Was ist „Hangxiety“? Warum ein Abend mit viel Alkohol am nächsten Tag zu Angstzuständen führen kann

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No in the New Year (auf Deutsch: Nein sagen im neuen Jahr) ist eine Reihe von Yahoo Life über die Macht des Nein-Sagens, das Setzen von Grenzen und das Priorisieren der eigenen körperlichen und geistigen Gesundheit.

Fühlst du dich nach einer durchzechten Nacht ängstlich? Dr. Jiseung Yoon sagt, dass die einzige Möglichkeit,
Fühlst du dich nach einer durchzechten Nacht ängstlich? Dr. Jiseung Yoon sagt, dass die einzige Möglichkeit, "Hangxiety" zu verhindern, darin besteht, von vornherein auf Alkohol zu verzichten. (Foto: Getty Creative)

Du fragst dich, warum du dich am Tag nach einer durchzechten Nacht rastloser und unruhiger fühlst als sonst? Da bist du nicht allein. Der Begriff „Hangxiety“ wird immer beliebter und könnte die körperlichen Symptome eines Katers als die gefürchtetste Folge eines Alkoholexzesses ablösen, die es gibt.

Laut Dr. Jiseung Yoon, einem Facharzt für Suchtmedizin, der mit dem Online-Alkoholbehandlungsprogramm Monument zusammenarbeitet, treten bei Nachtschwärmern am Tag nach dem übermäßigen Alkoholgenuss häufig Angstsymptome wie eine erhöhte Herzfrequenz und Atemnot auf.

Wodurch wird Hangxiety verursacht?

„Die Angstsymptome rühren daher, dass der Alkohol den Körper verlässt“, erklärt Yoon gegenüber Yahoo Life, und ergänzt, dass es sich dabei um einen Entzugsprozess handelt. Wenn jemand Alkohol trinkt, wird das Gehirn erregt und erzeugt angenehme Gefühle. Sobald die Wirkung des Alkohols nachlässt, schaltet das Gehirn auf Hochtouren und verlangt nach mehr von der Substanz.

„Bei vielen Menschen dauert es so lange, bis sie wieder anfangen zu trinken, und das ist ein Teufelskreis“, sagt Yoon. „Bei Binge-Drinkern ist es noch ein bisschen schlimmer, weil ihr Gehirn auf Alkohol sensibilisiert wird: Wenn sie trinken, ist ihr Gehirn glücklich, aber wenn sie eine Zeit lang nicht trinken, reagiert das Gehirn [mit Angstsymptomen], bis sie wieder anfangen zu trinken.“

Patricia Frierson mit ihren Ehemann, Ryan. (Foto: Patricia Frierson)
Patricia Frierson mit ihren Ehemann, Ryan. (Foto: Patricia Frierson)

Hangxiety-Symptome

Patricia Frierson, die diesen Monat seit zwei Jahren trocken ist, kennt Hangxiety nur zu gut.

„Als ich noch getrunken habe, hatte ich täglich Hangxiety“, sagt sie. „Es gab Zeiten, in denen es so schlimm wurde, dass ich über dem Waschbecken im Bad hing und mir eiskaltes Wasser ins geschminkte Gesicht spritzte, während ich zitterte. Ich habe nachts so viel getrunken, dass ich morgens in einem hyper-ängstlichen Zustand aufwachte und mich egoistischerweise weigerte, beides miteinander in Verbindung zu bringen.“

Zu den Symptomen ihrer Hangxiety zählt Frierson Kopfschmerzen, Magenverstimmung, Zittern, Gefühle von Angst und Überforderung sowie Kurzatmigkeit.

„Bevor ich mit dem Trinken anfing, wurde bei mir eine allgemeine Angststörung sowie situationsbedingte Angst diagnostiziert“, fügt Frierson hinzu, „aber das Trinken machte es noch viel schlimmer: Ich hatte einen tollen Tag bei der Arbeit, weil ich nüchtern war, und fing sofort an zu trinken, als ich nach Hause kam, und fand mich in einem schlechten Zustand wieder.“

Ein Heilmittel gegen Hangxiety?

Yoon sagt, dass für diejenigen, bei denen bereit Angstzustände diagnostiziert wurden, Hangxiety noch schlimmer sein kann. Aber gibt es Vorkehrungen, die man vor einer Nacht mit viel Alkohol treffen kann, um die Ängste am nächsten Tag zu minimieren? Yoon sagt, das sei unwahrscheinlich.

