Victoria's Secret Show abgesagt: So reagieren Kritiker und Models

Antonie Hänel
Freie Autorin

Keine halbnackten Engel in diamantenbesetzten Büstenhaltern dieses Jahr - Victoria’s Secret hat seine Show abgesagt. Im Netz wirft die Absage des jährlichen Modespektakels der Unterwäschefirma Fragen auf.

Wenn es nach Victoria's Secret geht, haben Frauen so auszusehen. Das sieht die Gesellschaft mittlerweile etwas anders. (Bild: Jeff Neira via Getty Images)

Die Zeit der Engel ist vorbei: Victoria’s Secret hat sich den Kritikern und dem Zeitgeist gebeugt und seine jährliches Schaulaufen zum ersten Mal abgesagt. Stattdessen wolle man nun an seiner Botschaft feilen, heißt es.

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Plus-Size-Model Robyn Lawley, die mit ihrer Petition einen Beitrag zum Fall der Engel geleistet haben dürfte, freute sich auf Instagram über die Absage.

“Es scheint, als hätten sie zu wenig Vielfalt auf ihrem Runway gezeigt”, schreibt sie zu einem Bild, das hauptsächlich weiße, spindeldürre Models zeigt.

“The Cut”, ein Onlinemagazin des New York Magazine, postete die Nachricht unter der Überschrift: “Gott sei Dank. Jetzt ist es vorbei.” In der “Huffington Post” heißt es in einem Meinungsbeitrag: “Es hat nichts Empowerndes, Models zu sehen die verhungern, um einen Laufsteg in Unterwäsche hinunterlaufen zu dürfen.”

Das sagen die Twitter-User

Auch auf Twitter freuen sich viele über die Einsicht des Labels, ihre Marketingstrategie zu ändern.

“Victoria’s Secret Fashion Show ist offiziell abgesagt worden. Das Ende einer Ära. Die Show ist überholt. Niemand interessiert sich mehr für die perfekte Größe 34. Sie wollen Echtes!”

Eine andere Nutzerin schreibt, dass das Publikum heutzutage lieber Shows sehen möchte, die von Frauen gemacht wurden.

“Nicht von ein paar Männern, die uns zeigen, wovon sie fantasieren.”

Andere sehen die Problematik nicht, so heißt es in einem Tweet:

“Nur weil heutzutage einige so sensibel sind, wird die Victoria’s Secret Show abgesagt. Das nervt.”

Was hat Rihanna damit zu tun?

Immer wieder wird auch gemutmaßt, dass die Fashion-Show von Rihannas Wäschelabel “Savage X Fenty” zum endgültigen Untergang der Engel beigetragen haben könnte. Rihanna fuhr darin genau die gegenteilige Strategie und ließ Models mit unterschiedlichsten Hautfarben, Geschlechtern, Körperformen und kulturellen Hintergründen über den Laufsteg stolzieren. Die Show war ein Riesenerfolg.

Auch Bella Hadid ist erst durch Rihanna klar geworden wie “stark” sie sich auf dem Laufsteg fühlen kann, wie sie auf einer “Vogue”-Veranstaltung in Paris sagte: "Rihanna ist einfach unglaublich. Auf ihrem Laufsteg habe ich mich das erste Mal richtig sexy gefühlt.”

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Das sagen die Models

Kate Upton, die selbst für Victoria’s Secret-Wäsche gemodelt hatte, sagte bereits im August dazu: “Wir sind es leid immer dieselbe Körperform zu sehen. Jede Frau muss repräsentiert werden. Ansonsten ist es zum Gähnen.”

Das Model Karlie Kloss hatte die Zusammenarbeit mit Victoria’s Secret aus feministischen Gründen sogar beendet: “Ich hatte nicht das Gefühl, dass es ein Bild war, das wirklich widerspiegelt, wer ich bin und ich wollte jungen Frauen auf der Welt nicht diese Message über Schönheit vermitteln”, sagte sie im Juli der “Vogue”.

Ist es nun also die Einsicht über ein diverseres Schönheitsideal, die Victoria’s Secret zur Absage getrieben hat? So ganz klar ist das nicht, wie ein Twitter-User feststellt:

“Im Grunde hat Victoria’s Secret gesagt, dass sie lieber sterben würden als einen fülligen Körper auf ihrem Laufsteg zu sehen.”

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