Was man 2022 unbedingt essen sollte: Die Essenstrends des Jahres

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Wir haben uns durch die Pandemie gefuttert und Hausmannskost, Essen vom Lieferdienst und Takeaways haben in den letzten zwei Jahren einen enormen Aufschwung erlebt. Wir haben uns mit Essen getröstet und zusammen mit Sauerteig und dem Bananenbrot-Trend aus Lockdown Nr. 1 hat es uns am Leben gehalten. Aber was werden wir essen, wenn 2022 die Pandemie – hoffentlich – endlich vorbei ist?

Eindrucksvolle Desserts zum Teilen sollen eine große Sache werden. (Bild: Getty Images)
Eindrucksvolle Desserts zum Teilen sollen eine große Sache werden. (Bild: Getty Images)

Jennifer Earle, Beraterin für Essensinnovationen sagt: "Pflanzliche Produkte werden sich weiterhin in allen Kategorien verbreiten und ich gehe davon aus, dass wir in den Supermarktregalen vegane Versionen von beliebten Produkten sehen werden (wie zum Beispiel Schokoriegel aus dem Automaten)."

"Sowohl kleine als auch große Unternehmen werden mit Nischen-Lebensmittelmarken und mit Leuten, die eine große Fangemeinde in den sozialen Medien haben, zusammenarbeiten, um ihren Coolness-Faktor und ihr Publikum zu nutzen, um ihre Umsätze zu steigern."

Boom bei den "High-End"-Produkten

Sie rechnet auch mit einem Boom bei den "High-End"-Produkten: Premium-Spirituosen, eindrucksvolle Desserts und Kuchen zum Teilen, riesige gefüllte Kekse mit gerösteter weißer Schokolade oder anderen Premium-Zutaten sowie hochwertiges Fleisch und Sets zum Zubereiten eines Essens.

"Das liegt an den Menschen, die sich gern etwas gönnen möchten, weil sie in den letzten zwei Jahren das Gefühl hatten, das Leben sei zu kurz, um es nicht zu tun. Aber auch der Brexit und die Inflation spielen eine Rolle. Bei den allgemein steigenden Preisen ist für viele der einzige Weg im Geschäft zu bleiben und eine vernünftige Gewinnspanne zu haben, eine Ultra-Premium-Reihe zu schaffen, die die übrigen Produkte mitträgt."

Dinnerpartys sind wieder im Kommen, und zwar mit High-End-Zutaten. (Bild: Getty Images)
Dinnerpartys sind wieder im Kommen, und zwar mit High-End-Zutaten. (Bild: Getty Images)

Was die allgemeinen Trends angeht, so wird der Markt für pflanzliche Produkte immer größer. "Eine Kombination aus Verbraucherinteresse und potenziellen zukünftigen Problemen in der Lieferkette bedeutet, dass Hersteller und Einzelhändler versuchen, diesen Markt mit ihren Produktlinien vollständig zu erobern und sich gegen das Risiko abzusichern, dass sie in Zukunft kein Qualitätsfleisch und keine Milchprodukte mehr bekommen können", erklärt Earle.

Wenn es um das nächste große Ding geht, fügt sie hinzu, "werden wir bei Back- und Süßwaren mehr gefriergetrocknete Früchte, mehr ‚exotische' Früchte, mehr karamellisierte weiße Schokolade und mehr Miso erleben."

"Wir werden sehen, dass mehr Mainstream-Schokoladenriegel vegane Versionen auf den Markt bringen werden, da die Umstellung auf tierfreie Produkte nicht nur eine Frage der Gesundheit ist (für manche Menschen sogar überhaupt nicht)."

Ähnlich wie in der Modebranche glaubt Earle, dass es auch in der Lebensmittelbranche "mehr Kooperationen geben wird, da Unternehmen versuchen werden, die Fangemeinden von nicht konkurrierenden Marken und Influencern zu nutzen, um ihren eigenen Kundenstamm zu vergrößern."

