Verrücktes Deutsch: Diese Wörter stehen tatsächlich im Duden

Die Hälfte des geschrieben Texts im Duden, dem sogenannten Dudenkorpus, besteht aus nur 100 verschiedenen Wörtern. In der anderen Hälfte aber finden sich wirklich ungewöhnliche Sprachperlen. Ein kleiner Streifzug.

Der Duden ist das wichtigste Grundlagenwerk der deutschen Sprache. Wer sucht, findet darin auch Sprachperlen, die viel zu wenig genutzt werden. (Symbolbild: gettyimages / PeJo29)

Den Anfang dieser kleinen Sprachreise macht das Wörtchen Futschikato. Als Erklärung liefert der Duden aber einfach nur: „futsch.“ Hat den gelben Sprach-Engeln niemand erklärt, dass man ein Wort nicht mit sich selbst erklären soll? Naja, immerhin liefert der Duden auch passende Synonyme, in diesem Fall die folgenden: „dahin, erloschen, ex, fort, futsch, unbrauchbar, verloren, vermisst, verschollen, verschwunden.“ Futschikato, das ein wenig wie wortgewordenes Niesen klingt, bedeutet also „salopp scherzhaft“, dass etwas vollständig verschwunden ist oder verloren wurde.

Gendersternchen: Tatsächlich findet sich nicht das Wort Gendersternchen selbst im Duden, sondern Asterisk. Das bedeutet: „Sternchen als Hinweis auf eine Fußnote bzw. als Kennzeichnung von erschlossenen, nicht belegten Wortformen.“

Dennoch wurde Gendersternchen von den Duden-Sprachhütern als „Anglizismus des Jahres 2018“ ausgezeichnet. Das Schriftzeichen wird benutzt, um geschlechtergerechte Sprache in Schriftform darzustellen. Weil das Thema zentral ist für den Duden, hat es dem Gendersternchen zwar keinen eigenen Eintrag ins Buch, dafür gleich eine 64-seitige Broschüre gewidmet. Darin heißt es: „Die Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache ist zu einer hochemotionalen Auseinandersetzung geworden. Einige wollen überhaupt nicht ‚gendern‘, andere streiten erbittert um das Wie. Aktivismus in der Sprache, geht das überhaupt?“

Manche Worte fliegen auch wieder raus

Wahlpflichtfach: „Zusätzliches Pflichtfach, das aus einer Gruppe von alternativen Fächern ausgewählt werden kann.“ Ein Klassiker der deutschen Sprache, zeigt es doch, dass sich Gegensätze nicht ausschließen – nicht mal innerhalb eines Wortes. Weitere Beispiele: Holzeisenbahn, Doppelhaushälfte, Gefrierbrand.

Hüftgold: „Hüftspeck“. Der Gebrauch wird als „umgangssprachlich scherzhaft“ angegeben. Man sollte vermutlich auch dazusagen, dass das Wort gerade Teil eines Scherzes ist. Oder aber: die deutsche Sprache für eine so schöne Schöpfung loben. Nie klang das Wörtchen Hüftspeck schöner.

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Frauenhaftigkeit: Nein, das Wort steht tatsächlich nicht mehr im Duden. Und zwar in Ostdeutschland bereits seit 1951 nicht mehr, aus dem West-Duden (ja, es gab zwei verschiedene Ausgaben), verschwand die frauenfeindliche Zuschreibung im Jahr 1973. Frauenhaftigkeit ist damit Teil einer langen Liste an Wörtern, die einmal im Duden standen, mittlerweile aber nicht mehr. Denn, so wie jedes Jahr neue Wörter hinzukommen und eine Zeit und eine Sprache charakterisieren, werden überholte Wörter auch wieder getilgt. Und, das ist auch noch wichtig, die bloße Erwähnung im Duden ist nicht gleichzusetzen mit der Empfehlung, ein Wort auch in den Mund zu nehmen.

