Warum schmücken wir an Weihnachten eigentlich Bäume?

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Die einen mögen es eher puristisch mit Strohschmuck, Nüssen und Äpfeln, den anderen kann es vom Flamingo im Tutu bis zum Zylinder tragenden Nilpferd nicht kitschig genug sein. Aber woher kommt eigentlich der Brauch, Weihnachtsbäume zu schmücken?

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden – auch, wenn es um den perfekten Weihnachtsschmuck geht. Doch wo kommt der Brauch eigentlich her? (Bild: Getty Images)

Einen richtigen Baum holte man sich früher noch nicht ins Haus, wohl aber ein paar Zweige. Die sogenannten Wintermaien waren ein Symbol für die Kraft des Lebens und Fruchtbarkeit und wurden von den Heiden zur Wintersonnenwende in ihre Behausungen gebracht.

Mit Luther hat der Baum nichts zu tun

Das christliche Element der schmückenden Pflanzen kam erst im 15. Jahrhundert dazu, wobei die Quellenlage zu den ersten Weihnachtsbäumen und ihrem Erscheinungsort nicht ganz eindeutig ist. In Freiburg jedenfalls soll eine Bäckerzunft im Jahr 1419 einen geschmückten Weihnachtsbaum aufgestellt haben, in Straßburg wurden angeblich bereits 1535 Weihnachtsbäume verkauft.

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Allerdings keine Nordmann- oder Blautannen, sondern Buchsbäume, Stechpalmen und Eiben. Ein Irrtum ist dagegen, dass Martin Luther Weihnachten mit einem Baum gefeiert haben soll. Das berühmte Bild „Luther mit seiner Familie am Christabend 1536 zu Wittenberg“ zeigt ihn zwar mit seiner Familie um einen Weihnachtsbaum sitzend. Tatsächlich entstand es aber erst 1834 und der Künstler wusste schlicht nicht, wie Luther Weihnachten gefeiert hat.

Die Katholiken zogen erst später nach

Im Norden Deutschlands kam der Brauch nachweislich 1570 an, als in Zunfthäusern in Bremen Weihnachtsbäume aufgestellt wurden. Deren Schmuck bestand aus Äpfeln, Nüssen und Datteln. „Abgeschmückt“ wurden die Bäume durch die Kinder, die die Leckereien aßen.

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Danach dauerte es bis zum Jahr 1730, bis die Weihnachtsbäume zusätzlich mir Kerzen geschmückt wurden. Die sogenannten Lichterbäume standen zunächst nur in Häusern von evangelischen Familien, Anfang des 19. Jahrhunderts wurden sie dann konfessionsunabhängig zum Symbol für Weihnachten. In der breiten Bevölkerung kam der Baum aber erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts an.

Früher holten sich die Leute keinen ganzen Baum, sondern lediglich Zweige ins Haus. (Bild: Getty Images)

Adelige und Soldaten trugen den Brauch in andere Länder

Dafür, dass Weihnachtsbäume europaweit bekannt wurden, sorgten zunächst die Adeligen, die die geschmückten Bäume an ihre Verwandten im Ausland verschenkten. In die Neue Welt brachten den Brauch vor allem deutsche Auswanderer und Soldaten, die im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kämpften.

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Nicht zuletzt trug der Erste Weltkrieg zur Verbreitung des Weihnachtsbaums bei. Mitten in den Kriegsgräueln des Winters 1914 in Frankreich waren die Weihnachtsbäume der deutschen Soldaten der einzig schöne Lichtblick, der auch den britischen, kanadischen und australischen Soldaten ans Herz ging.

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