Bei immer mehr Menschen werden psychische Krankheiten diagnostiziert – das bedeutet es

Katharina Ehmann
Immer mehr Menschen werden mit psychischen Krankheiten diagnostiziert (Symbolbild).

Manchmal keinen Appetit, dauernd müde und immer wieder gereizt. Ist das jetzt einfach ein schlechter Monat, der stressige neue Job, irgendein Vitamin-Mangel – oder ist das schon ein Hinweis auf etwas Ernstes?

Vielleicht kennst du solche Sorgen von dir selbst. Denn genau, wie wir bei Kopfschmerzen oder Husten nach Ursachen und Zusammenhängen suchen, versuchen wir auch zu begreifen, was hinter Veränderungen in unserer Gefühlswelt steckt.

Wer dafür lange genug im Internet recherchiert, stößt auf die unterschiedlichsten Diagnosekriterien für psychische Erkrankungen – und findet manche Sorgen bestätigt. So scheint es fast, als sei mittlerweile jeder auf irgendeine Art psychisch krank.

Kann das sein? Und wenn ja: Was ist dann überhaupt noch “normal”?

Depression statt Trauer?

Tatsächlich werden seit einigen Jahren bei immer mehr Menschen psychische Krankheiten diagnostiziert. 

Spätestens seit dem Jahr 2013, als der Diagnostische und statistische Leitfaden psychischer Störungen (DSM-5) zuletzt geändert wurde, mehrte sich auch die Kritik an der wachsenden Zahl der Diagnosen und an den immer breiter werdenden Kriterien für psychische Krankheiten.

Mehr zum Thema: Bist du gegen psychische Krankheiten gewappnet?

Ein gutes Beispiel sind die veränderten Kriterien für eine depressive Episode, die einen gravierenden Unterschied machen:

► Früher: Eine Person, die bis zu zwei Monate vor Beginn der Symptome eine nahestehende Person verloren hat, galt als trauernd.

► Heute: Ein zeitnaher Trauerfall gilt im DSM-5 nicht mehr als Ausschlusskriterium für Depression.

Dabei leuchtet es den meisten Menschen intuitiv ein, dass das “Trauerjahr” eine völlig gesunde Reaktion ist.

Hinzu kommen neue, eher fremd klingende Diagnosen – von der Körperdysmorphen Störung bis zur Binge-Essstörung. Das kann von außen den Eindruck erwecken, dass immer mehr Verhaltensweisen, Gefühle und Gedanken als “krank” gelten.

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