Virale Verbrecherinnen: Erfolgreicher Twitter-Kanal postet Polizeifotos von Frauen

Johannes Giesler
Freier Autor

Mittlerweile hat der Twitter-Kanal “mugshawtys” knapp 200.000 Fans gesammelt, doch die Reaktionen auf die Fotos der angeklagten Verbrecherinnen sind nicht immer positiv.

Erst die Verhaftung, dann das Verbrecherfoto - der sogenannte "mugshot". Mit solchen Bilder bestückt geht gerade ein Twitter-Kanal viral. Foto: Symbolbild / gettyimages / Bogdan Vija / EyeEm

Ein Twitter-Kanal veröffentlicht Fotos von Frauen, die in den Vereinigten Staaten von Amerika eines Verbrechens angeklagt sind. Das Besondere: Er nimmt dafür nicht einfach Schnappschüsse, sondern die Verbrecherfotos der Frauen. Aufgenommen von der Polizei – die sogenannten “mugshots”. Daran angelehnt heißt auch der Twitter-Kanal, der mittlerweile knapp 200.000 Fans hat, “mugshawtys”. Die Fotos sind nicht mit Namen überschrieben, sondern mit den Anklagen: Marihuana-Besitz. Versuchter Mord. Gewaltloser Widerstand gegen die Polizei. Diebstahl und Drogenbesitz.

Frauen senden die Fotos angeblich freiwillig

Wie der Betreiber der Seite, der 24-jährige Josh Jeffery in einem Interview mit der New York Post erzählt, gibt es in den USA für diese Verbrecherfotos eine öffentlich zugängliche Datenbank. Dennoch dürfte die Veröffentlichung der Fotos, ohne das Einverständnis der Frauen, Persönlichkeitsrechte verletzen. Dazu kommt, dass es eine wohl eher zweifelhafte Ehre ist, als Verbrecherin so in der Öffentlichkeit zu stehen. Der Elektriker Jeffery aber sagt, dass er die meisten Fotos zugesendet bekomme – stets mit der Bitte um Veröffentlichung. Ob das stimmt, lässt sich jedoch nicht nachprüfen.

Jeffery, der den Kanal schon seit 2016 betreibt, sagt dazu: “Ich erhalte zwischen 15 und 20 Verbrecherfotos täglich. Viele meiner Fotos sind Einsendungen.” Die Frauen würden sich davon oft Aufmerksamkeit für ihre eigenen Social-Media-Auftritte erhoffen. Sie fragten daher häufig, ob sie ihre Twitter-Kanäle bewerben dürften oder ein Spendenkonto nennen – manchmal, um damit Geld für ihre Kaution einzusammeln.

Es gibt auch einen Webshop mit Fanartikeln

Jeffery selbst möchte nach eigenen Angaben finanziell nicht von “mugshawtys” profitieren. Er verurteilt auch Webseiten, die es zu einem Geschäftsmodell gemacht haben, mugshots erst dann offline zu nehmen, wenn die gezeigten Personen dafür Geld bezahlen. Er nennt das “verrückt” und “völlig abgefuckt”.

Gleichzeitig findet sich auf seinem Twitter-Kanal und der zugehörigen Instagram-Seite aber auch ein Link zu seinem “mugshawtys-shop”. Dort sind T-Shirts, Kapuzenpullis oder Hoodies erhältlich, zu Preisen von je 25 bis 45 Dollar.

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Jeffery betont, dass er sofort Fotos von seiner Seite nimmt, wenn er eine entsprechende Bitte oder Forderung erhält: “Das mache ich sofort, ohne Fragen zu stellen.” Häufiger erhalte er aber das Gegenteil: Anfragen nach einer Namensnennung durch die Frauen. Oder Männer fragten ihn nach den Social-Media-Kanälen der Verbrecherinnen. “Die gebe ich aber nicht heraus, solange das die Frauen nicht wollen.”

Twitter und Instagram: insgesamt 210.000 Fans

Der Kalifornier Jeffery erhält nicht nur Applaus, sondern auch erboste Reaktion für seinen Twitter-Kanal. Meist mit den Vorwürfen, er würde das Begaffen von Frauen fördern und gleichzeitig schwere Straftaten verharmlosen, wie das Fahren unter Alkoholeinfluss oder Körperverletzung. “Das werfen mir regelmäßig Menschen vor. Und ich kann das auch irgendwie nachvollziehen”, sagt der 24-Jährige. Falls die Seite, noch ist sie es laut Jeffery nicht, eines Tages Geld abwirft, will er das deshalb nicht selbst behalten. Sondern an Wohltätigkeitsorganisationen spenden, die sich für Menschen einsetzen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind.

Durch das Sammeln der Verbrecherfotos hat Jeffery, wie er selbst sagt, einiges gelernt. Einerseits über die US-Strafverfolgung: “Unser Justizsystem ist ein Witz.” Häufig würden Frauen wegen Beleidigungen angeklagt, oft in Kombination mit Marihuana-Missbrauch – beides komme ihm nicht wie schlimme Straftaten vor.

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Jefferys hat auch einen privaten Instagram-Account

Andererseits über Geschlechterforschung: “Ich habe das Gefühl, dass Frauen für ihre Verbrechen anders gesehen werden als Männer.” Er bekomme zwar regelmäßige Anfragen für einen Kanal, der mit männlichen Verbrecherfotos bestückt sein solle. Doch Jeffery ist sich sicher, die Herausforderung wäre um einiges größer. Und die Fans würden vermutlich auch nicht so einfach die Anklagen vergessen, nur weil der Gezeigte gut aussehe.

Dafür gibt es jedoch ein weltberühmtes Gegenbeispiel: Jeremy Meeks. Dessen “mugshot”, damals von der Polizei auf Facebook veröffentlicht, ging viral. Und sorgte dafür, dass Meeks nach seiner Verhaftung und Verurteilung für Waffenbesitz und schweren Diebstahl eine Karriere als Model starten konnte.