Warum Kinder unbedingt einen Brief an den Weihnachtsmann schreiben sollten

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Ein Brief an den Weihnachtsmann – das klingt erst mal nicht besonders einfallsreich? Wenn das nicht zwischen Tür und Angel, sondern mit viel Zeit passiert, können Kinder dabei eine Menge über das Leben lernen. Und wir wiederum über die Kinder.

Was wünschen sich die Kinder wirklich? Die Wunschliste gibt einen Einblick in die kleinen Köpfchen. (Bild: Hannah Klaiber)

Als Tante bin ich mir nicht immer sicher, was die Kinder meiner Schwester gerade noch cool finden, welche Ideen im besten Falle für einen ungläubigen Blick (“Das meint sie doch jetzt nicht Ernst?!”) und im schlimmsten für ein genervtes Augenrollen (“Ich bin doch kein Baby mehr!”) sorgen. Deshalb habe ich den Plan, dem Weihnachtsmann einen Brief zu schreiben, erst mal ganz vorsichtig angesprochen – und meinem Neffen sofort einen hieb- und stichfesten Beweis seiner Existenz mitgeliefert: die offizielle Santa-Claus-Adresse in Finnland.

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Letzteres wäre gar nicht unbedingt nötig gewesen. Die Kinder waren so aufgeregt, dass sie mir dieses Mal meine halbstündige Standard-Verspätung nicht nachsehen wollten und mich ungeduldig anriefen: “Wo bleibst du denn?” Ich hätte jetzt etwas von Rentieren auf der Autobahn erzählen können, bin in diesem Falle aber bei der Wahrheit geblieben – “die Zeit vergeht morgens einfach zu schnell.”

Die Möglichkeit zu erklären, dass es größere Wünsche gibt als Spielsachen

Bevor es ans Schreiben und Basteln ging, habe ich den Kindern erklärt, dass sich der Weihnachtsmann nicht mit Kleinigkeiten abgibt und am ehesten die Wünsche erfüllt, die sich nicht mit Geld kaufen lassen. Zugegeben, die Erkenntnis, dass keine PlayStation unter dem Baum liegen wird, hat für eine kleine Ernüchterung gesorgt. Dann wurden sie aber schnell wieder neugierig: “Was könnte man sich denn sonst wünschen?”

Die Kinder nehmen sich Zeit, über ihre Wünsche nachzudenken. (Bild: Hannah Klaiber)

Eine Gelegenheit, die Eltern nun nicht unbedingt für einen einstündigen Monolog in Sachen Weltfrieden nutzen müssen. Und doch öffnet sich hier ein Türchen, aus dem wir altersgerechte Wahrheiten ans Licht bringen und den Kleinen vermitteln können, dass es größere Wünsche gibt als Spielsachen – und nicht alle Kinder in so behüteten Verhältnissen aufwachsen wie sie.

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Eine Tatsache, die selbst dann noch in den Köpfen meiner Nichte und meines Neffen blieb, als ihnen das Ausmaß der Wunschmöglichkeiten bewusst wurde. “Essen für alle” schrieben sie später gewissenhaft auf ihre Liste.

Was wünscht sich das Kind für die Zukunft?

Auch der Weihnachtsmann selbst wird bei den Wünschen bedacht. (Bilder: Hannah Klaiber)

Superkräfte? Na klar. Welches Kind träumt nicht davon, einen Brief aus Hogwarts zu erhalten oder über die Dächer der Stadt fliegen zu können? Doch dann sind da noch Wünsche, die ganz konkret formuliert werden und uns verraten, was die Kids gerade wirklich umtreibt: Meine Nichte, die sich vor wenigen Wochen den Arm gebrochen hat, wünscht sich Gesundheit. Mein Neffe möchte auf die Realschule in die Sportklasse gehen. Beiden ist es wichtig, dass sie gute Noten schreiben – und sie möchten alt werden (100 Jahre!).

Beide Kinder möchten 100 Jahre alt werden und gute Noten schreiben. (Bilder: Hannah Klaiber)

Die beiden haben sich Zeit gelassen, über ihre Wünsche nachzudenken und sie zu formulieren. Bis auf meinen Einwand, dass der Weihnachtsmann kein Geld ausgeben wird, habe ich mich komplett und sehr gespannt zurückgehalten. Ich habe ihnen schwierige Wörter diktiert, aber nicht meine Ideen. Was geht in den kleinen Köpfchen vor?

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Diese Erkenntnisse sind für mich genauso spannend wie für die Kinder die Vorstellung, dass der Weihnachtsmann persönlich ihre Post lesen wird. Und die wurde noch am gleichen Tag verschickt.

Das Main Post Office in Finnland bekommt jedes Jahr tausende Briefe von Kindern, die sich etwas vom Weihnachtsmann wünschen. (Bild: Hannah Klaiber)

Ob es eine Antwort von Santa’s Main Post Office geben wird? Wer weiß… Das ist am Ende auch gar nicht mehr so wichtig. Für einige Stunden hat sich alles um die Gedanken und Sehnsüchte der Kinder gedreht. Und meinen Wunsch, daran teilhaben zu dürfen, hat der Weihnachtsmann auch ganz ohne Liste erfüllt.

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