Überstürzte Hochzeit wegen sterbendem Brautvater inspiriert Club des reisenden Hochzeitskleides

Amanda Dawson in ihrem Hochzeitskleid. (Bild: Artiese Studios / www.artiesestudios.com)

Es ist ziemlich offensichtlich, weshalb jede Braut in spe auf der Suche nach einem Brautkleid sich in die Kreation aus Bustier und Leinenrock von Carol Hannah verliebt. Als Amanda Dawson aus Toronto auf Facebook ein Foto von Katie Kennedy entdeckt – einer ihr unbekannten Braut, die das fließende, zarte Ensemble bei der Hochzeit im Januar 2015 in Bethlehem, Pennsylvania, trug, wusste sie sofort: das soll ihr Hochzeitskleid werden. Damals wusste sie noch nicht, dass es im wahrsten Sinne des Wortes so sein würde.

Katie Kennedy trug den Rock von Carol Hannah bei ihrer Hochzeit 2015. (Bild: Douglas Benedict Photography / www.douglasbenedict.com)

„Ich habe es gesehen und mich sofort verliebt“, erzählt Dawson gegenüber Yahoo Style. „Ein anderes Kleid habe ich gar nicht wirklich anprobiert.“

Dawson war erleichtert, als sie herausfand, dass der einzige Laden in Kanada, der die Designerin im Sortiment hatte, in ihrer Heimatstadt war. Doch ihr Plan hatte einen großen, herzzerreißenden Haken: Bei ihrem Vater, Steve Dawson, wurde ein aggressiver Hirntumor diagnostiziert, weshalb er nur noch wenige Monate zu leben hatte. Vergangenen April einigten Dawson und ihr Verlobter Dom sich darauf, die Hochzeit auf Juni vorzuverlegen, was ihnen zwei Monate Zeit gab, um alles zu organisieren. Die Mitarbeiterin im Brautladen sagte, sie müsse das Kleid express bestellen, doch es wäre möglich.

Zwei Wochen später kamen Dawson und ihre Mutter zur Anprobe. „Als ich das Muster anhatte und sie meine Maße nahmen, fragte die Ladenbesitzerin, wann mein Hochzeitstermin sei“, erinnert sie sich. „Dann meinte sie: ‚Das wird sich zeitlich nicht ausgehen, das kann ich Ihnen gleich sagen.’“

Nachdem sie in Tränen ausgebrochen war, begann sie zu telefonieren – sie rief Läden in den USA an, Schneiderinnen und sogar die Assistentin der Designerin. Die Nachfrage war einfach zu hoch, um ihr so kurzfristig ein Kleid zu besorgen. Als sie kurz davor war, aufzugeben, hatte sie die Idee, sich an den Fotografen Douglas Benedict zu wenden, dessen Foto der Grund gewesen war, weshalb sie sich in das Kleid verliebt hatte. Sie schrieb Benedict eine E-Mail, der sie am selben Tag anrief und versprach, Kennedy zu kontaktieren.

„An dem Abend bekam ich eine E-Mail von Katie“, erklärt Dawson. „Sie schrieb: ‚Ich fände es toll, wenn du das Kleid bekommst. Das einzige, was ich im Gegenzug gerne hätte, ist ein Foto von dir in dem Kleid, damit ich es neben mein Foto stellen kann.’ Ich konnte es nicht glauben. Sie hat nicht einmal nachgedacht. Sie hat es am selben Tag zur Post gebracht.“

Dawson und ihr Vater an ihrem Hochzeitstag. (Bild: Artiese Studios/artiesestudios.com)

Kennedy sagte, sie habe eigentlich vorgehabt, das Kleid aufzuheben, doch sie zögerte nicht, es Dawson zu geben. „Ich zögere alles hinaus, also habe ich es noch nicht einmal reinigen lassen“, gibt sie zu. Aber der Rock war in gutem Zustand. „Nachdem ich die E-Mail von Amanda las, hatte ich das Gefühl, dass das vorherbestimmt war. Es schien mir, als wäre es das Richtige, ihr das Kleid zu geben. Es gab beim Einpacken womöglich einen Moment, in dem ich etwas traurig war, dass ich es nie wieder sehen würde, aber es hat danach noch so ein großartiges Leben gehabt.“

Dawson verwendete ihr eigenes Oberteil, somit konnte Kennedy ihres als Andenken an ihren Hochzeitstag behalten. Doch Dawson ist noch immer berührt von der Tatsache, dass eine andere Braut nicht einmal eine Entschädigung oder die Rückgabe des Rockes verlangte. Diese Großzügigkeit erinnerte sie an ihren Vater, einen Familienarzt, der stets allen half. Obwohl er zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit an den Rollstuhl gefesselt war, konnte er sie – geschoben von ihrem Bruder Paul – zum Altar führen. Steve starb sechs Monate später, im Dezember 2016.

Dawson und ihr Vater. (Bild: Mit freundlicher Genehmigung von Amanda Dawson)

„Ich schrieb ihr an dem Tag eine SMS und sagte: ‚Was ich dir noch nie gesagt habe, ist, dass du und mein Vater verwandte Seelen sind. Menschen müssen diese Geschichten hören, damit sie daran erinnert werden, dass es da draußen Menschen wie dich gibt“, sagt Dawson.

Jetzt würden die beiden Bräute ihren kleinen Club gerne erweitern.

„Wir denken beide, dass es fantastisch wäre, wenn es weiterginge und jemand anderer das Kleid tragen würde“, sagt Kennedy.

„Dieses Kleid verbindet uns und wir hoffen, dass es weite Kreise zieht, die über ein Stück Stoff hinausgehen und die Menschen inspirieren, großzügig zu geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten“, erklärt Dawson.

Obwohl Dawson keine besonderen Vorgaben an die nächste Besitzerin hat, würde sie gerne Details über die Braut und ihre Liebesgeschichte erfahren. Wenn Sie jemanden kennen, der das Kleid verdient hätte, dann schreiben Sie Dawson auf Twitter: @AmandaKDawson.

Sabrina Rojas Weiss
Yahoo Style