getty Images)

9,7 Millionen Follower hat der Demokrat Bernie Sanders bei Twitter, von denen er zuletzt Tausende zu einer Reaktion auf eine Frage bewog. Als scharfer Kritiker des US-Gesundheitssystems fragte Sanders nach extrem hohen Rechnungen, die seinen Followern durch Arzt- oder Krankenhausbesuche entstanden sind. Wer sich die Antworten ansieht, wird im Normalfall ziemlich dankbar dafür sein, dass die Dinge hierzulande dann doch etwas anders laufen.

Tausende Dollar nur für die Diagnose

Wo wir uns zum Beispiel fragen, ob es wirklich sein muss, dass Krankenkassen die Kosten für homöopathische Mittel erstatten, kann in den USA schon ein einziger Arztbesuch den Bankrott bedeuten. 13.000 Dollar musste eine Nutzerin dafür bezahlen, dass ein Arzt ihr mitteilte, sie hätte Nierensteine. Die Summe bezog sich allein auf die Diagnose, nicht etwa auf eine Operation.

Offenbar kein Einzelfall. Eine Userin schrieb ihr daraufhin, sie hätte für dieselbe Leistung 14.000 Dollar bezahlen müssen, ein User berichtete sogar von einer 18.000-Dollar-Rechnung.

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Bernie Sanders fragte die Amerikaner nach ihren absurdesten Arztrechnungen (Bild: Getty Images)

Blinddarm raus, Konto leer

Schier vom Glauben abgefallen wäre auch eine Nutzerin, die für eine Blinddarmoperation zur Kasse gebeten wurde. 60.000 Dollar hätte sie bezahlen sollen, weil der operierende Chirurg anders als das Krankenhaus nicht im Netzwerk ihrer Versicherung war.

Von der horrenden Summe verschont wurde sie erst, nachdem sie geklagt hatte.

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35.000 Dollar für eine Geburt

Emotional besonders hart war die Rechnung über 600 Dollar, die eine Ärztin nach der Geburt ihres Kindes bekam, das nur wenige Minuten lebte. Zu kurz, um in ihre Versicherung aufgenommen zu werden. Die Mutter arbeitete sogar selbst als Ärztin in dem Krankenhaus, das ihr die Rechnung drei Tage nach der Geburt nach Hause schickte.

Bei dieser Frau ging zum Glück alles gut, wenn auch die Geburt eine kostspielige Angelegenheit war, die sie ganze 35.000 Dollar kostete:

Teuer ist es auch dann, wenn nichts Schlimmes passiert

Dabei muss es gar kein Krankenhausaufenthalt sein, der die Patienten teuer zu stehen kommt. Ein Vater zweier Söhne schreibt zum Beispiel, im Jahr 5000 Dollar für sich und seine Kinder auszugeben. Für “normales Zeug“ wie Kontrolltermine, Besuche in der Notaufnahme und Medikamente. Kein Wunder, dass er da nicht einmal daran denken will, was in schlimmeren Situationen auf ihn zukäme: “Ich habe Angst davor, was es für uns bedeuten würde, einen echten Notfall zu erleiden.“

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