Auch bei Obst und Gemüse gibt es Trends und da die Preise steigen, die Brexit-Regeln in Kraft treten und die Verbraucher nach Nachhaltigkeit streben, "werden wir einen riesigen Trend in Richtung regional angebaute Produkte sehen", so Sarah Calcutt, Vorstandsvorsitzende der National Fruit Show.

Wir werden mehr Obst sehen, das in Großbritannien angebaut wird. (Bild: Getty Images)
Wir werden mehr Obst sehen, das in Großbritannien angebaut wird. (Bild: Getty Images)

Dies hat viele Gründe – die Zunahme der pflanzlichen Ernährung, das wachsende Bewusstsein für die Umweltvorteile von Lebensmitteln, die im eigenen Land angebaut werden, und der Verzicht auf den Import von ethisch oder ökologisch bedenklichen Lebensmitteln aus anderen Ländern.

Es wird auch immer schwieriger, Lebensmittel einzuführen, die innovativ sind. Westlands aus Evesham sind Experten für Mikrokräuter, orientalische Blätter und orientalische Aromen – sie haben Gewächshäuser für Meerfenchel, Wasabi, Shizu, und sie treiben die Essenstrends in der gehobenen Küche voran.

Calcutt sagt ebenfalls einen Boom bei britischem Obst voraus, "wie KISSABEL-Äpfel, die in Großbritannien angebaut werden."

Menschen werden beim Thema Lebensmittel mehr Nachhaltigkeit verlangen

Unsere neu entdeckte Besessenheit mit dem Wohlbefinden wird ebenfalls entscheidend sein, meint Calcutt. "Nutrazeutische oder funktionelle Lebensmittel sind ein wachsender Trend – ich habe einen steilen Anstieg der Investitionen in Pflanzen beobachtet, die wir hier traditionell nicht anbauen – die Vitamin-C-reichen Beeren Aronia und Sanddorn werden für Saftmischungen und Nahrungsergänzungsmittel angebaut."

Julia Kirby-Smith, Leiterin des nachhaltigen Einzelhandels Fridge of Plenty fügt hinzu: "Mit dem andauernden Zuwachs bewusster Verbraucher werden die Menschen beim Thema Lebensmittel definitiv mehr Nachhaltigkeit verlangen. Einzelhändler werden sich darüber Gedanken machen müssen, wie sie es in Sachen Transport, Verpackungen, Bio-Produktionsmethoden und Lebensmittelabfälle besser machen können."

Wohlbefinden und
Wohlbefinden und "Nutrazeutika’" sollen 22 einen Boom erleben. (BIld: Getty Images)

Sie stimmt zu, dass pflanzliche Produkte auf dem Vormarsch sind. „In diesem Jahr erwarten wir eine noch größere Nachfrage nach veganen Käsesorten und pflanzlichen Produkten wie Zalmon und Vegan Wellingtons.“

"Wir rechnen auch damit, dass Lebensmittel aus der freien Natur ein großer Hit werden. Im letzten Frühjahr waren alle verrückt nach Bärlauch, dieses Jahr wird es wohl um Wildfrüchte und essbare Pflanzen im Salat gehen."

Für diejenigen, die nicht vegan werden, fügt sie hinzu: „Wir stellen fest, dass Fleischesser ein starkes Interesse an Bio-Fleisch und geringen Transportwegen für Lebensmittel haben. Regenerative Landwirtschaft wird in diesem Jahr das Schlagwort sein.“

Der jüngste Waitrose/Wholefoods-Bericht über die Lebensmittel- und Getränkeindustrie hat ebenfalls einige neue Trends für 2022 aufgezeigt, und da 41 % der Befragten der Meinung sind, dass Essen für sie wichtiger ist als vor der Pandemie, überrascht es nicht, dass eine Rückkehr zur klassischen Dinnerparty vorhergesagt wird.