Erst hamstern, dann verkasematuckeln

Gutmensch: „Jemand, der sich (in einer als unkritisch oder übertrieben empfundenen Weise) empathisch und tolerant verhält, sich für Political Correctness einsetzt.“ Das Unwort des Jahres 2015 taucht hier auf, weil es beispielhaft zeigt, wie „verrückt“ der gesellschaftliche Diskurs durch die Schaffung neuer Worte oder Zusammenhänge verschoben werden kann. Gutmensch ist dabei Teil einer Reihe von Begriffen, die in jüngerer Vergangenheit politisch vor allem von Rechtsaußen instrumentalisiert wurde. Dazu gehören die folgenden weiteren Unworte: Sozialtourismus (2013), Lügenpresse (2014), Volksverräter (2016), Alternative Fakten (2017), Anti-Abschiebe-Industrie (2018) und Klimahysterie (2019).

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Verkasematuckeln: „In kurzer Zeit und größerer Menge verkonsumieren“. Das Wort hat es in die Liste geschafft, weil es so gut in die Zeit passt. Fragen Sie doch auch mal: „Hast du schon das ganze Toilettenpapier verkasematuckelt? Und die Nudeln auch schon verkasematuckelt?“

Krähwinkel: „spießiges Verhalten.“ Dazu finden sich im Online-Duden folgende Hinweise in Form von Synonymen: „Kleinstadt; Provinzstadt, Städtchen, Kaff, Nest.“ Die Wortherkunft zeigt außerdem einen Dichter-und-Denker-Ursprung: „Nach dem Ort Krähwinkel in dem Lustspiel ‚Die deutschen Kleinstädter‘ des deutschen Dramatikers August von Kotzebue.“ Die Geschichte handelt von einem Mann, der die Tochter des Bürgermeisters von Krähwinkel für sich gewinnen will. Dazu muss er allerdings Widerstand überwinden in Form der spießigen Regeln der Kleinstadt, die dem Mann, er stammt aus einer Großstadt, nicht geläufig sind.

Die meisten zusammenhängenden Konsonanten besitzt eine Mahlzeit

Ramschniveau: „Als sehr gering eingestufte Bonität eines Staates, eines Kreditinstituts; geringe Vertrauenswürdigkeit eines Wertpapiers.“ Das Wort kommt umgangssprachlich daher, ist tatsächlich aber fester Bestandteil eines jeden Anleger-Small-Talks. Etwa so: „Damit ist die Bank nicht mehr weit vom Ramschbereich entfernt.“ Oder: „Die US-Ratingagentur Moody‘s hat die deutsche Vorzeige-Airline jetzt in den sogenannten Ramsch-Bereich abgestuft“.

Muckefuck: „Dünner, schlechter Kaffee“ oder „Kaffee-Ersatz“. Das Wort entstammt überraschenderweise nicht dem Englischen „fuck!“, das weiß der belgische Germanist Siegfried Theissen, oder dem Französischen „mocca faux“ (dann eher „faux mocca“) – nein, Muckefuck ist zusammengesetzt aus den rheinischen Wörtern Mucken (für „braune Erde“) und fuck („faul, verwest“).

Als das einfachste Wort mit den meisten aufeinanderfolgenden Konsonanten (acht) weist der Dudenkorpus ein Gericht aus: Borschtsch. Die traditionelle osteuropäische Rote-Beete-Suppe ist zudem das einzige Wort in dieser Kategorie, das nicht zusammengesetzt ist. Andere achtkonsonantige Worte sind beispielsweise: Deutschschweiz, Angstschweiß oder Weihnachtsschmuck.

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Richtig lange deutsche Wörter sind nicht im Duden

Wolkenkuckucksheim: „Fantasiewelt von völliger Realitätsferne, in die sich jemand eingesponnen hat.“ Manchmal, da ist auch die deutsche, ansonsten sehr bürokratischordentlichundlogische Sprache, doch sehr poetisch. Denn wer möchte nicht ab und an in einem Wolkenkuckucksheim Urlaub machen? Vielleicht hat dazu bislang nur das richtige Wort gefehlt, um diesem Wunsch Ausdruck zu verleihen!

Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung: Das „Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom mit Hyperaktivität“ ist das längste Wort (44 Buchstaben ohne Bindestrich) im Duden. Wer hingegen richtige Bandwurm-Wörter sucht, der findet sie meist in Gesetzestexten. Wie das berühmte „Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz“ (mit dem großartigen Kürzel RkReÜAÜG) oder die „Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung“. Leider wurden beide schon wieder abgeschafft.

Sprache kann auch dazu dienen, die Wahrheit zu verschleiern - doch können eigentlich auch Tiere lügen?