US-Regierung will Amokläufen via Smartphone-Überwachung zuvorkommen

Jennifer Caprarella
Freie Autorin

Seit Langem wird in den USA darüber diskutiert, wie man der Amokläufe und Massenschießereien Herr werden könnte. Anstatt die Waffengesetze zu verschärfen wird nun über eine andere Methode nachgedacht: psychisch kranke Menschen via Smartphone zu überwachen.

Im Weißen Haus geht derzeit ein stark umstrittener Vorschlag zur Vorbeugung von Amokläufen um (Bild: Getty Images)

Die Idee stammt von Bob Wright, einem engen Vertrauten von US-Präsident Donald Trump, der im Weißen Haus derzeit für eine neue Regierungesbehörde wirbt, die sich mit der Bekämpfung von Gesundheitsproblemen befassen soll. Obwohl diese Behörde noch nicht existiert, wurden Wright und dessen Berater nach den jüngsten Amokläufen in El Paso und Dayton nun von Ivanka Trump damit beauftragt, nach Wegen zu suchen, wie man Amokläufe zukünftig verhindern könnte.

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Das berichtet die “Washington Post”, die außerdem von einer Insider-Quelle erfuhr, welchen Plan Wrights Leute kurze Zeit später im Weißen Haus vorstellte: Man wolle untersuchen, ob sich moderne Technologie wie Smartphones und Smartwatches dafür verwenden ließen, um vorherzusagen, ob psychisch kranke Menschen kurz davor stehen, gewalttätig zu werden.

Lassen sich Verbrechen mit der technischen Überwachung psychisch Kranker verhindern? Experten bezweifeln das (Symbolbild: Getty Images)

Experten schütteln den Kopf

Safehome nennt sich das vorgeschlagene Programm, das seine Studie dem Entwurf zufolge nur unter der Mithilfe von Freiwilligen durchführen und “die Privatsphäre jedes Einzelnen schützen” würde. Dennoch ruft der Vorschlag Kritiker auf den Plan.

Nicht zuletzt deswegen, da Studien und Experten immer wieder daran erinnern, dass psychische Krankheiten selten der Auslöser für einen Amoklauf sind und psychisch Kranke häufiger Opfer von Gewaltverbrechen sind als Täter.

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“Ich würde es gerne sehen, wenn plötzlich eine moderne Technologie Risiken für Gewalttaten identifizieren könnte”, sagte Marisa Randazzo, ehemalige Psychologin beim US-Geheimdienst, der “Post”. “Aber an dieser Vorstellung, Gewalt vorhersagen zu können, ergibt so vieles keinen Sinn.”

Gerichtspychologe Stephen Hart wies die Zeitung darauf hin, dass bisherige Versuche, Gewalttaten mittels Technik oder Künstlicher Intelligenz vorherzusagen, zu einer statistischen Verzerrung geführt hätten. Außerdem, wie Hart betont, existierten in der Regierung bereits “weniger technologisierte Lösungen für diese Probleme, die aber einfach nicht genug Fördermittel erhalten”.

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