Überraschender Grund: Warum wir Weihnachten lieben

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Eine Studie zeigt: Unser Gehirn verfügt über ein „Feiertagszentrum“, das bestimmt, wie sehr wir Weihnachten lieben.

Es gibt tatsächlich eine wissenschaftliche Begründung dafür, ob wir Weihnachten lieben oder nicht. (Bild: Getty Images)

Warum sind einige von uns eigentlich so verbitterte Grinches, wenn es um Weihnachten geht – und andere so begeisterte Fans von Engeln und Rauschgold, Feiertagspunsch und Familienritualen? Klar, Einstellungen gründen auf Erfahrungen und wer großteils schöne Erinnerungen an Weihnachten in der Kindheit hat, wird diese Rituale wahrscheinlich eher übernehmen als Menschen, die dem Fest keine oder nur eine geringe Bedeutung beimessen. Aber es geht noch tiefer, wie eine Studie aus Dänemark schon 2015 bewies: Das Gehirn verfügt über ein sogenanntes „Holiday Center“, bestehend aus fünf miteinander verbundenen Abschnitten, die eine besondere Aktivität zeigen, wenn wir über Dinge nachdenken (oder sie erleben), die die Feiertage betreffen.

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Die Mini-Studie, die von der Universität Kopenhagen durchgeführt und im British Medial Journal veröffentlicht wurde, wurde mit 20 Probanden durchgeführt, von denen zehn Weihnachtstraditionen pflegten, während die andere Hälfte Weihnachten überhaupt nicht feierte. Im Versuch sahen sich beide Gruppen weihnachtliche und vollkommen unweihnachtliche Bilder an, während per Magnetresonanztomographie-Scans (fMRI) die Gehirnaktivitäten aufgezeichnet wurden.

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Das Resultat: Beide Probandengruppen zeigten eine Zunahme der Aktivität im primären visuellen Kortex, als sie Weihnachtsbilder sahen. Das ist grundsätzlich nicht verwunderlich: Der primäre visuelle Kortex ist der Ort, an dem unsere „Bildverarbeitung“ stattfindet, die übersetzt, was wir sehen. Allerdings zeigte die Studie, dass es fünf Bereiche gibt, in denen die Gehirne der Weihnachtsfans viel Aktivität zeigten, die der Grinches jedoch nicht: der primäre somatosensorische Kortex, der linke Primärmotor und der Prämotorenkortex, der rechte Parietallappen und der bilaterale primäre somatosensorische Kortex.  Das sagt dem Nicht-Mediziner nun erst mal nicht viel, die Wissenschaftler jedoch deuten die Ergebnisse folgendermaßen: Die Parietallappen des Gehirns, so heißt es in der Studie, “spielen eine entscheidende Rolle bei der Selbst-Transzendenz, dem Persönlichkeitsmerkmal in Bezug auf die Veranlagung zur Spiritualität.”

Wer schöne Erinnerungen an Weihnachten hat, wird das Fest auch im Erwachsenenalter würdigen. (Bild: Getty Images)

Bei Menschen, die Weihnachten als religiösen oder spirituellen Feiertag erleben, ist diese Gehirnregion also besonders aktiv. Der frontale Prämotorenkortex scheint auf Erinnerungen an die Emotionen und Handlungen anderer zu reagieren. Und, auch das ist interessant, der somatosensorische Kortex spielt offenbar “eine wichtige Rolle bei der Erkennung von Gesichtsemotionen und beim Abrufen sozialrelevanter Informationen aus Gesichtern“: Das Feiertagszentrum des Gehirns erinnert sich also an glückliche Zeiten mit Familie und Freunden und gönnt sich ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Bindung. Natürlich sind solche Studien immer mit Vorsicht zu genießen – denn zum einen ist die Probandengruppe zu klein, um repräsentativ zu sein.

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Zum anderen haben die Menschen in Dänemark, wo die Studie durchgeführt wurde, eine besondere Bindung zu Weihnachten und begreifen es als Teil ihrer Identität. Und doch ist es gut zu wissen, woher die Weihnachtsbegeisterung der einen kommt – und für die Weihnachtsfans vielleicht auch tröstlich, dass die Grinches nicht etwa schlechte Menschen sind. Ihr Gehirn ist nur anders gestrickt – und wer weiß, vielleicht springt der Weihnachtsfunke ja irgendwann noch auf ihre Parietallappen über…