Warum die französische First Lady Brigitte Macron Taubenblau trug, genau wie Melania Trump

Stilvoll im kühlen Farbton: Brigitte Macron, Melania Trump und Jacqueline Kennedy. (Bild: Getty Images)

Bei der Amtseinführung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron am Sonntag trug seine Frau Brigitte Macron eine taubenblaue Wolljacke von Louis Vuitton im Uniformstil und ein bis knapp über die Knie reichendes Kleid. Es war ein trendiger Look, bei dem die 64-jährige First Lady mutig ihre Beine zeigte. Er zog auch sofort Vergleiche zum taubenblauen Look des Ralph Lauren-Kaschmirkleids und -Mantels mit sich, den die amerikanische First Lady Melania Trump im Jänner bei der Amtseinführung ihres Mannes trug.

War das Absicht? Verbirgt sich dahinter eine Form der modischen Diplomatie, nachdem ihr Ehemann die rechtsstehende Kandidatin Marine Le Pen besiegte, deren populistische Botschaften oft jenen von Trump glichen?

„Wenn ich sie beraten hätte, hätte ich ihr vermutlich nicht diese Farbe empfohlen“, erzählt Stilberaterin Sylvie di Giusto Yahoo Style. „Als First Lady möchte man für Können und Erfahrung bekannt sein, dafür, dass man für die Funktion und das Land, dem man dient, einen zusätzlichen Nutzen bringen kann. Ablenkung sollte man um jeden Preis vermeiden.“

Im Gegenteil dazu hält Mode- und Beautyredakteurin Mary Alice Stephenson, Gründerin von Glam4Good, diese Wahl für einen strategischen Schachzug.

Brigitte und Emmanuel Macron bei der Amtseinführung des französischen Präsidenten am Sonntag. (Bild: Getty Images)

„Jeder, der clever genug ist, um dem Ehemann dabei zu helfen, Staatsoberhaupt von Frankreich zu werden, ist clever genug zu wissen, welches Outfit bei der Amtseinführung am besten zu tragen ist“, kommentiert Stephenson für Yahoo den unvermeidbaren Vergleich mit Trumps Outfit. „[Macron] und ihr Team wissen das natürlich — und das war auch schlau. Das Ergebnis ist nämlich, dass die Leute über die französische First Lady sprechen.“

Dass beide Frauen diesen Blauton gewählt haben, sollte keine Überraschung sein. „Es weckt Assoziationen mit Intelligenz, Vertrauen und Sicherheit und je heller der Blauton ist, desto sympathischer, persönlicher, wärmer und kommunikativer wird er empfunden“, sagte di Giusto über die Farbe, die sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik beliebt ist.

Obwohl Jacqueline Kennedy bei der Amtseinführung ihres Ehemanns in Beige erschien, trug sie bei öffentlichen Veranstaltungen Zuhause und auf der vielfotografierten Reise nach Indien 1962 Himmelblau.

Michelle Obama trug ein Carolina Herrera-Kleid mit Wasserfallausschnitt in einem ähnlichen Farbton, als sie Papst Franziskus 2015 bei seinem ersten Besuch in den Vereinigten Staaten begrüßte. Und erst vergangenen Oktober trug Kate Middleton bei ihrem ersten royalen Solo-Besuch bei König William-Alexander von den Niederlanden in Den Haag einen Anzug von Catherine Walker, der stark an Jackie O. erinnerte.

Stephenson zufolge steht einer First Lady für die Amtseinführung nicht ganz so viel Auswahl zur Verfügung, wie Sie vielleicht annehmen mögen. „Trägt man Rot und es ist zu knallig und auffällig, stiehlt man dem Mann neben sich die ganze Aufmerksamkeit“, sagt sie. „Trägt man weiß, ist es ein wenig zu selbstgefällig und sieht nach Hochzeit aus. Schwarz – zu dunkel, zu negativ, zu traurig. Dasselbe gilt für Marineblau. Gelb – nicht so toll für Blondinen.“

Pastellblaue Töne liegen dieses Jahr im Trend. Pantone kürte einen ähnlichen Ton – Niagara – „zur verbreitetsten modischen Farbe im Frühling 2017“ und sagte, der Denim-ähnliche Farbton „spreche den Wunsch nach Leichtigkeit und Entspannung an“. Gwyneth Paltrow trug im Januar ein hellblaues Gucci-Kostüm mit Rüschen, das die Farbe topaktuell wirken ließ.

Von Farbvergleichen abgesehen, setzte Macron mit ihrer Kleiderwahl am Sonntag ein wichtigeres Statement. Stephenson macht darauf aufmerksam, dass die Uniformjacke zwar viele Knöpfe hat, von Macron aber offen getragen wurde. Daher war sie „modern und locker und weniger zugeknöpft“ als Trumps Retro-Look.

„Ich bewundere sie dafür, dass sie ihren Körper zeigt“, ergänzt Stephenson. „Einige Frauen verhüllen alles, wenn sie älter werden, deswegen lag eine echte Aufgeschlossenheit [in ihrem Stil]. Für Frauen in den 60ern ist es inspirierend, eine First Lady zu sehen, die an der Seite eines jüngeren Mannes modebewusst, sexy und stark aussieht.“

Wenn die französische First Lady sich weiterhin auf diese Weise kleidet, wird sie Stephensons Ansicht nach bei anderen Frauen sehr beliebt sein. „Der Grund, weshalb Frauen Michelle Obama so sympathisch fanden und weshalb ich denke, dass sie Brigitte sympathisch finden werden, ist, dass sie sich mit ihnen identifizieren können. Brigitte ist nicht perfekt. Man sieht, dass sie älter ist. Sie hat auch Falten. Wenn jemand zu zugeknöpft, gepflegt und perfekt ist, ist sie nicht real. Damit können Frauen sich nicht identifizieren.“

Sabrina Rojas Weiss
Yahoo Style