Vorsicht vor Beauty-Kamera-Apps

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Um die eigenen Fotos durch Filter und verschiedene Effekte zu verändern und verschönern, setzen weltweit mehrere Hundert Millionen Nutzer sogenannte Schönheits-Kamera-Apps ein. Jetzt zeigt eine aktuelle Untersuchung, dass viele dieser Apps vor allem dazu da sind, um an die Daten der User zu kommen.

Über die Hälfte der von den Experten untersuchten Beauty-Kamera-Apps verkauften die gesammelten sensiblen Daten.(Symbolbild: Getty Images)

Im Play Store von Google gibt es diverse Beauty-Kamera-Apps, von denen “Cybernews“ die 30 beliebtesten unter die Lupe genommen hat. Im Test der Internetseite, die sich auf Datenschutz spezialisiert hat, fiel vor allem eines auf: Über die Hälfte der Apps wurden in China oder Hongkong programmiert und verkaufen die auf dem Smartphone gesammelten, sensiblen Daten an Server in Asien weiter.

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Eine App schaltet ohne Erlaubnis die Kamera ein

Der Anbieter Phila AppStore bietet mit Beauty Camera sogar eine App, die den Nutzer gar nicht erst um Erlaubnis fragt, auf die Kamera zugreifen zu dürfen, sondern sie selbstständig anschaltet - eine klare Verletzung der Regeln des Play Stores. Die App wurde bereits mehr als 500.000 Mal heruntergeladen.

Die Apps sammeln Daten, die dann verkauft werden

Andere Apps holen sich zwar die Erlaubnis für verschiedene Zugriffe ein, die allein für das Nutzen einer Foto-App mit Schönheits-Filtern jedoch völlig überflüssig wären. Alle 30 getesteten Apps wollen Dateien auf dem Smartphone verwalten dürfen, 29 wollen Dateien lesen, 23 auf das Mikrofon zugreifen, 13 den GPS-Standort abrufen, zehn den groben Standort über das Handynetz feststellen und eine sogar auf die Kontakte zugreifen.

Wozu das Ganze dient, ist für die Experten von “Cybernews“ klar: ”App-Entwickler können sehr viel Geld machen, wenn sie Daten an Werbetreibende verkaufen“, heißt es auf der Website. Besonders lukrativ sei der Verkauf von Standortdaten.

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Auch Malware kann man sich über die Apps holen

Neben dem Abruf und Weiterverkauf der Daten können die Apps aber auch einen weiteren Schaden verursachen: Die Schönheitskameras von Coocent und Dreams Room sowie die Selfie-Kamera von KX Camera Team wurden von einem Programmierer entwickelt, der bereits durch die Verbreitung von Schad-Software bekannt ist. Und auch die App Beauty Plus von Meitu wurde bereits als Schad- und Spionage-Software entlarvt.

Doch was soll man tun, wenn man auf die Filter nicht verzichten und trotzdem auf der sicheren Seite sein will? “Cybernews” empfiehlt, entsprechende Apps von großen Anbietern wie Instagram, Snapchat oder den Facebook Messenger zu nutzen und eventuelle andere Programme zu löschen.

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