Warum es nicht okay ist, Sportlerinnen für ihre Muskeln zu kritisieren

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Zwei Frauen aus dem britischen Olympiakader haben sich den Forderungen nach einem Ende des Body Shamings von Sportlerinnen angeschlossen.

Kate Shortman und Isabelle Thorpe haben offen über die Kritik an ihren Körpern gesprochen. (Bluebella)
Kate Shortman und Isabelle Thorpe haben offen über die Kritik an ihren Körpern gesprochen. (Bluebella)

Kate Shortman (19) und Isabelle (Izzy) Thorpe (20), die beide aus Bristol stammen, haben offen über ihre Erfahrungen gesprochen, wie ihre Körper während des zehnjährigen Trainings für die Olympischen Spiele genau unter die Lupe genommen wurden.

Von den Aufforderungen, sie sollten sich etwas überziehen, bis zu den wiederholten Kommentaren über ihre „großen Schultern, kleinen Brüste und kleinen Hintern“ – die beiden Synchronschwimmerinnen wollen mit dem Mythos aufräumen, dass sportliche Körper weniger schön sind.

Isabelle Thorpe und Kate Shortman sind Synchronschwimmerinnen des britischen Olympiakaders. (Bluebella)
Isabelle Thorpe und Kate Shortman sind Synchronschwimmerinnen des britischen Olympiakaders. (Bluebella)

Seit Jahren hält sich das Gerücht, Athletinnen müssten sich zwischen Sport und modernen Schönheitsstandards entscheiden. In diesem Zusammenhang kommt es immer wieder zu sexistischen Kommentaren gegen hochkarätige Athletinnen, dass „Muskeln“ und „Stärke“ nur etwas für ihre männlichen Kollegen sei.

Viele Mädchen wenden sich vom Sport ab

Die kann nicht nur zu psychischen Schäden führen, sondern Body Shaming kann auch zur Folge haben, dass sich viele Mädchen ganz vom Sport abwenden.

Eine aktuelle Umfrage der gemeinnützigen Organisation Women In Sport ergab, dass Mädchen im Teenageralter mit dem Sport und körperlicher Aktivität aufhören und tief verwurzelte negative Einstellungen dagegen entwickeln. Probleme mit dem Körper wurde als einer der beitragenden Faktoren genannt.

Tatsächlich hört erstaunlicherweise die Hälfte aller Mädchen der Sekundarstufe ab 13 Jahren aufgrund von Problemen mit dem eigenen Körper mit dem Sport auf. Um die Auffassungen rund um das Körperbild von Sportlerinnen zu verändern, engagieren Shortman und Thorpe sich für die Kampagne #BeStrongBeBeautiful der Dessous-Marke Blubella. Die Aktion versucht mehr Mädchen zu ermutigen, wieder Sport zu machen.

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„Wer sagt, dass muskulös bei Jungs gut ist, aber bei Mädchen schlecht? Das ist totaler Blödsinn“, erklärt Shortman.

„Es ist absolut unfair, dass die Gesellschaft von Jungen erwartet, dass sie dieses perfekte Bild von Gesundheit haben, indem sie ins Fitnessstudio gehen, Gewichte heben und wirklich muskulös und stark aussehen, aber für Mädchen ist es das Gegenteil – sie sollten dünn sein und zarte weibliche Gesichtszüge haben.“

„Es ist ungesund für junge Mädchen, wenn sie das sehen und denken: ‚Ich muss mich beim Essen einschränken und Kalorien zählen.‘ Es ist psychisch und körperlich ungesund, das zu denken.“

Shortman beschreibt, wie ihr gesagt wurde, sie solle sich etwas überziehen, wenn sie in öffentlichen Schwimmbädern trainiere: „Wir tragen Einteiler, so wie alle anderen auch, aber weil wir eine sportliche Figur haben, sitzen die Badezüge automatisch höher auf unseren Hüften“, erklärt sie.

