Ungeziefer im Haus: Selbst bekämpfen oder bekämpfen lassen?

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Fast jeder hatte schon mal damit zu tun, aber die wenigsten wissen, wie schädlich das lästige Ungeziefer wirklich ist: Wie gefährlich Motten, Milben und Mücken wirklich werden können und wann eine gezielte Bekämpfung wichtig ist.

Vielen Tierchen kannst du mit den richtigen Mitteln selbst den Kampf ansagen - für andere braucht es den Profi. (Symbolbild: Getty Images)

Das Wichtigste vorweg: Wer im Internet nach Informationen über Schädlinge sucht, wird auf jeden Fall mit einem unangenehmen Kribbeln belohnt – oder ist es doch nur der kalte Schauer, der einem beim Anblick der vielen unterschiedlichen Insekten in Großansicht den Rücken herunterrieselt? Selten jedoch hat die Internetrecherche wirklich gewinnbringenden Nutzen: Die meisten Suchergebnisse über die gängigen Schädlinge von Bettwanze bis Kleidermotte führen nämlich auf die Internetseiten von Schädlingsbekämpfungsunternehmen, die am liebsten jeglichem Ungeziefer im großen Stil den Garaus machen wollen. Welche der häufig vorkommenden Insekten sind jedoch wirklich gefährlich, wann reicht es aus, die kleinen Tierchen einfach zu entfernen und wann sollte wirklich ein Profi eingeschaltet werden?

Handelt es sich um Schädlinge oder Lästlinge?

Die Einordnung der Tierchen in Schädlinge und Lästlinge bringt schon mal erste Erkenntnis: Verursachen erstere, wie der Name schon sagt, tatsächlichen Schaden (was etwa Hygiene oder Materialien angeht), sind letztere, unter die zum Beispiel die Silberfischchen fallen, einfach nur lästig. Die flügellosen Insekten, die sich vor allem an warmen, feuchten Orten wie im Badezimmer oder unter dem Kühlschrank tummeln, bevorzugen stärke- oder dextrinhaltige Nahrung, weshalb manchmal auch Buchrücken oder -seiten daran glauben müssen.

Größeren sonstigen Schaden richten die kleinen lichtscheuen Tierchen jedoch nicht an – vielmehr gelten sie als Warnsignal für einsetzenden Schimmelbefall und werden wohlwollend auch als Nützlinge gesehen: Nicht nur ernähren sie sich von Schimmelpilzen, sondern auch von Hausstaubmilben, deren Kot Allergien auslösen kann. Zudem übertragen sie keine Krankheiten – eine Bekämpfung der meist vereinzelt auftretenden Silberfischchen ist aus hygienischer Sicht deshalb nicht notwendig.

Offen gelagertes Obst zieht Fruchtfliegen magisch an. (Bild: Getty Images)

Fruchtfliegen: Hygieneschädlinge selbst bekämpfen

Die Fruchtfliege ist ähnlich lästig wie das Silberfischchen, wird vom Deutschen Schädlingsbekämpfer Verband e.V. jedoch als Hygieneschädling gelistet. Der Grund: Die winzigen Fliegen, die sich oft im Biomüll und in Komposthaufen entwickeln und rasend schnell vermehren (theoretisch sind bis zu 16 Millionen Nachkommen von einem einzigen Fruchtfliegenweibchen in einem Monat möglich!), können Bakterien und Krankheiten übertragen, indem sie zum Beispiel erst auf dem Kompost und dann auf angebissenem Obst herumlaufen.

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Aus diesem Grund sollten Fruchtfliegen beispielsweise mit UV-Lampen oder Fliegenfallen bekämpft werden, zudem empfiehlt sich auch die Beseitigung der Entwicklungsplätze zum Beispiel im Biomüll mit anschließender Desinfektion des Eimers.

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Bettwanzen: Bekämpfung im großen Stil nötig

Ebenfalls zu den Hygieneschädlingen gehört die Bettwanze, die zur Horrorvorstellung jedes Urlaubers zählt. Besonders in großen Hotelanlagen hat sich das blutsaugende Insekt mittlerweile wieder ausgebreitet, da es sich mühelos von Zimmer zu Zimmer fortbewegen kann. Die Tiere, die sich oft unter Matratzen verstecken, geben beim Blutsaugen ein Sekret ab, das starken Juckreiz auslöst – wenn anschließend stark gekratzt wird, können Entzündungen auftreten.

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Eine Bekämpfung ist im großen Stil notwendig und sollte nicht auf die lange Bank geschoben werden (eine satte Bettwanze kann bis zu eineinhalb Jahre fasten, ohne zu verhungern): Nur wenn im gesamten Gebäude eine professionelle Bekämpfung durchgeführt wird, besteht eine Chance, die Blutsauger loszuwerden.

