US-Soldat protestiert subtil gegen den Abzug aus Syrien

Ein US-Soldat trägt an der Uniform das Abzeichen der kurdischen Frauenverteidigungseinheiten YPJ, die von den USA ihrem Schicksal überlassen werden (Bild: Delil Souleiman/AFP)

US-Präsident Trump will seine Truppen heimholen (oder zumindest nach Saudi-Arabien verlegen) und zieht sie deshalb aus Nordsyrien ab - und ermöglicht damit der Türkei ihren nun bald zwei Wochen andauernden Angriffskrieg gegen seine früheren kurdischen Verbündeten. Dass zumindest einige der Soldaten selbst mit diesem Rückzug alles andere als glücklich sind, zeigt die kleine Geste eines abrückenden G.I.s.

Der Soldat war AFP-Reporter Delil Souleiman am Sonntag vor die Linse gekommen, als ein Konvoi gepanzerter US-Fahrzeuge auf dem Weg in den Nordirak die syrische Stadt Tell Tamr passierte. Dabei deutlich zu sehen: Der Mann trug am Ärmel das grüne Abzeichen der Frauenverteidigungseinheiten YPJ - ein klarer Verstoß gegen die Vorschriften und ein subtiler Protest gegen den Befehl des “Commander in Chief”.

Die rein weiblichen YPJ gehören wie die Volksverteidigungseinheiten YPG zu den Streitkräften der kurdischen Selbstverwaltung (Rojava) und sind ebenso Teil der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die die Hauptlast des Kampfes gegen den “Islamischen Staat” in Syrien getragen hatten.

Eine YPJ-Kämpferin während der Offensive gegen die verbliebenen IS-Gebiete im Herbst 2018 (Bild: Delil Souleiman/AFP)

Zur Unterstützung der SDF während der Offensive gegen das IS-”Kalifat” waren zeitweise bis zu 2000 US-Soldaten in Nordsyrien stationiert, die zugleich als inoffizielle Schutzmacht gegen den seit langem drohenden türkischen Einmarsch fungierten. Ein Arrangement, das am 6. Oktober mit Donald Trumps überraschender Ankündigung, 50 genau zu diesem Zweck an der syrisch-türkischen Grenze stationierte US-Soldaten abzuziehen, sein Ende fand. Wenige Tage später begann die Invasion der türkischen Armee und verbündeter syrischer Milizen, die bisher über 250 SDF-Kämpfer und 500 Zivilisten das Leben kostete und über 400.000 Menschen zur Flucht zwang. Angesichts der schnell eskalierenden Situation, in der US-Stellungen ins Kreuzfeuer zu geraten drohten, wurde wenig später beschlossen, die zuletzt etwa 1000 in Nordsyrien stationierten Soldaten komplett abzuziehen.

Zwar halten sich auch in den USA aktive Militärs mit der Kritik an politischen Entscheidungen zurück, dennoch wurde schon früh deutlich, dass nicht nur der Soldat mit dem YPJ-Abzeichen seine früheren Verbündeten nur ungern derart im Stich lässt. “Ich habe mich zum ersten Mal in meiner Laufbahn geschämt”, erzählte etwa ein anonymer Elitesoldat der Special Forces kurz nach Beginn des türkischen Angriffs einer “Fox News”-Reporterin.

“Das wird den Ruf Amerikas für Jahrzehnte beschmutzen”, sagte ein ebenfalls anonymer Offizier der “Washington Post”. Offener äußern Soldaten außer Dienst ihre Kritik: Seit Trumps Ankündigung könne er nicht mehr schlafen, berichtet etwa Syrien-Veteran und Reserveoffizier Alan Kennedy in einem Videokommentar für die “New York Times”. Der Rückzug sei “strategisch falsch, unmoralisch und letztlich unamerikanisch.”

Für die Menschen in Rojava sind derartige Solidaritätsbekundungen indes nur ein geringer Trost. So zeigen Videos, wie aufgebrachte Demonstranten bei Qamishli die abrückenden US-Fahrzeuge mit Steinen und Kartoffeln bewerfen: