Unlesbar: Die neuen Nummernschilder der kanadischen Provinz Ontario haben ein Problem

Werden sie bei Nacht von einem starken Licht angestrahlt, lassen sich die neuen Nummernschilder der kanadischen Provinz Ontario nicht mehr lesen. Sie reflektieren so stark, dass sie zu einer glühenden Fläche werden.

In der kanadischen Provinz Ontario hat die Regierung kürzlich neue Nummernschilder präsentiert. Die haben allerdings einen kleinen Haken. Foto: Symbolbild / gettyimages / Daniel Ramsay / EyeEm

Seit Anfang des Monats hat Ontario, die bevölkerungsreichste Provinz Kanadas, neue Nummernschilder. Das Design hat sich geändert, die Farbe, sogar der Slogan, den jedes Nummernschild in Ontario trägt, ist nun ein anderer. Einige Tage später, die ersten Neuwagen trugen mittlerweile die neuen Nummernschilder, teilten zahlreiche Menschen eine erschreckende Beobachtung auf Twitter: Werden die Nummernschilder bei Dunkelheit von einem Scheinwerfer angeleuchtet, lassen sie sich nicht mehr entziffern.

Die ersten Probleme gab es lange vor Einführung

Bereits im vergangenen Jahr stellte der amtierende rechtskonservative Premierminister von Ontario, Doug Ford, das neue Design der Nummernschilder vor. So berichtete es vor kurzem NPR, eine Art öffentlich-rechtlicher Hörfunk in den Vereinigten Staaten von Amerika. Doch bereits die Präsentation der Nummernschilder stieß auf Gegenwehr, so wurde das neue Design mit dem Aussehen einer Box mit Wattestäbchen verglichen. Die Ähnlichkeit, hieß es, sei nicht von der Hand zu weisen.

Dazu kam der neue Slogan: Aus „Yours to Discover“, das stand seit 1982 auf jedem Nummernschild Ontarios, wurde „A Place to Grow“. Viele Einwohner und Einwohnerinnen waren darüber erzürnt. Dann die Farbgebung: Von nun an erscheinen sämtliche Nummernschilder in dem gleichen Blauton wie die Progressive Conservative Party of Ontario, die Partei Fords. Die Demokratin Andrea Horwath urteilte damals, Ford setze „öffentliche Gelder für parteipolitische Zwecke“ ein.

Unmöglich, eine Verkehrsbeschwerde einzureichen

Diese ganzen Kontroversen fanden statt, lange bevor die Nummernschilder überhaupt zum Einsatz kamen. Jetzt erst folgten die – so NPR – „wahren Probleme“. Andrew Collins, ein Videojournalist, fragte diese Woche auf Twitter: „Ist noch jemand aufgefallen, dass die neuen Nummernschilder nachts und aus der Distanz unlesbar sind? Meine Aufnahme habe ich mit einer 1080P Dashcam aufgenommen. Das könnte für die Polizei zum Problem werden.“ Weiter führte Collins aus, dass dadurch auch niemand eine Verkehrsbeschwerde einreichen könne, wenn sich jemand anderes gefährlich verhalten habe.

Ein anderer Twitter-Nutzer, der laut Selbstauskunft Polizeibeamter in Kingston ist, stimmte dem zu: „Bevor die Nummernschilder entworfen und hergestellt wurden, hat sich da mal jemand mit der Polizei zusammengesetzt? Sie sind nachts überhaupt nicht zu entziffern.“

Die Regierung hat getestet, allerdings nicht mit den Augen

Auf Twitter verbreitete sich zudem ein kurzerhand in Eigeninitiative gestarteter Test des CTV-Netzwerks, ein Fernsehsender aus Toronto. Darin ist das neue Nummernschild zu sehen, wie es an einer Wand lehnt. Daneben steht das alte Modell. Beide werden mit einer starken Lichtquelle angestrahlt. Die Lichtquelle entfernt sich immer weiter und wechselt zudem den Winkel, von oben, nach unten, von links nach rechts. Eindeutig erkennbar: Das neue Nummernschild reflektiert so stark, dass kein einziger Buchstabe mehr zu lesen ist, wenn starkes Licht einfällt. Nicht so das alte Modell: Buchstaben und Zahlen lassen sich jederzeit entziffern.

Mittlerweile hat sich laut NPR auch die Regierung Ontarios in einer Mail geäußert. Darin steht, dass die Nummernschilder in Zusammenarbeit mit wichtigen Interessengruppen auf Lesbarkeit, Reflexion und Funktionalität hin geprüft worden und unter sämtlichen Bedingungen lesbar gewesen seien.

Allerdings nutzte die Regierung dazu technologische Lösungen: Sogenannte Kennzeichen-Lesegeräte, wie sie an Straßen stehen. Deshalb steht in der Mail auch, dass die Lesbarkeit mit bloßem, also menschlichem Auge, eingeschränkt sein könne.

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