Von "Star Wars" bis zum Krieg der Superhelden: Alle Disney-Starts der nächsten Jahre

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo
Mark Hamill als Luke Skywalker. Welche Rolle spielt der Jedi-Meister in "Star Wars – Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers"? (©Walt Disney Studios)

Disney baut sein Kino-Universum konsequent aus. Etliche Filmprojekte des Unterhaltungsriesen, zu denen auch die der Tochterunternehmen Marvel Studios, Pixar, Lucasfilm und neuerdings 20th Century Fox gehören, sind bereits fertig oder befinden sich in der Planungsphase. Im Folgenden geben wir einen Überblick über alle bereits bekannten Disney-Filme der nächsten Jahre.

Marvels "Avengers: Endgame" ist neuerdings der erfolgreichste Film aller Zeiten. "Star Wars: Das Erwachen der Macht" von Lucasfilm ist der umsatzstärkste Film in Nordamerika. In den USA und Kanada spielte kein Animationsfilm mehr Geld ein als Pixars "Findet Dorie", während Disneys "Die Eiskönigin – Völlig unverfroren" der erfolgreichste Animationsfilm weltweit ist. Die Liste der Superlative um die Filme des Unterhaltungsriesen Disney und seiner Tochterunternehmen ließe sich endlos weiterführen. Mehr noch: Sie verspricht, mit Blick auf die absehbare Zukunft noch länger zu werden. Denn Disney hat noch einige Projekte in petto, von denen einige das Zeug haben, den aktuell erfolgreichsten Film hier oder den umsatzstärksten Animationsfilm dort zu entthronen.

Schließlich setzt Disney auch in Zukunft auf sein bewährtes Erfolgsrezept. Anstatt neue Stoffe zu erfinden, recycelt der Konzern weiter erfolgserprobte. Durch Zukäufe erfolgreicher Filmunternehmen forciert er diese Praxis. Hätte Disney Marvels Comic-Archiv nicht oder befände sich das "Star Wars"-Franchise von Lucasfilm nicht in seinem Besitz, dann wäre er ein erfolgreicher, wohl kaum aber der erfolgreichste Unterhaltungskonzern. Das Ende der Fahnenstange ist selbst das nicht. Durch den Aufkauf von 20th Century Fox konnte Disney zuletzt weitere erfolgsversprechende Unterhaltungsprodukte eintüten, darunter die "Alien"- und die "Stirb langsam"-Reihen. Mit Fox' "Avatar"-Fortsetzungen wird der Konzern – so weit darf man sich aus dem Fenster lehnen – manch weiteren Umsatzrekord brechen.

Wird "Die Eiskönigin 2" an den Erfolg des Vorgängers "Die Eiskönigin - Völlig unverfroren" anknüpfen können? (©2019 Disney)

Disney kann es auch selbst

Doch auch unabhängig vom Fox-Archiv werden die Kassen bei Disney in naher und ferner Zukunft klingen. Denn das eine oder andere Filmprojekt hat sich bereits als kommender Blockbuster angekündigt. Natürlich handelt es sich dabei meist um Vorlagenverfilmungen, Sequels, Prequels, Spin-offs, Reboots oder Remakes. Einige von ihnen sind Mehreres zugleich. So wie die Fortsetzung des Realfilm-Spin-offs eines originalen Zeichentrick-Klassikers, "Maleficent 2: Mächte der Finsternis" (deutsche Kinostart: 17. Oktober 2019). In dem Fantasy-Spektakel wird die Geschichte der dunkeln Fee aus dem Zeichentrick-Klassiker "Dornröschen" weitererzählt. Während Maleficent ihrem Namen wieder alle Ehren macht, erleben Anna und Elsa in "Die Eiskönigin 2" ihr nächstes großes Abenteuer. In der Fortsetzung des Welterfolgs aus dem Jahr 2013 wollen die beiden Prinzessinnen ein Geheimnis des Königreichs Arendelle lösen. Der Animationsfilm startet am 21. November in den deutschen Kinos.

