Wann gibt es im kältesten der Dorf der Welt kältefrei?

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 2 Min.

Weihnachten naht, die Temperaturen fallen: Doch was hierzulande als kalt empfunden wird, fühlt sich für die Einwohner*innen Oimajkons wie Sommer an. Das sibirische Dorf gilt als kälteste Region der Welt. Dort müssen die Schüler*innen den Schulweg auf sich nehmen – auch bei minus 50 Grad Celsius.

Eine Schülerin aus Oymyakon. Das Bild wurde im Jahr 2013 aufgenommen. Immer wieder besuchen das kälteste Dorf der Fotograf*innen, um den harten Alltag bei minus 50 Celsius zu dokumentieren. Foto: REUTERS / Maxim Shemetov
Eine Schülerin aus Oimajkon. Das Bild wurde im Jahr 2013 aufgenommen. Immer wieder besuchen Fotograf*innen das kälteste Dorf der Welt, um den harten Alltag bei minus 50 Celsius zu dokumentieren. Foto: REUTERS / Maxim Shemetov

Schulfrei im Sommer gibt bei es schweißtreibenden Temperaturen, manchmal schon ab 30 Grad Celsius. Wie aber ist das eigentlich, seit einigen Wochen ist es schon richtig kalt und windig draußen, im Winter?

In der Regel fällt der Unterricht nicht aus, weil es zu kalt ist. Eher fehlen tageweise einzelne Schüler*innen, wenn es ihr Bus nicht über verschneite oder vereiste Landstraßen geschafft hat – zumindest hierzulande.

Erst ab minus 56 Grad Celsius können die Schüler*innen zuhause bleiben

Nicht so im sibirischen Oimjakon: Das 50-Seelen-Dorf gilt als kältester bewohnter Ort der Erde. Offiziell wurden dort im Jahr 1933 eisige 67,8 Grad Celsius gemessen. Unter Null. Temperaturen im Winter liegen heute durchaus auch mal bei minus 50 Grad Celsius.

Das aber reicht noch nicht aus, damit die einzige Schule in Oimjakon kältefrei gibt und den Kindern ihren Schulweg erspart. Erst- bis Viertklässler*innen, sie sind in Russland sieben bis zehn Jahre alt, dürfen offiziell ab minus 52 Grad Celsius zuhause bleiben. In den höheren Klassen gilt Schulpflicht sogar bis minus 56 Grad Celsius Lufttemperatur.

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Wie die Siberian Times vergangene Woche schrieb, dauert der Unterricht in Oimjakon derzeit von 9 Uhr morgens bis 17 Uhr nachmittags. Die Schüler*innen sehen auf ihrem Schulweg deshalb keine Sonne. Die geht in diesen Breiten zurzeit erst um 10 Uhr auf und verabschiedet sich kurz nach 14 Uhr schon wieder in den Sonnenuntergang.

Wer mal muss, muss raus

Das alltägliche Leben in Oimjakon, das übersetzt ironischerweise „aufgetautes Wasser“ oder sogar „heiße Quelle“ heißen kann, hält aufgrund der Temperaturen einige Herausforderungen bereit. Einige besonders skurrile hat Weather.com zusammengetragen:

So sei es beispielsweise für Brillenträger*innen gefährlich, weil ihr Gestell an ihrem Gesicht festfrieren könne. Aufgrund des durchgehend gefrorenen Bodens gebe es zudem praktisch keine Abflussrohre – bei den meisten Toiletten handle es sich deshalb um Plumpsklos. Die stehen: draußen. Das Problem mit dem gefrorenen Boden trete auch bei Beerdigungen auf – dafür aber würden dann Lagerfeuer angefacht, um zumindest die Erde in Grabesgröße aufzutauen.

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Derzeit ist es übrigens laut Wetterbericht vom Donnerstag nicht ganz so kalt in Oymyakon: minus 30 Grad Celsius, kein Wind, dazu mittlere Wahrscheinlichkeit von starkem Schneefall, bewölkt, deshalb null Sonnenstunden. Und: Das Wetter soll sogar bis Weihnachten so mild bleiben.

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