Warum Frauen den ersten Schritt machen sollten – und wie es gelingt

Warum Frauen den ersten Schritt machen sollten. (Bild: Getty Images)

In den meisten Bereichen meines Lebens bin ich eine eher strukturierte Persönlichkeit. Ich mag es, Pläne zu machen und sie auszuführen. Ich bin lieber pro-aktiv als reaktiv. Außerdem schrecke ich nicht vor kleinen Risiken zurück, wenn die Vorteile die Nachteile klar überwiegen. Wenn es um Dates geht, bin ich hingegen wie die meisten Hetero-Frauen, die ich kenne: Ich mache nicht gerne den ersten Schritt. Niemals.

Wann immer mir jemand empfiehlt, den ersten Schritt zu machen, werde ich stur und verwandle mich wieder in mein schüchternes, fünf Jahre altes Ich. („Ich?“ Erster Schritt?“ [Versteckt sich sofort unter dem Tisch.])

Als Kindergartenkind mag mein Widerwille süß gewesen sein, aber meinem Ich in den 20ern tut er keinen Gefallen. Hier ist die Wahrheit: Frauen müssen öfter den ersten Schritt machen. Es ist eine sehr gute Idee für unser Beziehungsleben. Um das ‚Warum’ zu ermitteln, wollen wir diese verstaubte Gender-Dynamik einen Moment lang unter die Lupe nehmen.

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich erlebt habe, wie eine Frau den ersten Schritt macht und es schlimm ausgeht. Wie bei vielen anderen Aktionen im Leben auch führt es oft nirgendwo hin. Es kommt allerdings nur sehr selten vor, dass es schlimm ausgeht. Erst vor einigen Wochen sprach eine gute Freundin von mir einen Typen in einer Bar an. Er war vergeben (seufz), aber er war total begeistert und ermutigte sie: „Mach damit weiter!“

Vermutlich gibt es Gründe dafür. Insgesamt sind es Männer weniger gewöhnt, dass Frauen ihnen Aufmerksamkeit schenken – es ist eher umgekehrt. Wenn eine Frau also von diesem Schema abweicht und den ersten Schritt macht, ist das tatsächlich ziemlich außergewöhnlich. Frauen sind von Natur aus selektiver und bekommen insgesamt auch mehr Beachtung – heute sowohl im realen Leben als auch online. So wischen Männer auf Tinder etwa in der Hälfte der Fälle nach rechts, während Frauen nur bei 14 % der Bilder nach rechts wischen.

Wenn eine Frau vom Schema abweicht und den ersten Schritt macht, ist das tatsächlich ziemlich außergewöhnlich.

Frauen nehmen Attraktivität häufig vielschichtiger und einzigartiger wahr als Männer. Ein Beispiel: In einer Studie der Wake Forest University zeigten die Forscher 4.000 Teilnehmern Fotos von Männern und Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren, bei denen sie potenzielle Aspekte der Attraktivität quantifiziert hatten, darunter Selbstbewusstsein, Körpertyp, Empfindsamkeit, Stil, Traditionsverbundenheit, Klasse, Gepflegtheit und positive Ausstrahlung.

Für Männer war Attraktivität größtenteils körperlich und basierte primär auf dem Aussehen und, in gewissem Grad, auf dem Selbstbewusstsein. Die Vorlieben der Frauen waren allerdings unterschiedlich und vielseitiger. Das Aussehen war ihnen schon wichtig, alles im allem konnten sie sich allerdings nicht darauf einigen, welche Merkmale besonders attraktiv waren. Die Meinungen gingen völlig auseinander.

Zu guter Letzt könnten Männer darauf gepolt sein, weibliches Interesse zu spüren. Eine Studie der Zeitschrift Evolutionary Psychology zeigte, dass heterosexuelle Männer das Interesse der Frauen an ihnen typischerweise überschätzen, während heterosexuelle Frauen dazu neigen, das Interesse eines Mannes an ihnen zu gering einzuschätzen.

Heterosexuelle Männer überschätzen typischerweise das Interesse der Frauen an ihnen, während heterosexuelle Frauen dazu neigen, das Interesse eines Mannes an ihnen zu gering einzuschätzen.

Was bedeutet all das für Sie als Frau?

  • Männer scheinen mehr Frauen attraktiv zu finden als umgekehrt.
  • Der Durchschnittsmann erhält in der Regel weniger Interesse – den ersten Schritt zu machen fällt also auf. Außerdem senken Sie für ihn das Risiko der Ablehnung, wenn es für Sie bereits geringer ist.
  • Sie können nach den Merkmalen suchen, die Sie attraktiv finden, wenn Sie den ersten Schritt machen (z. B. sein Humor, seine Leidenschaft, seine feinfühlige Seite etc.)
  • Selbst bei den sensibelsten persönlichen Begegnungen ist es wahrscheinlich nicht notwendig, ihm mit einem „Ich mag dich“-Schild auf Ihrer Stirn zu begegnen. Wenn Sie sich einigermaßen Mühe geben, wird er es merken.