Von wegen "Avengers: Endgame": Das ist der erfolgreichste Film

Etwas länger müssen wir auf "Mulan" warten (US-Start: 27. März 2020). Das Realfilm-Remake des gleichnamigen Zeichentrick-Originals erzählt von einer jungen Frau namens Mulan, die anstelle ihres Vaters in den Krieg zieht. Bemerkenswert ist die Besetzung des Abenteuerfilms, der ohne Hollywoodstars auskommt. "Weißgewaschen" hat Disney diesmal nichts, dafür hat der Konzern bereits von chinesischer Seite reichlich Kritik einstecken müssen. Der Vorwurf: Die freie Adaption einer legendären chinesischen Ballade um eine Kriegsheldin namens Hua Mulan zeuge von kultureller und historischer Ignoranz.

Mit Halle Bailey als Meerjungfrau Arielle hat Disney schon einige Gemüter erhitzt. (Bild: "Birdie Thompson/AdMedia/ddp/Sipa USA)

Künstlerisch frei in ihrer Herangehensweise an den Stoff eines Originals werden wohl auch die Macher von "Cruella" (Kinostart in den USA: 23. Dezember 2020) sein. Die Komödie kreist um die exzentrische Hundehasserin Cruella De Vil, die bereits in Dodie Smiths 1956 veröffentlichtem Roman "Hundertundein Dalmatiner" ihr Unwesen trieb. Auf der Leinwand sah man den Charakter in zwei Zeichentrickfilmen und ebenso vielen Realfilm-Adaptionen von Disney. In der Neuauflage schlüpft Emma Stone nicht nur in die Rolle der Titelheldin, sondern auch in die großen Schuhe von Glenn Close, die Cruella De Vil in den Realfilm-Fassungen teuflisch gut gespielt hat.

Remake und zugleich Verfilmung einer berühmten literarischen Vorlage – beides trifft auch auf die nächsten drei Projekte zu, deren Titel Disney allerdings noch nicht bekanntgegeben hat. Mit dem Realfilm "Peter Pan" verfilmt David Lowery ("Elliot, der Drache") den gleichnamigen Zeichentrick-Klassiker aus dem Jahr 1953 neu, der wiederum auf den Kinderbüchern von James Matthew Barrie beruht. Die Handlung dürfte eine Variation des allseits bekannten Stoffs sein: Peter möchte niemals erwachsen werden, auf der Insel Nimmerland erlebt er als Anführer der "verlorenen Jungs" zahlreiche Abenteuer. Man darf gespannt sein, wer diesmal den kleinen Abenteurer spielt. Noch gibt es hierzu keine Informationen.

"Pinocchio" basiert wie schon der gleichnamige Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1940 auf dem Kinderroman "Die Abenteuer des Pinocchio" von Carlo Collodi. Der aus Holz geschnitzte Titelcharakter kann zwar nicht fliegen wie Peter Pan, dafür hat er eine dehnbare Nase. Immer wenn Pinocchio lügt, wächst diese um ein Beträchtliches an. Das Realfilm-Remake von "Arielle, die Meerjungfrau" nach einem Märchen von Hans Christian Andersen erzählt die Geschichte einer kleinen Meerjungfrau, die ein Mensch werden will. Als sie sich in einen Prinzen verliebt, ist sie nicht mehr zu halten. Die hellhäutige Arielle spielt die afroamerikanische Schauspielerin Halle Bailey, was schon zu einigen, auch rassistisch-motivierten Protestbekundungen geführt hat. Der Aufmerksamkeit kann sich Disney mit dem Projekt also sicher sein.

