Uterus didelphys: Eine Frau spricht über ihr Leben mit zwei Vaginas

Kimberly Truong

„Du bist kein Zirkusfreak. Du bist nur anders. Und du wirst lernen, damit klar zu kommen.“

Mit diesen Worten versucht Nicci anderen Frauen, die ihr Leid teilen, Mut zu machen. Die junge Frau wurde mit zwei Vaginas, zwei Gebärmüttern und zwei Gebärmutterhälsen geboren.

Jahrelang hat sie sich dafür geschämt, doch vor zwei Jahren entschloss sie sich dazu, offen über ihre Situation zu reden, um anderen Frauen in derselben Lage zu zeigen, dass sie nicht allein sind. Ihre Geschichte erzählte Nicci in der Dokumentationsreihe Living Differently von BBC3. Bis heute hat sie schon mehr als acht Millionen Menschen erreicht.

In dem siebenminütigen Video erklärt Nicci, dass sie erst mit 17 Jahren von ihren zwei Vaginas erfuhr.

„Ich wusste schon als Teenager, dass etwas nicht stimmt und dass ich mehr blutete, als ich sollte“, sagt sie in einer YouTube-Vorschau zum Dokumentarfilm. „Die Schmerzen waren unerträglich und wenn ich meine Tage hatte, konnte ich mich kaum bewegen. Als ich zum Arzt ging, sagte er mir dann, dass ich zwei Gebärmütter, zwei Vaginas und zwei Gebärmutterhälse habe.“

Die als Uterus didelphys oder “Doppelgebärmutter“ bekannte Erkrankung ist eine seltene Anomalie, bei der sich die Uteruskanäle nicht vollständig verbinden, wie sie eigentlich sollten. Stattdessen entwickelt sich jeder Eileiter eigenständig und bildet zwei Gebärmütter, die manchmal einen Gebärmutterhals haben oder, wie im Fall von Nicci, eine dünne Wand aus Gewebe bilden, die die Länge der Vagina entlang verläuft und sie in zwei Öffnungen teilt. Uterus didelphys ist sehr selten – laut der Weltgesundheitsorganisation kommt sie bei einer von 3.000 Frauen vor.

Bei Nicci verursachte sie extrem starke Regelblutungen: „Es gab Zeiten, in denen ich Windeln für Erwachsene tragen musste, weil Tampons und Binden einfach nicht ausreichten“, erklärt sie im Video.

Obwohl Personen mit einer doppelten Gebärmutter erfolgreich schwanger werden können, erhöht die Erkrankung das Risiko einer Fehl- oder Frühgeburt. Nicci erlitt leider drei Fehlgeburten durch die Krankheit. Um ihr Leben leichter zu gestalten, entschied sie sich für eine doppelte Hysterektomie. Das bedeutete allerdings, dass sie niemals schwanger werden kann. Da sich Nicci und ihr Mann aber Kinder wünschten, haben sie beschlossen, welche zu adoptieren.

„Die Krankheit hat mich stark belastet“, sagt sie und erinnert sich an Zeiten, in denen Männer, mit denen sie Sex hatte, damit prahlten, mit „einem Mädchen mit zwei Vaginas“ Sex gehabt zu haben. Trotzdem spricht sie offen darüber – in der Hoffnung, dass alle anderen, die eine doppelte Gebärmutter haben, wissen, dass sie nicht allein auf dieser Welt sind.

Leider ist in Deutschland die Dokumentation in voller Länge nicht verfügbar. Aber schon das kurze Video auf YouTube macht die Botschaft von Nicci sehr deutlich: „Es gibt so viele Frauen da draußen, die Anomalien haben und sich damit allein gelassen fühlen“, sagt sie. „Du bist nicht allein. Bleib stark!“

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