Schaben verbreiten Bakterien und Schimmelpilze - hier muss der Profi ran. (Bild: Getty Images)

Schaben: Professionelle Bekämpfung nötig

Das Schreckgespenst Schaben: Ob deutsch, amerikanisch, orientalisch oder Braunbandschabe – wer einmal von „Blattellas“ heimgesucht wurde, bekommt die Schädlinge nicht so schnell wieder los. Die nachtaktiven Insekten, die sich schnell fortbewegen können, sind Allesfresser und halten sich deshalb gerne dort auf, wo Menschen oder Tiere leben. Die Deutschen Schaben etwa verbreiten Bakterien und Schimmelpilze und können Infektionskrankheiten wie Salmonellen-Erkrankungen, Hepatitis, Typhus oder Tuberkulose übertragen. Eine entsprechende Bekämpfung ist wichtig, beispielweise bieten sich giftfreie Klebefallen an, um den Befall nachzuweisen. Die Bekämpfung an sich sollte dann allerdings dem Profi überlassen werden.

Hausstaub- und Mehlmilben: So kannst du sie selbst bekämpfen

Milben sind überall, sagt man. Dann können sie doch auch nicht so schlimm sein, oder? Kommt darauf an. Die verbreitete Hausstaubmilbe ist an sich nicht gefährlich, doch gegen ihren Kot sind viele Menschen allergisch. Wer den Milben, die sich mit Vorliebe in Betten und Kissen aufhalten, das Leben so unangenehm wie möglich gestalten will, wohnt bei kühlen Temperaturen mit möglichst wenig Pflanzen, die die Luftfeuchtigkeit erhöhen könnten. Waschbare Schutzbezüge fürs Bettzeug minimieren zudem den Kontakt zum Milbenkot. Eine anderweitige Bekämpfung ist nicht möglich.

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Anders sieht es bei den Mehlmilben aus, die als Vorratsschädlinge in Getreidesilos, Bäckereien und Mühlen vorkommen und so auch in den Privathaushalt verbreitet werden können. Das Vorkommen von Milben in der Familienpackung Mehl ist nicht sofort, sondern erst dann sichtbar, wenn die Tierchen sich bereits stark vermehrt haben. Befallenes Mehl sollte entsorgt werden, denn der Verzehr von befallenen Lebensmitteln kann Darmerkrankungen, Hautausschlag oder Asthma auslösen. Übrigens: Wer sein Getreide, Mehl und Gries bei einer Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent lagert, minimiert das Risiko eines Milbenbefalls.

Eine Bekämpfung der Schmetterlingsmücke ist ad hoc durch Insektensprays möglich - doch weitere Schritte sind nötig. (Bild: Getty Images)

Schmetterlingsmücken: Sie bringen Keime mit nach Hause

Gibt’s nur im Schwimmbad, oder? Schmetterlingsmücken hat jeder schon mal gesehen und vielleicht als harmloses Ungeziefer abgetan. Tatsächlich geht von der herzförmigen Mücke, die vor allem in der Nähe von Gullys und Bodenabläufen auftritt, erst mal keine ernsthafte Gefahr für den Menschen aus, da sie „nur“ eine unhygienische Situation anzeigt.

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Bekämpft werden sollte sie jedoch trotzdem, da Schmetterlingsmücken sich vor allem in verdreckten Abflüssen gerne massenhaft vermehren und die Keime aus dem Badezimmer dann in die Küche und deren Lebensmittel bringen können. Eine Bekämpfung der Schmetterlingsmücke ist ad hoc durch Insektensprays möglich, allerdings muss auch der Entwicklungsort der Larve gefunden und gereinigt werden, um eine Vermehrung zu stoppen. Hierzu empfiehlt sich das Hinzuziehen eines Profis.

Kleidermotten: Nicht gefährlich, aber extrem nervig

Sie sind vor allem lästig, aber im Grunde genommen handelt es sich bei Kleidermotten um einen Material- bzw. Textilschädling, weil deren Raupen sich mit Vorliebe an Fellen, Wolltextilien, Wollteppiche, Pelze und Daunenkissen zu schaffen machen. Die unscheinbaren Motten sind deshalb vor allem in Kleiderschränken zu finden, aber auch Teppiche aus Wollstoffen können befallen werden. Zur Abschreckung von Motten wird oft Lavendel- oder sonstiges ätherisches Öl verwendet, und wer herausfinden will, ob das Loch im Baumwollshirt von einer Motte stammt, kann mit einer Klebefalle zumindest die männlichen Motten anlocken. Zur notwendigen Bekämpfung vorhandener Motten hilft aber nur ein sogenanntes Kontaktinsektizid. Auch das Behandeln der befallenen Textilien mit sehr hohen Temperaturen (zum Beispiel im Trockner) kann die Schädlinge abtöten.

Von wegen Motten: Daher kommen die Löcher im T-Shirt wirklich

Wer ohne professionelle Hilfe gegen die Motten vorgehen will, kann es mit Schlupfwespen versuchen, die in Form von Kärtchen im Kleiderschrank verteilt werden und die die Eier der Motten mit ihrem Legestachel anbohren sollen. Besonders in Familienhäusern mit mehreren potenziellen Mottenherden empfiehlt sich aber das Hinzuziehen eines Profis, um alle Mottenherde identifizieren und das Thema baldmöglichst ad acta legen zu können.