Vom Dog-Walker zur Millionärin – mit drei Arbeitstagen pro Woche

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Kristin Morrison machte sich Mitte der 1990er als Dog-Walkerin selbstständig. 20 Jahre später verkaufte sie ihr Unternehmen mit 30 Mitarbeitern und Millionenumsätzen. Das ist ihr Erfolgsrezept.

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Eine wirkliche Vorstellung von ihrer Karriere hatte Kristin Morrison mit Mitte Zwanzig noch nicht. Sie ging gern spazieren, mochte Hunde und ließ sich deshalb, eher als Zwischenlösung geplant, bei einem Hundegeschäft als Dog-Walkerin anstellen. Drei Monate später war Morrison wieder ohne feste Anstellung, dafür aber Chefin von “Woof!“ – ihrem eigenen Dog-Walking-Unternehmen.

“Ich dachte, können Leute dafür bezahlt werden?“ gab Morrison im Gespräch mit dem Portal “Marketwach“ ihre anfänglichen Gedanken übers Dog-Walking preis. Doch schnell habe sie begriffen, dass diese Tätigkeit ihre Berufung zu sein schien – auch wenn sie viel, viel Arbeit bedeutete: Zu Beginn des neuen Jahrtausends, das Unternehmen war bereits einige Jahre alt, war Kristin bis zu sieben Tage die Woche für ihre Firma unterwegs, zwischen 12 und 14 Stunden am Tag. Sie sittete Hunde, kümmerte sich ums Marketing, die Buchhaltung und ihre Mitarbeiter, deren Zahl Jahr für Jahr anstieg. Natürlich verdiente sie gutes Geld – mit rund 100.000 US-Dollar weit mehr als der Durchschnitt im kalifornischen Marin County. Doch Morrison war zwar Chefin, aber auch Mädchen für alles – keine gute Basis, wenn man ein Business mit kreativen Ideen weiter entwickeln will.

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Wer Chef sein will, kann nicht Mädchen für alles sein

Und so kam der Wendepunkt, der Morrison aus heutiger Sicht zur Millionärin gemacht hat: “Ich bin eines Tages aufgewacht und habe festgestellt, dass ich kein Leben habe", erinnerte sich die heute 50-Jährige im Gespräch mit Marketwatch. Die Konsequenz: Kristin reduzierte ihre Arbeitszeit drastisch und damit auch ihre Beteiligung am Tagesgeschäft. An nunmehr drei statt sieben Tagen fokussierte sie sich aufs “große Ganze“ und beschäftigte sich mehr mit Kunden, Mitarbeiterrekrutierung und den Herzstücken ihres Unternehmens, während ein Mitarbeiter zur Leitung des Tagesgeschäfts befördert wurde: “Ich dachte: ‚Mein Geschäft wächst, ich muss auch wachsen. Ich muss der Kapitän des Schiffes an Deck sein, anstatt im Bauch des Schiffes zu sein.“

Der Kapitän muss an Deck sein, nicht im Bauch des Schiffes

Das Resultat konnte sich bald sehen lassen: Mit vier Tagen weniger Arbeit pro Woche erwirtschafte Morrison den doppelten Umsatz im Vergleich zum Vorjahr. Ihre Erklärung dafür scheint simpel: Die neu gewonnene Freiheit in Kombination mit frischer Energie führte zu einem besseren Verständnis des Geschäfts – und zu durchdachteren Entscheidungen. Die Chefin des erfolgreichen Unternehmens besuchte Business-Kurse bei der örtlichen Volkshochschule, um ihr eigenes Unternehmens besser führen und expandieren zu können. “Anfangs war ich kein sehr guter Chef. Ich habe den Leuten gesagt, was sie tun sollen. Ich dachte eher: ‚Sie arbeiten für mich’ als ‚Sie arbeiten mit mir’. Dabei müssen sie wirklich ein Team sein.“

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Morrisons neue Fokussierung trug Früchte, ihr eigenes Einkommen, das schon in den frühen 2000er-Jahren die 100.000-Dollar-Marke überschritten hatte, stieg weiter – und ebenso der Umsatz von “Woof!“. 2013 verkaufte sie, die zu diesem Zeitpunkt schon mehr als zehn Jahre nur noch drei Tage pro Woche arbeitete, ihr Unternehmen mit zahlreichen Mitarbeitern für einen Betrag, den sie heute nicht weiter nennen will. Fakt ist: Morrison könnte sich mit den Erlösen entspannt zur Ruhe setzen – tut sie aber nicht. Die umtriebige Geschäftsfrau hat längst ein neues Business gegründet: Mit der “The Six Figure Pet Business Academy“ berät die 50-Jährige junge Tierbetreuungs- und –pflegebetriebe, schreibt Bücher und gestaltet mehrteilige Business-Kurse. Und das Wichtigste: Morrison ist unumstrittene Expertin in einem Bereich, in dem jährlich Milliarden Umsätze für Pflege, Betreuung und andere Dienstleistungen ausgegeben werden.

Trotz ihrer eigenen spontanen Gründung aus dem Bauch heraus rät Morrison übrigens davon ab, sich zu früh selbstständig zu machen: "Gib deinen Job nicht [zu früh] auf", sagte sie im Gespräch mit Marketwatch. "Das ist so, als würde man ein Unternehmen bitten, einen zu unterstützen, bevor es fertig ist." Ein funktionierendes lokales Netzwerk, ein festangestellter Experte besonders im Bereich des Social-Media-Marketings und Mut zum Klinkenputzen gehört ebenfalls zu ihren Zutaten für ein erfolgreiches Business. Einen Insidertipp gibt die Fachfrau außerdem: Als Haustierbetreuer sollte man sich gut überlegen, auf welche Tierart man sich festlegt. Katzen sind, so Morrison, viel flexibler und weniger aufwendig als Hunde. Sie selbst besitzt nämlich auch eine: