Viren-Brutstätte Tirol? Jetzt äußern sich die Gesundheitsbehörden

Das österreichische Bundesland Tirol wurde für seine Krisen-Politik im Umgang mit dem Coronavirus scharf kritisiert. Jetzt melden sich die dortigen Gesundheitsbehörden und weisen die Vorwürfe zurück.

St. Anton ist, wie viele Orte in Tirol, strenges Coronavirus-Sperrgebiet. (Bild: Getty Images)

Eigentlich würden sich Mitte März in Ischgl Tausende Ski-Touristen und Feierwütige tummeln. Doch der 1600-Einwohner-Ort ist leergefegt – denn er steht unter strenger Quarantäne. So wie das gesamt Paznauntal im beliebten Urlaubsort Tirol. Tausende sitzen dort fest, das Robert-Koch-Institut erklärte ganz Tirol zum Risikogebiet für das neuartige Coronavirus.

Menschen in Quarantäne: Diese Bilder und Botschaften machen Mut

Was war in Tirol vorgefallen?

Anfang März häuften sich die Meldungen über diverse Fälle von Ski-Touristen, die sich nach einem Urlaub in Tirol und speziell im Ort Ischgl mit dem Coronavirus infiziert hatten. Island erklärte das Dorf daraufhin zur Risikozone und auch in Norwegen und Norddeutschland gab es verdächtige Meldungen über infizierte Urlauber aus Ischgl und Tirol. In Österreich wurde beschwichtigt, der Betrieb lief weiter. 

Dann wurde bekannt, dass sich ein 36-jähriger Barkeeper der Après-Ski-Bar “Kitzloch“ in Ischgl mit dem Coronavirus infiziert und wahrscheinlich zahlreiche Besucher angesteckt hatte. Dem Land Tirol und der Tourismus-Branche im Skigebiet wurden vorgeworfen, sie hätten die Signale viel zu lange ignoriert und den Betrieb aufgrund des Profits weiterlaufen lassen.

In der Bar "Kitzloch" steckte ein mit dem Coronavirus infizierter Barkeeper wahrscheinlich viele Besucher an. (Bild: Getty Images)

So äußern sich die Gesundheitsbehörden

Die scharfe Kritik der Medien weisen die Tiroler Gesundheitsbehörden nun massiv zurück. Man hätte alle Maßnahmen umgesetzt und überhaupt sei es nur dem besonnenen Handeln vor Ort zu verdanken, dass der Barkeeper als Infektionsquelle identifiziert worden sei.

#Nachbarschaftsliebe: So sieht Solidarität in Zeiten des Coronavirus aus

Der Tiroler Landesrat Bernhard Tilg äußerte sich zu den Vorwürfen in einer Stellungnahme. Darin heißt es, dass zeitnah nach Bekanntwerden der isländischen Fälle die Namen und Unterkünfte ermittelt wurden und sofort alle Mitarbeiter der betreffenden Hotels getestet worden seien. Das war am 6. März. Am 9. März sei dann die Bar und wenig später auch alle anderen Après-Ski-Bars im Ort geschlossen worden. Am 13. März wurde dann Ischgl und das gesamte Paznauntal zur Sperrzone erklärt. "Damit konnte verhindert werden, dass im Zuge des Urlauberschichtwechsels 150.000 neue Gäste nach Tirol reisen", so die Behörden.

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter ergänzte im Fernsehsender ORF: "Wir waren in Tirol die ersten, die schon Hotels geschlossen haben. Wir waren die ersten, die Bars geschlossen haben. Wir waren die ersten, die Maßnahmen unternommen haben, dass Sankt Anton am Arlberg und Paznaun gesperrt wurde.” Man habe als erster die Wintersaison beendet und einschränkende Maßnahmen für die Tirolerinnen und Tiroler beschlossen. "Und ich bin der Meinung, dass wir immer einen Schritt weiter waren."

Auch in Österreich häufen sich die Erkrankungen mit dem neuartigen Coronavirus. Dort sind inzwischen drei Menschen gestorben und es gibt mehr als 1000 bestätigte Fälle.

VIDEO: Weltweite Reisewarnungen wegen Coronavirus