„Die einzige Möglichkeit, dies zu verhindern, ist, keinen Alkohol zu trinken“, sagt er. „Wenn man doch trinkt, kann man am nächsten Tag viel Wasser trinken und etwas essen, denn das hilft, sich körperlich zu erholen, und dann kann es auch sehr hilfreich sein, Dinge zu versuchen, die man normalerweise gegen normale Angstzustände macht, wie Atemübungen oder Entspannungsübungen. Aber es gibt nicht viel, was man tun kann, außer nicht zu trinken, um diese Angstgefühle zu verhindern.“

„Wann immer ich mit einer schwierigen Situation konfrontiert bin oder in irgendeiner Weise emotional gestört bin, trinke ich keinen Tropfen“

Tara Schuster, eine Führungskraft in der Unterhaltungsbranche und Autorin von Buy Yourself the F***ing Lilies (auf Deutsch: Kauf dir die verdammten Lilien). In ihrem Bestseller spricht sie offen über ihre eigene Beziehung zum Alkohol und sagt, dass der Verzicht auf Alkohol ein für alle Mal der beste Weg ist, um mit Hangxiety fertig zu werden.

„Wenn ich trinke, stelle ich fest, dass ich am nächsten Tag noch ängstlicher bin, selbst wenn ich mich gut fühle“, sagt Schuster. „Alkohol ist ein Depressivum und wenn etwas schiefläuft, ist das nicht der richtige Zeitpunkt, um sich abzureagieren. Wann immer ich also mit einer schwierigen Situation konfrontiert bin oder in irgendeiner Weise emotional gestört bin, trinke ich keinen Tropfen.“

Die Vorteile der Alkohol-Abstinenz

Abgesehen von Angstgefühlen sagt Schuster, dass Alkoholkonsum oft ihren Schlafrhythmus durcheinanderbringe und sie sich körperlich unwohl fühle. In ihrem Buch erzählt sie, eine ihrer persönlichen Regeln in Bezug auf den Alkoholkonsum laute, dass sie nicht alleine trinkt, und, so sagt Schuster, während der Pandemie kaum getrunken hat.

„Ich habe dieses Jahr nicht getrunken und fühle mich so gesund wie noch nie“, sagt sie. „Warum bin ich in diesem Shitstorm, diesem Müllcontainerfeuer-Wahnsinn der Welt, und gleichzeitig geistig am gesündesten? Es würde mich sehr überraschen, wenn es nicht irgendeinen Zusammenhang gäbe zwischen dem Verzicht auf eine Entscheidung, von der ich weiß, dass ich mich schlecht fühle, und dem besten Gefühl, das ich je hatte.“

Schuster sagt, wenn wir das Gefühl haben, „einen Drink zu brauchen“, ist es an der Zeit, kurz innezuhalten und sich zu fragen, welche Gefühle wir mit Alkohol auszuschalten oder selbst zu behandeln hoffen.

„Menschen benutzen Alkohol als Betäubungsmechanismus“, erklärt sie. „Wir sagen: ‚Ich hatte einen wirklich anstrengenden Arbeitstag, lass mich ein Glas Pinot Noir trinken‘. Oder wir streiten uns mit unserem Partner, also trinken wir einen Cocktail, oder als Ausgleich zu einem stressigen Job sagen wir am Wochenende: ‚Den ganzen Tag Rosé, ihr Schlampen‘, und das ist so bescheuert. Im Grunde genommen ist das, was du tust, Benzin auf eine ohnehin schon brenzlige Situation zu geben.“ Frierson stimmt dem zu.

„Abstinenz war der härteste Kampf meines Lebens“, sagt die zweifache Mutter aus South Carolina. „Aber abgesehen vom Muttersein, gibt dies einem das beste Gefühl.“

„Ich habe angefangen, zur Therapie zu gehen und eine Vielzahl von Techniken anzuwenden, die mir helfen, die Momente zu überstehen, in denen ich einige der Symptome spüre, die ich aus meiner Zeit als Trinkerin kenne“, fährt sie fort. „Meine Angst verschwindet nicht immer ganz, aber es erdet mich so sehr, dass ich wieder zu mir selbst finde und mich nicht mehr nach Alkohol sehne, damit es mir besser geht.“

Terri Peters

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