Vernünftige Ausrede: Polizist hat Verständnis für Raser

Der Polizist Robert Pounds (rechts) und Wilfried Jean-Louis, der soeben Vater geworden ist. Foto: Facebook / Collier County Sheriff's Office

Der stellvertretende Sheriff Robert Pounds hält ein Fahrzeug an, das viel schnell unterwegs ist. Als er zur Fahrertür kommt, gibt der Mann am Steuer seine Schuld sofort zu und erklärt, wieso er zu schnell gefahren ist.

Unzählige Male hat Robert Pounds in seinen knapp drei Jahrzehnten im Beruf Strafzettel wegen überhöhter Geschwindigkeit ausgestellt. Unzählige Male hat er damit in seinem Zuständigkeitsbereich in Collier County, im US-Bundesstaat Florida, für Sicherheit gesorgt. Auch am vergangenen Dienstagmorgen um halb fünf morgens, Pounds fuhr die Nachtschicht, verfolgte er wieder einmal einen Raser. Der fuhr mit 100 Kilometer pro Stunde über die Airport-Pulling Road, erlaubt sind da aber nur 70. Doch als der Wagen am Straßenrand hielt und Pounds die Fahrerseite erreichte, sah er sofort: Dieses Mal ist alles anders.

„Wir bekommen gerade ein Baby“

Aufgezeichnet hat den gesamten Einsatz die Dash-Cam von Pounds, jedes Polizeiauto in den Vereinigten Staaten von Amerika hat zur Sicherheit der Beamten eine fest eingebaut. Die Polizei von Collier County hat das Video auf Facebook veröffentlicht. Darin ist nicht viel zu sehen, nur das gestoppte Auto von hinten. Zu hören ist aber, wie Pounds mit dem Fahrer spricht. Sein Name ist Wilfried Jean-Louis, der sagt: „Officer, Sie haben alles Recht der Welt, mich anzuhalten. Und ich will auch nicht lügen, wir bekommen gerade ein Baby. Schauen Sie, meine Frau ist der Grund, wieso ich so schnell gefahren bin. Ich weiß nicht, was ich tun soll.“

Und tatsächlich, auf dem Beifahrersitz sitzt die 35-jährige hochschwangere Fabienne Gorges. Pounds, der selbst drei Kinder hat, geht zu seinem Einsatzfahrzeug zurück, gibt seine genaue Position durch, ruft den Krankenwagen zur Hilfe. Dann schnappt er sich Handschuhe und eine Decke und rennt zu Gorges. Der Kopf des Kindes ist bereits zu sehen. Mit der Hilfe von Pounds bringt Gorges nur Sekunden später ein gesundes Mädchen zur Welt.

Pounds untersucht das Baby, so gut er kann. Es atmet kräftig und stetig und schreit. Gemeinsam mit den Eltern wartet er dann auf medizinische Hilfe, die die Nabelschnur durchtrennt und die Eltern und das Neugeborene ins Krankenhaus fahren.

Polizist erinnert sich zum Glück an seine Grundausbildung

Schon am darauffolgenden Tag springen die Lokalnachrichten auf die Geschichte des Geburtshelfers in Uniform an. Ganz bescheiden sagt Pounds im Gespräch mit der „Naples Daily News“: „Ich lasse mich zum Glück nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Aber klar, das war schon ein wenig nervenaufreibend mit dem Baby. Zum Glück konnte ich mich gut an meine medizinische Notfall-Ausbildung erinnern und der Mutter und dem Baby helfen.“

Dass die Eltern die Verkehrsregeln gebrochen hatten, war dann auch nicht mehr schlimm. „Das war eine recht vernünftige Ausrede. Man glaubt gar nicht, was mir Menschen sonst so alles erzählen, aus welchen Gründen sie zu schnell gefahren sind.“

Dem Baby geht es, trotz seiner Geburtsumstände, gut. Der Vater Wilfried Jean-Louis sagt voller Dankbarkeit für Pounds Einsatz im Gespräch mit „The Today“: „Er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und tat das, was ich nicht konnte.“ Sein Töchterchen hört nun übrigens auf den “Leila Robert Jean-Louis”.