„Es ist nicht beabsichtigt, dass ich herumlaufe und meine Hüften oder meinen Hintern zeige. Es ist lächerlich, denn Jungs können in knappen Badehosen herumlaufen und das ist in Ordnung. Wenn Mädchen etwas Haut zeigen, dann wird ihnen vorgeworfen, sie würden ihren Körper für jeden sichtbar zur Schau stellen.“

Teenager verstecken ihre muskulöse Statur

Thorpe beschreibt auch, dass ihr Körper genau unter die Lupe genommen wird: „Wir haben in der Vergangenheit – als wir noch in der Schule waren – viele negative Kommentare zu unseren Körpern erhalten: da ging es um zu große Schultern, zu kleine Brüste, zu kleine Hintern und damals war ich noch nicht so selbstbewusst, was meinen Körper angeht“, erklärt sie.

Dies führte dazu, dass sie als Teenager versuchte, ihre muskulöse Statur zu bedecken: „Schwimmer tendieren dazu, größere Schultern zu bekommen und als ich jünger war, trug ich Sachen wie weite Pullover, um meine Schultern zu verstecken, damit sie weniger auffallen“, sagt sie.

„Wenn ich Bilder in den sozialen Medien postete, versuchte ich Bildausschnitte ohne sie zu wählen oder ich versuchte, dass sie weniger auffällig erschienen, damit ich keine negativen Kommentare bekäme.

„Im Laufe des vergangenen Jahres begann ich mich sehr viel selbstbewusster zu fühlen, was mein Aussehen betrifft und jetzt sind wir beide stolz auf unsere muskulösen Körper.“

Die beiden stehen kurz davor, bei den Olympischen Spielen in Tokio anzutreten. (Bluebella)
Die beiden stehen kurz davor, bei den Olympischen Spielen in Tokio anzutreten. (Bluebella)

Laut der Umfrage von Women In Sport haben 64 % der Mädchen bis zum Alter von 16 Jahren mit dem Sport aufgehört und viele geben mangelndes Selbstvertrauen in Bezug auf ihr Körperbild und Aussehen als Hauptgrund an.

Die Umfrage ergab, dass Mädchen in Großbritannien am häufigsten im Alter von 13 und 14 Jahren – im 9. Schuljahr – mit dem Sport aufhören und das ist etwas, was Shortman und Thorpe nachempfinden können: „In der 7. bis 9. Klasse waren Spiele und Sportunterricht für Jungen und Mädchen getrennt, aber nach der 9. Klasse mussten wir wieder mischen und das war der Zeitpunkt, an dem viele Mädchen mit dem Sport aufhörten“, so Thorpe.

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„Sie waren besorgt darüber, was die Jungs denken und sagen würden und wollten sich nicht vor ihnen entblößen, besonders beim Schwimmen. Aber wenn man schwimmt, ist man sehr exponiert, man läuft im Schwimmbad herum und es sind immer Jungs da und man trägt einen knappen Badeanzug. Das ist ziemlich einschüchternd.“

Thorpe und Shortman posieren im Vorfeld der Olympischen Spiele in Tokio für ein unglaubliches Unterwasser-Mode-Shooting. (Bluebella)
Thorpe und Shortman posieren im Vorfeld der Olympischen Spiele in Tokio für ein unglaubliches Unterwasser-Mode-Shooting. (Bluebella)

Um die #BeStrongBeBeautiful-Kampagne zu promoten, posierten die beiden für eine eindrucksvolle Reihe von Dessous-Bildern mit einer Union Jack-Flagge in einem riesigen Unterwassertank, um die muskulöse Schönheit der weiblichen Form zu betonen.

Sie hoffen, dass die Kampagne dazu beiträgt, traditionelle Vorstellungen über athletische weibliche Körper infrage zu stellen.

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Bluebella-Gründerin Emily Bendell fügte hinzu: „Wir müssen die Wahrnehmung ändern, dass die starke weibliche Form nicht ‚feminin‘ sei. „Die Vorstellung, dass Stärke und Weiblichkeit nicht zusammenpassen, ist eine wirklich schädliche Vorstellung, um Frauen im Sport zu halten, aber auch im Allgemeinen.“

„Wir freuen uns außerordentlich, dass zwei unserer spannendsten Olympioniken, Izzy und Kate, #BeStrongBeBeautiful unterstützen und dabei helfen, Einstellungen zu hinterfragen, die leider immer noch zu weit verbreitet sind.“

„Wir bewundern die Hingabe und die Fähigkeiten, die für die Teilnahme an Wettkämpfen auf höchstem Niveau erforderlich sind, und wir freuen uns sehr darauf, Kate und Izzy bei den Spielen in Tokio zu sehen.“

Marie Claire Dorking

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