Auch Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) bekommt mit "Doctor Strange in the Multiverse of Madness" eine Fortsetzung. (Bild: Jay Maidment/Marvel)

Das Marvel-Kinouniversum

Während Disney unermüdlich seine Archive plündert, baut das Tochterunternehmen Marvel Studios sein Cinematic Universe weiter aus. Dieses wird in den nächsten Jahren um eine vierte Phase erweitert. In der Mache befinden sich der vierte Teil der "Thor"-Reihe, "Thor: Love and Thunder" (US-Start: 5. November 2021), und die Fortsetzung von "Doctor Strange", die in den USA am 7. Mai 2021 unter dem Titel "Doctor Strange in the Multiverse of Madness" an den Start geht. Außerdem bekommt mit "Black Widow", gespielt von Scarlett Johansson eine prominente Avenger endlich ihren Soloauftritt (US-Start: 1. Mai 2020). Mit "Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings" (US-Start: 2021) wird außerdem ein neuer Marvel-Held eingeführt. Mit dem Meister des Kung Fu betreten Disney und Marvel in einer weiteren Hinsicht Neuland: Shang-Chi ist der erste asiatische Superheld im Zentrum einer Comicverfilmung.

Zensur? Ärger um neuen “Top Gun”-Film

Ein neues Kapitel schlagen Disney und Marvel demnächst auch mit "Eternals" auf. Die unsterblichen Superwesen haben sich im Marvel Cinematic Universe bisher rar gemacht. Ab 6. November 2020 (US-Start) werden auch sie die Leinwände erobern. Der Plot wird von den Studios noch unter Verschluss gehalten, dessen Kernpunkte dürften aber von der Comicvorlage kaum abweichen. Die Eternals wurden vor Jahrmillionen von den außerirdischen Wesen Celestials geschaffen. Als Gegengewicht zu den Erdenbeschützern schaffen die Celestials mit den so genannten Deviants eine Gegenspezies. Seither kämpfen die guten Eternals und die bösen Deviants um das Schicksal der Erde. Aus dem Vollen schöpfen die Marvel-Filmemacher auch hinsichtlich der Besetzung. Von der Newcomerin Chloé Zhao ("The Rider") inszeniert, ist "Eternals" mit Angelina Jolie, Salma Hayek und "Game of Thrones"-Darsteller Richard Madden prominent besetzt.

Mahershala Ali tritt die Nachfolge von Wesley Snipes an. Der Oscar-Preisträger spielt den Vampirjäger Blade (Bild: Sthanlee B. Mirador/ddp/Sipa USA)

Damit wird sich die vierte Phase des Marvel Cinematic Universe noch nicht erschöpft haben. Auf der Startrampe stehen einige weitere Projekte, die noch keinen Starttermin und zum Teil auch keinen Titel haben. Es handelt sich um Fortsetzungen wie "Black Panther 2", "Captain Marvel 2", "Guardians of the Galaxy Vol. 3" und den dritten "Spider-Man"-Solo-Film mit Tom Holland als Titelheld. Zugleich werden mit den Fantastic Four weitere Marvel-Helden in der MCU begrüßt. Und mit einem "Mutants"-Film wird sich Marvel an einem neuen, von den "X-Men"-Reihen losgelösten Interpretationsansatz um die mutierten Superhelden versuchen. Vielversprechend klingt auch das Revival von Blade. In die Rolle des sonnenbebrillten Vampirjägers, der in einer früheren Filmreihe von Wesley Snipes verkörpert wurde, ist Oscar-Preisträger Mahershala Ali ("Moonlight") geschlüpft.

Die Kinomagier von Pixar

Das Tochterunternehmen Pixar nimmt noch immer eine Sonderstellung in der Disney-Familie ein. Zwar kommt auch das Animationsstudio nicht um Sequels, Spin-offs und sonstigen Franchise-Mechanismen herum. Dessen Macher wagen sich wenigstens hin und wieder an originäre Geschichten. So wie mit "Onward". Der am 6. März in den US-Kinos startende Animationsfilm ist in einer Welt angesiedelt, in der einst Magie an der Tagesordnung war. Doch anstatt von Zauberkräften Gebrauch zu machen, bequemen sich die Elfen, Trolle, Faune, Gnome, Meerjungfrauen und andere Mythenwesen neuerdings lieber mit technologischen Errungenschaften wie Handy und Auto. In dieser entzauberten Welt wollen zwei Elfenbrüder die Ordnung wiederherstellen.

