Emotionaler Post: Was es heißt, eine berufstätige Mutter zu sein

Johannes Giesler
Freier Autor

Eine US-amerikanische Frau schreibt in ihrem Blog darüber, welche täglichen Herausforderungen ihr Leben als berufstätige Mutter mit sich bringt. Der Text geht schnell viral und ruft dabei ein großes positives Echo hervor.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist auch in Deutschland eine Herausforderung. Allerdings mit einem großen Unterschied zwischen den Geschlechtern: Laut Mikrozensus 2017 arbeiten sieben von zehn Müttern mit einem minderjährigen Kind und ungefähr jeder zwanzigste Mann. Foto: Symbolbild / gettyimages / Thanasis Zovoilis

25 Stunden arbeiten laut boredpanda US-amerikanische Mütter im Schnitt pro Woche. Das ist so viel, wie nie zuvor. Wie aufreibend es sein kann, Familie und Beruf zu vereinbaren, darüber hat nun Jamie Johnson geschrieben. Sie ist Mutter zweier Söhne und arbeitet Vollzeit in einem Gesundheits- und Therapiezentrum in Kentucky. Ihr Blogeintrag mit dem Titel “Von einer arbeiteten Mutter zur nächsten” ging viral. Zuvor veröffentlichte sie ihn auf ihrem eigenen Blog “MomFail”. Darin berichtet sie von den großen und kleinen Krisen des Alltags oder wie viel Energie es eigentlich kostet, ihrer Arbeit und ihrer Familie gleichermaßen gerecht zu werden.

“Bitte hört auf, mich dafür zu verurteilen, dass ich das Büro pünktlich um 17 Uhr verlasse. Aber meine Kinder warten, dass ich sie vom Babysitting abhole.”


Sie beschreibt, wie ihr Leben in zwei Welten aufgeteilt wird - Tag für Tag.

Geschwollene Augen, erschöpfter Blick, krankes Kind

Ja, sie wisse, dass sie ein Meeting verpasse, aber der Schulabschluss ihres Kindes sei ihr wichtiger.

Ja, sie sei auch mal zu spät gekommen, aber sie habe ihr Kind nicht vor 7.45 Uhr in der Tagespflege abgeben können.

Und ja, sie sei manchmal abgelenkt, das liege dann an ihrem kranken Kind, sie versuche noch einen Termin beim Arzt oder bei der Ärztin zu bekommen.

Nein, sie wolle wirklich nicht so erschöpft aussehen, aber sie sei nun mal seit 4.30 Uhr in der Früh wach, weil sie ein untröstliches Kind habe.

Und nein, ihre Mail solle nicht schnippisch klingen, aber sie habe einen Fünfjährigen, der den ganzen Morgen geweint habe, weil er nicht zur Schule wolle.

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Aber ja, sie wisse, dass ihre Augen geschwollen und glasig seien, das liege daran, dass sie die Nacht weinend verbracht habe, weil sie einfach nur erschöpft sei und in den vergangenen fünf Jahren kaum mal in Ruhe und heiß geduscht habe.

Und ja, sie wisse auch, dass sie ihr Privatleben eigentlich draußen lassen solle, wenn sie zur Arbeit komme, aber als Mutter zweier Kinder sei das unglaublich schwierig.

Ein Dankeschön an alle Mitmenschen

Johnsons Text ändert sich dann, hin zu einer Dankesrede an all die Menschen, die es ihr und allen anderen Müttern und Vätern erlauben, berufstätig zu sein. Sie dankt den Menschen, die Verständnis zeigen für ihre doch eigentlich ganz normale Situation. Sie schreibt:

“Ich danke allen, die mir in den vergangenen fünf Jahren mit Nachsicht begegnet sind. Es ist nicht einfach, eine Mutter zweier Kinder zu sein und Vollzeit zu arbeiten. Danke an alle Chefs und Chefinnen, die mich gehen ließen, zu Arztterminen, wegen unerwarteter Krankheiten, zu Schulabschlüssen und Mittagessen in der Schule”

Sie richtet ihre Dankesrede an alle Menschen, die sich in den Meetings wegdrehten, als sie schwanger und ihr übel wurde, sodass sie schnell raus rennen musste, um sich zu übergeben. Und an alle, die ihre geschwollenen Augen, ihr erschöpftes Gesicht und die Spucke auf ihrer Bluse ignorierten.

“Danke an all die anderen Mütter, die jeden Tag aufs Neue durchziehen und mich so motivieren, weiterzumachen”

Sie verstehe, was sie durchmachten.

“Ich weiß, ich bin nicht die einzige Mutter der Welt, die einen Job hat. Aber ich bin eine Mutter, die einen Job hat und ich verstehe deshalb genau, was ihr durchmacht. Ich verstehe, dass ihr euer Mittagessen schnell am Schreibtisch esst, damit ihr noch euer Kind von der Tagespflege holen, es zum Arzt oder der Ärztin bringen, es wieder zurück zur Tagespflege fahren und pünktlich um 14 Uhr beim Meeting sein könnt.”

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“Gebt nicht auf!”

Zum Schluss richtet Jonson noch motivierende Worte an all die anderen arbeitenden Mütter. Sie schreibt:

“Ihr müsst nicht wählen zwischen den beiden Welten, die ihr liebt. Ihr könnt eine Familie und eine Karriere haben. Es ist nicht einfach, aber möglich. Ja, die Welten kollidieren manchmal und machen das Leben komplizierter. Aber das alles ist es wert. Hört nicht auf. Gebt nicht auf. Ihr kriegt das hin.

P.S.: Nicht jeder oder jede wird das alles verstehen. Das ist in Ordnung.”

Positives Feedback von Müttern

Johnson hat für ihren Text mittlerweile sehr viel positiven Zuspruch erhalten, vor allem Nachrichten von Müttern, die gleich oder ähnlich empfinden. Letzte Woche veröffentlichte Johnson deshalb einen kurzen Beitrag auf Facebook:

“Ich kann all die Liebe kaum fassen, die ich nach meinem Text darüber, eine berufstätige Mutter zu sein, erfahren habe. Vielen Dank an alle, die ihn geteilt haben und denen er gefallen hat!”