Von Hollywood nach Karlsruhe und zurück: Warum Wonder Woman nicht die Ausnahme bleiben darf

Patty Jenkins’ “Wonder Woman” war ein riesiger Hit – doch wie geht’s nun weiter? (Bild: Warner Bros.)

Als Regisseurin Patty Jenkins vor zwei Jahren einen kommerziellen Hit mit “Wonder Woman” landete und weltweit über 800 Millionen US-Dollar einspielte, bestand die Hoffnung, dass weitere großbudgetierte Hollywood-Produktionen weiblicher Filmschaffender folgen würden. Doch die Bilanz für das Jahr 2018 fällt ernüchternd aus.

Eine Kolumne von Carlos Corbelle

Man muss schon eine Weile scrollen, bis man in der Liste der Filme, die 2018 weltweit das meiste Geld einspielten, die erste Regiearbeit einer Frau findet. Erst auf Platz 49 wird man mit dem Fantasy-Abenteuer “A Wrinkle in Time” von Ava DuVernay fündig. Platz 49. Davor nur männliche Regisseure. Dieses eklatante Ungleichgewicht liegt natürlich darin begründet, dass Frauen auch in der Post-“Wonder Woman”-Ära kaum die Chance erhalten, bei den potentiellen Blockbustern der großen Studios die Zügel in die Hand zu nehmen.

Das legt auch der jährliche “Celluloid Ceiling”-Bericht der San Diego State University nahe. Schaut man sich die Top 250 der umsatzstärksten Filme 2018 in den USA an, stieg die Zahl der Frauen in entscheidenden Positionen wie Produzentin, Kamerafrau, Drehbuchautorin oder eben Regisseurin zwar insgesamt um – wenn auch magere – 2 Prozent auf nun 20 Prozent an. Was aber allein die Regie – also die führende künstlerische Position bei einer Kinoproduktion angeht – betrug die Zahl der Frauen bloß 8 Prozent und damit 3 Prozent weniger als 2017 und ein Prozent weniger als 1998. Mit anderen Worten: Besonders viel hat sich in den letzten 20 Jahren nicht getan.

“A Wrinkle in Time” von Regisseurin Ava DuVernay. (Bild: Disney)

Ein Blick nach Karlsruhe

Auch 2019 wird sich vermutlich nicht viel daran ändern – trotz einer Vielzahl interessanter Filme, die von Frauen inszeniert wurden und nun auch bei uns im Kino zu sehen sind oder demnächst zu sehen sein werden. Darunter “Mary Shelley” von Haifaa Al-Mansour, “Can You Ever Forgive Me?” von Marielle Heller und “Maria Stuart, Königin von Schottland” von Josie Rourke – drei Filme von Frauen, in denen komplexe, spannende Frauenfiguren im Mittelpunkt der Erzählung stehen.

Doch reicht eine Handvoll vielversprechender Filme aus, um das strukturelle Ungleichgewicht grundlegend zu ändern? Wohl kaum. Ein Blick aufs Staatstheater in Karlsruhe könnte helfen. Dort setzt die aktuelle Schauspieldirektorin Anna Bergmann ein starkes Zeichen, das auch der Filmwelt gut tun würde: In den nächsten drei Spielzeiten wird sie ausschließlich Regisseurinnen engagieren. Nicht, damit männliche Regisseure, die auch im Theater in der deutlichen Mehrheit sind, in Zukunft vollständig verdrängt werden. Das will natürlich niemand. Das Ziel ist und bleibt echte Gleichberechtigung und Chancengleichheit – auch in der Kulturindustrie. Bis es soweit ist, bedarf es mutiger Verantwortlicher, die wegweisende Entscheidungen treffen.

Man stelle sich nur vor, dass eines der großen Hollywood-Studios drei Jahre lang ausschließlich Regisseurinnen verpflichten würde. Jede Wette, dass das Kino innerhalb kürzester Zeit um ein paar weitere Erfolgsstorys a la “Wonder Woman” reicher wäre, um ein für alle mal deutlich zu machen, dass Patty Jenkins’ Hit nicht bloß ein Zufall war.

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