Salate aus der freien Natur werden uns durch den Sommer begleiten. (Bild: Getty Images)
Salate aus der freien Natur werden uns durch den Sommer begleiten. (Bild: Getty Images)

Ein Viertel aller Befragten sagte, dass sie vorhätten, nach der Pandemie mehr Dinnerpartys zu veranstalten – und „die Käufer wenden sich vermehrt teureren, qualitativ hochwertigeren Zutaten zu, wenn sie Gäste zu Hause unterhalten.“

Der Einkauf von Lebensmitteln im Internet wird weiter zunehmen, aber der Bericht sagt auch voraus, dass „häufigere Einkäufe mit kleineren Warenkörben“ in diesem Jahr langsam an Beliebtheit gewinnen werden – 8 Prozent kaufen jetzt täglich vor Ort ein, ein Anstieg von 4 Prozent gegenüber dem Einkauf vor der Pandemie.

TikTok als Freund des Hobbykochs

Was die Trends angeht, so werden die sozialen Medien unser Interesse an neuen Zutaten und Rezepten steigern, wobei sich TikTok als der Freund des Hobbykochs erweist.

Einfache, virale Rezepte wie mit Feta überbackene Pasta und Pesto-Eier treiben die Suche nach Zutaten voran und werden uns dazu ermutigen, neue Geschmacksrichtungen und neue Arten der Zubereitung auszuprobieren. Beim Kochen sind wir auf der Suche nach dem maximalen Geschmack mit minimalem Aufwand. Drei Viertel aller 18- bis 24-Jährigen haben sich im vergangenen Jahr von TikTok oder Instagram inspirieren lassen.

Das Nachkochen von TikTok-Rezepten wird in diesem Jahr groß sein. (Bild: Getty Images)
Das Nachkochen von TikTok-Rezepten wird in diesem Jahr groß sein. (Bild: Getty Images)

Über alle Altersgruppen hinweg gab fast ein Drittel der Befragten an, dass sie sich regelmäßig in den sozialen Medien über Lebensmittel informieren.

Unsere Foodie-Entscheidungen werden auch dadurch beeinflusst, welches Essen wir nutzen müssen, um Verschwendung zu vermeiden.

Der Waitrose-Bericht ergab, dass stolze 75 Prozent sich im Zuge des COP26 und dem erneuten Fokus auf Nachhaltigkeit vorgenommen haben, in diesem Jahr weniger Lebensmittel wegzuwerfen.

Die Supermarktkette sagt einen Boom der Veggie ‚5:2‘-Ernährungsweise voraus, bei der wir fünf Tage die Woche vegetarisches oder veganes Essen zu uns nehmen, und nur an zwei Tagen tierische Produkte verzehren.

Der Waitrose-Bericht prognostiziert auch den Aufstieg der Kartoffelmilch (sie ist zucker- und fettarm und nachhaltig), den Klimatarismus (Essen zum Schutz des Planeten) und die Rückkehr des "Familienfrühstücks".

Was die Leckereien betrifft, so hat die Bildersharing-Website Pinterest einen Trend zu atemberaubenden Torten vorausgesagt: Regenbogenkuchen, der Schwerkraft trotzende Torten, "Bubble"-Kuchen mit Gelatineblasen und fotorealistische "Kunstwerke" aus Glasur werden bei der jüngeren Generation sehr beliebt sein.

Ausgefallene Kuchen sind die Leckerei des Jahres. (Bild: Getty Images)
Ausgefallene Kuchen sind die Leckerei des Jahres. (Bild: Getty Images)

Auch unsere Vorfahren werden uns in diesem Jahr beeinflussen, denn Pinterest hat einen enormen Anstieg bei den Menschen verzeichnet, die nach Essen suchen, die ihre Familien zubereitet haben.

Es sieht ganz danach aus, als ob wir auch 2022 immer noch auf der Suche nach Trost sind. Und ganz ehrlich, wer kann es uns verdenken?

Flic Everett

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