Unter Wasser, im All oder völlig selbstgesteuert: Die Zukunftstrends der Hotelbranche

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Für den perfekten Urlaub versuchen manche Anbieter, neue Räume wie das Weltall oder die Unterwasserwelt zu erschließen, während andere die fortschreitende Digitalisierung dazu nutzen, den Gästen ein möglichst großes Mehr an Individualität zu bieten. Das sind die Hotels der Zukunft.

Urlaub im All

Geht es nach den Plänen der Gateway Foundation, werden die ersten Menschen schon in ein paar Jahren ihren Urlaub im All verbringen können. Ab 2025 soll die nach dem deutschen Raketeningenieur Wernher von Braun benannte “Von Braun Space Station“ rund 100 Urlauber pro Woche aufnehmen können.

Das Hotel soll auf einer ähnlichen Technologie basieren wie die Internationale Raumstation ISS, der gegenüber es allerdings einen entscheidenden Vorteil aufweisen soll, der den Aufenthalt für Touristen wesentlich angenehmer gestaltet: eine künstlich erzeugte Schwerkraft, durch die die Gäste ihren Urlaub im Hauptteil des Hotels nicht schwebend verbringen müssen, sondern normal laufen, essen und auch duschen können. In anderen Bereichen wird die Schwerkraft dagegen extra gering gehalten werden, um den Spaßfaktor bei Aktivitäten wie Trampolinspringen oder Basketballspielen zu erhöhen.

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Urlaub im All wird in naher Zukunft wohl kein Problem mehr sein (Symbolbild: Getty Images)

Die Anreise zum Hotel soll über Shuttles erfolgen. Gegenüber dem Designer-Magazin “Dezeen“ sagte der leitende Designerarchitekt Tim Alatorre, die Kosten für den Weltraumtourismus seien so hoch, dass er zumindest am Anfang nur den Superreichen zugänglich sei. Langfristig habe die Gateway Foundation aber das Ziel, die Raumfahrt “offen für jeden zu machen.“

Individuell und experimentell

Das Fraunhofer Institut forscht im Rahmen des Innovationsnetzwerks “FutureHotel“ zusammen mit Wirtschaftspartnern aus der Hotelbranche nach Zukunftstrends. Im Showcase “FutureHotel“ in Duisburg wie im “Urban Living Lab“ in Stuttgart testen die Forscher u. a. technisch vernetzte und personalisierbare Hotelzimmer, synergetische Kombinationen von Hotel und Coworking Spaces sowie Konzepte zur individuellen Hotelzimmerauswahl durch den Gast und zum automatisierten Check-in oder Check-out.

Zudem experimentieren die Wissenschaftler mit Licht und Formen, darunter eckenlosen Betten. Wie das Ganze in der Praxis aussehen kann, kann man schon jetzt im Hotel Schani in Wien sehen, das in Zusammenarbeit mit den Experten des Fraunhofer Instituts entstanden ist. Per App kann man im Voraus die Zimmer individuell aussuchen und buchen, die Lobby ist gleichzeitig ein Coworking-Space und mit dem “Schanibot“ gibt es sogar einen digitalen Helfer, der zum Beispiel über die Stadtgeschichte informiert.

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Unter Wasser wohnen

Schon heute gibt es vor allem auf den Malediven Hotels wie das “Conrad Maldives Rangali Island” oder das “Huvafen Fushi”, von denen sich Teile wie das Restaurant oder der Spa-Bereich unter Wasser befinden:

Das fünf-Sterne-Hotel “Poseidon Undersea Resorts” vor den Fidschi-Inseln soll aber das erste werden, das sich mitsamt seiner 24 Suiten und 48 Bungalows komplett unterhalb der Wasseroberfläche befindet.

Inklusive Restaurant, Bar, Bibliothek, Konferenzräumen, Hochzeitskapelle, Spa und einer Luxussuite mit 110 Quadratmetern in zwölf Metern Tiefe. Das Hotel sollte eigentlich schon vor Jahren eröffnet werden. Wann es tatsächlich für Urlauber bereit steht oder auch nur buchbar ist, ist derzeit nicht bekannt.

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Mit einer App alles selbst steuern

Das “KViHotel Budapest” bezeichnet sich als das erste “360-Grad-Smart-Hotel“ der Welt und bietet seinen Gästen eine App, mit der man den gesamten Aufenthalt buchstäblich selbst in der Hand hat. Per Smartphone kann man nicht nur selbständig ein- und auschecken, bezahlen oder den Zimmerservice bestellen, sondern erfährt zum Beispiel auch über eine Push-Nachricht, wenn das Zimmer geputzt wurde. Zimmerschlüssel- oder -karten sind obsolet, weil sich die Türen über die App öffnen lassen und auch die Temperatur in den Zimmern kann man schon von unterwegs aus individuell einstellen. Powerbänke in der Lobby sorgen dafür, dass man die Smartphones jederzeit wieder aufladen kann.

Beleuchtung je nach Stimmung

Anfang 2019 hat die Hotelkette NH Hotels in Berlin Mitte und Madrid “Mood Rooms“ eingeführt, in denen die Gäste die Beleuchtung ihrer eigenen Stimmung anpassen können. Insgesamt 19 Moods von “Rise&Shine“ bis zu “Sweet Dreams“ oder “Sexy Modus“ mit mehreren Unterkategorien sollen dafür sorgen, dass die Gäste sich bei allen denkbaren Aktivitäten möglichst wohl fühlen.

Das Licht wird über ein iPad gesteuert, mit dem sich auch die Musik, die Klimaanlage, die Heizung und die Vorhänge regulieren lassen. Wer es sportlich mag, kann sich über den Fernseher einen virtuellen Fitnesskurs von Cyberobics ordern und einfach auf dem Zimmer trainieren.

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