Vertrauter von Elon Musk verpasst das weltgrößte Lithium-Projekt – wegen 10 Minuten!

Lithium Orocobre
Lithium Orocobre

Alle Welt wartet darauf, dass Bolivien endlich Lithium liefert. Dort lagern die weltweit größten Vorkommen des Batterie-Materials, dessen Preis zuletzt explodiert ist. Ein guter Bekannter von Elon Musk wollte die schnelle Lösung bieten. Doch jetzt ist er auf kuriose Weise aus dem Rennen geflogen.

Die Vorgeschichte

2018 sah es so aus, als ob Deutschland richtig groß ins Geschäft mit dem Lithium-Abbau kommt. Das Joint Venture mit dem staatlichen bolivianischen Lithiumunternehmen wurde feierlich unterschrieben, begleitet auf höchster politischer Ebene.

Für die Errichtung der Lithiumcarbonat-Industrieanlagen beauftragte Bolivien zwar chinesische Unternehmen. Dennoch war die deutsche Seite zuversichtlich, über ihr Teilprojekt größere Mengen an Lithiumhydroxid nach Deutschland exportieren zu können. Dazu sollte es jedoch nicht kommen.

Ein Jahr später wurde im Zuge von politischen Unruhen – wahrscheinlich von ausländischen Interessen finanziert – eine gewaltige Kampagne gegen das deutsch-bolivianische Vorhaben organisiert. Seither ist Deutschland wieder raus.

Gleichzeitig warfen diese Vorgänge Bolivien um mindestens zwei Jahre zurück in seinem Bestreben, seine riesigen Lithium-Vorkommen zu kommerzialisieren und zu industrialisieren. Noch im Jahr 2020 twitterte Elon Musk amüsiert über die revolutionären Vorgänge. Dass die großen Konkurrenten aus Deutschland keinen zuverlässigen Zugriff auf die begehrte Ressource bekommen haben, dürfte ihm gefallen haben.

Aber heute sind die Lithiumpreise dermaßen hoch, dass der gesamte Trend hin zur Elektromobilität ihren Schwung verlieren könnte. Batteriesysteme gehören zu den teuersten Komponenten eines Elektroautos. Viele potenzielle Kunden warten so vergeblich auf bezahlbarere Modelle.

Die Situation erscheint kritisch und könnte auch Tesla (WKN: A1CX3T) erheblich schaden. Kürzlich startete Elon Musk einen großen Aufruf an die Akteure des Rohstoffsektors, endlich aktiver zu werden, um die Fördermengen von Lithium schneller hochzufahren.

Ein Vertrauter von Elon Musk möchte den Lithium-Code knacken …

Es gibt da jemand, der sein Anliegen mit Elan unterstützt: Teague Egan, der CEO von EnergyX, war ein früher Investor von Tesla und wird als „nächster Elon Musk“ vermarktet. Er machte mit diesem Investment ein stattliches Vermögen und wurde Wagniskapitalgeber.

Nach einer Analyse des Lithium-Marktes und des künftigen Lithium-Bedarfs kam er zum Schluss, dass es eine riesige Angebotslücke geben würde. Dann schaute er sich nach neuartiger Technologie um und wurde bei Forschern der University of Texas Austin und der Monash University in Melbourne fündig.

Dabei geht es darum, über spezielle Membrane die Lithium-Ionen direkt abzuscheiden, anstatt das lithiumhaltige Salzwasser über viele Monate hinweg in großen Becken verdunsten zu lassen. Auf Basis dieser patentierten Technologie gründete Egan das Unternehmen EnergyX, dessen primäres Ziel es ist, Erträge über die Lizenzierung zu erwirtschaften.

Dass der Name vom Schema her an SpaceX erinnert, ist vermutlich kein Zufall: Mit Helios Capital aus New York gibt es einen Technologie-Investor, der bei beiden investiert ist. Elon Musk und Teague Egan kennen sich gut und für Tesla wäre es ein Segen, wenn EnergyX Erfolg hätte und im Hauruckverfahren für mehr Lithium-Lieferungen sorgen könnte.

… aber nicht in Bolivien

EnergyX hat bereits verschiedene Pilotprojekte in Betrieb, darunter mit Orocobre (WKN: A0M61S) in Argentinien. Auch in Bolivien baute man eine Anlage auf, um die Leistungsfähigkeit zu demonstrieren und sich im mehrstufigen Ausschreibungsprozess einen Vorsprung gegenüber den Konkurrenten zu verschaffen.

Die Chancen, zum Zuge zu kommen, standen wohl nicht so schlecht. Der ursprüngliche Aufruf erfolgte im April 2021. Ihm folgten zwanzig Anbieter aus aller Welt. Die Voraussetzungen erfüllten jedoch nur acht davon, darunter EnergyX. Nach einer einjährigen Pilotphase, in der diese ihre Technologie demonstrieren konnten, mussten bis zum 15. Juni weitere Unterlagen eingereicht werden.

EnergyX schickte diese erst kurz nach Mitternacht, als am 16. Juni – und wurde prompt amtlich disqualifiziert.

Im Rennen bleiben vier chinesische Unternehmen, darunter Xinjiang TBEA Group, die bereits 2018 berücksichtigt wurde. Auch Uranium One, eine Tochtergesellschaft des russischen Staatskonzerns Rosatom, darf sich Chancen ausrechnen. Aus den USA ist die Kalifornische Lilac Solutions noch dabei, die ähnlich wie EnergyX auf Ionenaustausch statt Verdunstung setzt.

Unter den Investoren von Lilac befindet sich ein Wagniskapitalarm von BMW (WKN: 519000). Aber auch Elon Musk dürfte die Daumen drücken, dass die Kalifornier den Zuschlag bekommen.

Der Artikel Vertrauter von Elon Musk verpasst das weltgrößte Lithium-Projekt – wegen 10 Minuten! ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

Motley Fool Deutschland 2022

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