Woody erlebt mit "Toy Story: Alles hört auf kein Kommando" bereits sein viertes Kinoabenteuer. Diesmal muss er die Gabel Forky retten. (©2019 Dinsey/Pixar)

In "Soul" entführt Animationsfilm-Legende Pete Docter ("Die Monster AG", "Oben") die Zuschauer auf eine Reise von "den Straßen New Yorks in die kosmischen Sphären, um Antworten zu finden auf die wichtigsten Fragen des Lebens", heißt es in einem Pressetext von Disney/Pixar. Ab 19. Juni 2020 (US-Kinostart) werden wir also alle etwas weiser sein. Vorher können wir uns ein viertes Mal an Woody, Buzz Lightyear und den anderen Spielzeugfiguren aus der "Toy Story"-Reihe erfreuen. In "Toy Story: Alles hört auf kein Kommando" (Kinostart: 9. August) wird der Freundeskreis um eine Figur namens Forky erweitert. Die selbstgebastelte Gabel steckt in einer Existenzkrise. Sie glaubt, kein echtes Spielzeug, sondern nur Müll sein. Als Forky eines Tages verschwindet, machen sich Woody und Co. auf die Suche nach ihrem neuen Freund.

Star Wars und kein Frieden in Sicht

In der Endlosgeschichte um die "Star Wars"-Helden und -Schurken geht der Kampf zwischen Gut und Böse, den finsteren und lichteren Mächten weiter. Um die ursprünglich geplanten Standalone-Filme ist es nach der enttäuschenden Aufnahme von "Solo: A Star Wars Story" zuletzt ruhiger geworden; dabei waren schon Filme und Reihen über Figuren wie Yoda und Boba Fett angekündigt worden. Dafür ist nun die Rede von zwei weiteren Trilogien, die nach dem neunten Teil der "Krieg der Sternen"-Reihe, "Star Wars – Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers", in die Kinos kommen. Wie sich diese inhaltlich und gattungstechnisch (Prequel, Sequel, Spin-off?) in den "Star Wars"-Kosmos einfügen werden, ist noch unklar. Es heißt, damit würden neue Charaktere ins Franchise eingeführt, die in einer gänzlich neuen Ära um Frieden oder Unfrieden kämpfen.

Die "Game of Thrones"-Schöpfer D.B. Weiss and David Benioff sind die führenden Köpfe bei einer der zwei kommenden "Star Wars"-Trilogien. (Bild: ddp images/abaca press)

Einer der beiden Dreiteiler wird mit David Benioff und D. B. Weiss in Verbindung gebracht. Die "Game of Thrones"-Schöpfer werden wohl für mindestens den ersten Teil mindestens das Drehbuch schreiben. Die Filme erscheinen ab 2022 im Zweijahres-Rhythmus in den Kinos. Jeweils im Dezember, versteht sich, da sitzt das Geld bei den festlich gestimmten Kinobesuchern lockerer. Bei der zweiten Trilogie soll Rian Johnson der kreative Kopf sein. Der US-Regisseur ist mit der Materie schon vertraut, er drehte mit "Die letzten Jedi" bereits die achte "Star Wars"-Episode". Der erste Teil seiner Reihe wird vermutlich nach dem ersten Teil der Benioff/Weiss-Filme erscheinen. Die anderen beiden folgen wohl auch im Zweijahres-Turnus. Johnson inszeniert mindestens den Auftakt des Dreiteilers. Mit Benioff und Weiss wird er, wie es heißt, in ständigem kreativen Austausch stehen. Klingt kompliziert? Ist es auch – und es wird nicht übersichtlicher werden. So ist es nun mal mit den Universen, sie haben die Verwirrung stiftende Angewohnheit, sich auszudehnen.

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