Ich bin mir bewusst, wie nervenaufreibend es sein kann, da hinaus zu gehen, aber das Glück ist wirklich auf Ihrer Seite. Außerdem ist es bei den Frauen, die ich kenne, so, dass jene, die Männer aktiv angesprochen haben, aktuell in den besten und längsten Beziehungen sind. Ich habe gesehen, dass es funktioniert. Sie sollten es ausprobieren.

Mit all dem im Hinterkopf sollten Sie wirklich in Erwägung ziehen, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen und den ersten Schritt zu machen. Und so machen Sie es richtig:

Im realen Leben, wenn Sie die Person kennen
Das ist vermutlich die Situation, in der Sie unbedingt auf Nummer Sicher gehen wollen, aber es ist auch die Situation, in der Sie die meisten Informationen über die betreffende Person haben. Vermeiden Sie explizite Vokabeln wie „Date“. Wenn Sie die Person sehr gut kennen, dann schlagen Sie etwas vor, das „Sie beide“ gemeinsam unternehmen könnten und das für beide interessant ist – etwa eine Weinverkostung, ein Film oder ein Konzert einer Indie-Band, die Sie beide mögen. Wer schwache Nerven hat, kann diese Strategie auch als Textnachricht übers Handy anwenden.

Wenn Sie die Person nur beiläufig keinen, ist es in Ordnung, etwas deutlicher zu werden. (Vermutlich gibt es hier keine Freundschaft, die man auf Spiel setzen könnte, oder?). Sagen Sie zum Abschluss einer großartigen Unterhaltung einfach: „Hey, wir sollten wirklich mal was zusammen unternehmen! Was hast du nächste Woche vor?“ Wenn er sofort Pläne schmiedet – juhu! Falls er sagt: „Ich sag dir Bescheid“, dann überlassen Sie ihm den nächsten Schritt.

Im realen Leben, wenn Sie die Person nicht kennen
Viele Menschen schrecken vor dieser Situation zurück, aber bedenken Sie: Sie kennen diese Person nicht und Sie haben absolut nichts zu verlieren, wenn es schief geht oder die Person vergeben ist. Bei weitem die beste Strategie ist es, eine Frage zu stellen. („Was trinken Sie?“ „Können Sie auf meine Jacke und meinen Kaffee aufpassen, während ich auf die Toilette gehe?“ „Wie gefällt Ihnen dieses Buch?“ Alles angemessen.)

Versuchen Sie, ob Sie das Gespräch ins Rollen bringen können. Ein interessiertes Gegenüber wird mit ihnen plaudern. Ist die Person nicht interessiert, wird sie vermutlich höflich sein, aber das Gespräch genauso schnell beenden wie es begonnen hat.“ Wenn Sie wirklich schüchtern sind, sollten Sie das Gespräch erst beginnen, wenn Sie in einer Position sind, von der aus Sie sofort gehen können. So können Sie einen schnellen Abgang machen – hoffentlich erst nachdem Sie Nummern ausgetauscht haben.

Apps oder online, wenn Sie die Person nicht kennen
Hier ist das Risiko sehr gering und der Typ wird Sie vermutlich viel eher auf ein Date einladen, wenn Sie zuerst einfach mit ihm reden. Einer meiner guten Freunde erklärte es mir vor Ewigkeiten ziemlich unverblümt: „Hier hast du nichts zu verlieren“, sagte er. „Du musst wissen, dass es bei vielen Männern so sein kann, dass du an einem Tag der einzige Vorschlag in der App bist.“ Seither habe ich viele Dating-App-Vorschläge meiner Kumpels überprüft – er hatte nicht gelogen. Männer bekommen nicht annähernd so viele potenzielle Partnerinnen vorgeschlagen wie Frauen. Darum schicke ich Männern, die ich interessant finde, immer eine Nachricht. Immer.

Der beste Teil dieser Strategie ist, dass Sie von Anfang an die Kontrolle über die Unterhaltung haben (Und wer hat nicht gerne die Kontrolle?“). Wenn ein Typ ein cleveres Profil hat, beginne ich in der Regel mit etwas Witzigem und trete ein scherzhaftes Gespräch los. Zeigt sein Profil ein einzigartiges Hobby, über das ich mehr erfahren will, beginne ich damit. Wenn ich neugierig bin, was es mit einem unkonventionellen Foto auf sich hat, dann frage ich nach. Aber ich entscheide, was ich sagen will und kontrolliere so von Anfang an die Atmosphäre des Gesprächs. Häufig führt das zu den besten Ergebnissen.

Es ist so einfach! Ich werde meinem eigenen Rat folgen, wenn Sie es auch tun. Abgemacht?

Jenna Birch