Was ist eigentlich der Dunning-Kruger-Effekt?

Antonia Wallner
Freie Autorin

Sie sind ein besonders nerviger Typ von Mensch: Die ‘Klugscheißer‘, die alles besser wissen, aber selber oft gar keine Ahnung haben. Tatsächlich können sie oft nicht anders. Denn ihr Verhalten folgt dem sogenannten Dunning-Kruger-Effekt. Was verbirgt sich dahinter?

Menschen, die immer alles besser wissen, haben oft gar keine Ahnung. (Symbolbild: Getty Images)

Jeder von uns hat sich schon mal über einen “Dunning-Kruger-Typ“ geärgert. Das sind die Menschen, die sich ungefragt in Diskussionen einschalten und ihr Wissen so prahlerisch präsentieren, als wäre es eine Perle der Weisheit. Als Zuhörer merkt man aber schnell, dass diese Besserwisser eigentlich absolut null Kompetenz haben. Faszinierenderweise halten sie sich selbst aber für Koryphäen auf “ihren“ Gebieten. Und genau dieses Phänomen entdeckten die Psychologen David Dunning und Justin Kruger im Jahr 1999.

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In ihrer Studie stellten die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen Inkompetenz und Selbstwahrnehmung her. Dazu führten sie verschiedene Tests durch, die ihre Probanden in Sachen Allgemeinwissen, gesundem Menschenverstand und Intelligenz forderten. Mal sollten die Tester logisch argumentieren, dann wieder ging es um das Verständnis von Humor oder um Grammatik. Abschließend sollten sie einschätzen, wie gut sie gegenüber ihren Konkurrenten abgeschnitten hatten.

Sich selbst über- dafür andere unterschätzen

Das Ergebnis war paradox: Ausgerechnet die Testpersonen, die die schwächsten Leistungen ablieferten, hatten sich als überdurchschnittlich gut eingeschätzt. Gleichzeitig verkannten sie aber die Fähigkeiten und Intelligenz der anderen Tester. Mit anderen Worten: Dunning-Kruger-Typen sind die besten, die intelligentesten und die fähigsten Menschen auf diesem Planten. Alle anderen sind dagegen dumm. Glauben sie. (Die Testpersonen hingegen, die gut abgeschnitten hatten, schätzten sich übrigens eher schlechter ein.)

Und als wäre das nicht schon schlimm genug, lassen sich diese Typen kaum umstimmen oder gar belehren. Zwar fanden Dunning und Kruger auch heraus, dass sich inkompetente Menschen durch Bildung und ehrliches Feedback bessern können. Aber selbst wenn die Beweise für die Inkompetenz noch so erdrückend sind, redet man oft gegen eine Wand. Denn das Feedback muss sehr vorsichtig und geschickt formuliert werden, damit es angenommen wird. Brutale Konfrontation macht es dagegen noch schlimmer: Am Ende fühlt sich der Selbstbewusste als “verkanntes Genie“.

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Dunning und Kruger gewannen Satire-Preis

Obwohl jetzt bestimmt vor unserem inneren Auge ein oder mehrere “Dunning-Kruger-Typen“ erscheinen, sollte man die Studie auch nicht überschätzen. In der Fachliteratur kommen Dunning und Kruger nämlich nur selten vor. Trotzdem erhielten die beiden Wissenschaftler im Jahr 2000 den satirischen “Ig-Nobelpreis“ für ihr Phänomen. Den gibt es für wissenschaftliche Erkenntnisse, die zwar seriös recherchiert, aber letztlich nutzlos für die Menschheit sind. Und ganz ehrlich: Wir sind alle manchmal kleine Besserwisser. Egal ob im Sport, im Job oder in der Beziehung.

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